Buch „Zieh den Balken aus deinem Auge!“
Eigene Vorurteile hinterfragen

Foto: Annette Lenhardt
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„Mit dem Finger auf andere zu zeigen und jede Schuld bei ihnen zu suchen ist der Anfang jedes Konflikts, und nur allzu oft endet harmloses Tratschen über einen Mitmenschen in Steinewerfen und ‚Kreuziget ihn!‘“, so Jürgen Schäfer, Wahlfeldkircher aus Deutschland sowie Theologe, Autor und ehemaliger evangelischer Pfarrer. In seinem neuen Buch „Zieh den Balken aus deinem Auge“ beleuchtet er die Evangelien unter einem ganz neuen Gesichtspunkt.

Kathrin Gross

Was hat die Geschichte Jesu mit Mobbing zu tun? Oder, zuerst: Was ist eigentlich die genaue Definition von Mobbing? Laut Duden die ständige Schikane von Arbeitskolleg/innen mit der Absicht, sie von ihrem Arbeitsplatz zu vertreiben. Die Online-Suche nach Synonymen für Mobbing ergibt beispielsweise Intrige, Kabale oder auch Quälerei. Nun ja, da kommen wir bereits näher an das Thema heran - aber noch besser kann dies vermutlich Jürgen Schäfer, der Autor des neuen Buchs „Zieh den Balken aus deinem Auge!“ definieren.

Aus Mustern aussteigen

„‚Den Balken aus dem eigenen Auge ziehen‘ heißt: Bei uns selbst beginnen, die eigenen Vorurteile und Überzeugungen zu hinterfragen“, so Schäfer. „Jesus beschreibt in diesem Zitat - ‚Warum siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, aber den Balken in deinem Auge bemerkst du nicht?‘ - ‚Du Heuchler, zieh zuerst den Balken aus deinem Auge, danach kannst du sehen und den Splitter aus deines Bruders Auge ziehen‘ - das Grundmuster eines jeden Konflikts: Wir suchen zuerst immer die Schuld beim anderen. Doch er wollte, dass wir aus den Mustern unseres Denkens und Verhaltens aussteigen. Das meine ich damit, dass wir offen sind und nicht die Schuld bei anderen Leuten suchen. Dass wir uns Gott anvertrauen und uns in diesem Vertrauen entfalten und befreien können.“

Neuauslegung der Evangelien

In Schäfers Buch begeben sich zwei alternde Freunde, ein Arzt und eine ehemaliger evangelischer Pfarrer, auf die Suche nach dem „wirklichen“ Jesus und seiner Botschaft und entdecken einen Mann aus Fleisch und Blut mit schier unendlicher Menschenliebe und ansteckender Lebensfreude, der allerdings offenbar schwer gemobbt wurde. Anhand des klassischen Mobbingmodells mit fünf Phasen vom Arzt und Psychologen Heinz Leymann begann Jürgen Schäfer, die Evangelien neu zu durchforsten und kam zur Erkenntnis, dass hier ein vollendeter Mobbingverlauf gegen Jesus von Nazareth und seine Botschaft vorliegt. Diese wurde verdreht und verrückt, war zu herausfordernd für die damalige Gesellschaft. Seine andersartigen Gedanken und Vorstellungen, seine neuen Sichtweisen, all dies war für die Menschen nicht nachvollziehbar. Seine Rede von einem liebenden und gnädigen Gott in diesem Leben, in Armut und Not, Krankheit und Leid passte nicht zu den üblichen Vorstellungen eines jenseitigen Gottes, dem man opfern muss, um ihn freundlich zu stimmen. Sogar Jesus‘ Jünger verstanden ihn oft nicht und wandten sich schlussendlich ebenfalls gegen ihn. Laut Schäfer werden nicht nur einzelne, das Mobbing betreffende Aussagen Jesu, sondern vielmehr alles, seine gesamte Botschaft und sein Leben, erst unter dem Aspekt des Mobbings wirklich verständlich.
Schäfer selbst kennt das Phänomen „Mobbing“ aus eigener Erfahrung. Als ehemaliger evangelischer Pfarrer wurde er laut seiner Aussage von seiner Kirche gemobbt. Während dieser Zeit sei er Jesus erst richtig nah gekommen. Umso intensiver war wohl die persönliche Verbindung, die er beim Verfassen von „Zieh den Balken aus deinem Auge!“ spürte.

Foto: Annette Lenhardt
Foto: KKV / Katrin Gross
Autor:

KirchenBlatt Redaktion aus Vorarlberg | KirchenBlatt

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