Ausstellung über Reinold Simma, den Langzeitpfarrer von Damüls
Seelsorger in den Bergen

Pfarrer Simma hielt viele Kirchenführungen in Damüls. Für den Tag seines Todes hatte er noch eine Führung eingeplant.
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Pfarrer Reinold Simma (1905-1998) war 46 Jahre lang Pfarrer von Damüls. Er hütete und führte seine Schäfchen im wahrsten Sinne des Wortes - nicht nur im religiösen Leben. Priester wie ihn, die so vielseitige Rollen im Dorf spielten und Einfluss ausübten, gibt es heute nicht mehr. Das Vorarlberger FIS Skimuseum Damüls widmet dem denkwürdigen Pfarrer eine Sonderausstellung.

Elisabeth Willi

Über Reinold Simma - sein Leben, sein Wesen und Wirken - könnte man ohne Probleme ein dickes Buch schreiben. Allein sein schriftlicher Nachlass beläuft sich auf mehr als 30 Schachteln. Aber auch Zeitzeug/innen wissen noch viele Geschichten über den Pfarrer bzw. die jüngere Generation kennt sie vom Hörensagen. Vieles von dem was damals war, wäre in der heutigen Zeit undenkbar und ist vielfach auch nicht richtig verständlich. Die Gesellschaft und die Rolle eines Pfarrers haben sich zu sehr verändert.

Kurz die prägnanten Eckdaten seiner Biographie: Der 1905 in Mellau geborene Reinold Simma war ein Spätberufener. Er trat 1939 ins Priesterseminar ein, wurde 1941 aber zur Wehrmacht eingezogen. Nach der Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft 1945 nahm er das Theologiestudium wieder auf und wurde 1948 zum Priester geweiht. Danach war er Pfarrprovisor in Schnifis und Kaplan in Riezlern. 1952 kam er schließlich als Pfarrer nach Damüls, wo er bis zu seinem Tod 46 Jahre später wirkte. Das war fast die Hälfte seines 93-jährigen Lebens.

Streibarer Seelsorger

Wer mit Zeitzeug/innen oder Historiker/innen spricht, stößt unweigerlich auf ein Thema: Dieser Mann war streitbar. Bei Reinold Simmas Beerdigung bezeichnete ihn der damalige Bischof Klaus Küng denn auch als „streitbaren Seelsorger“. Pfarrer Simma zeigte nicht nur Ecken und Kanten, wenn es um kirchliche Belange ging, politisch war er ebenfalls sehr interessiert und engagiert. Mit allen Bürgermeistern der kleinen Bergbauerngemeinde führte er hitzige Diskussionen, stellte sich öfters quer und machte manchmal genau das Gegenteil von dem, was die Gemeindeoberhäupter wollten. Trotzdem wurde er von der Gemeinde geschätzt, was sich zum Beispiel darin zeigt, dass ihm 1985 der Ehrenring der Gemeinde Damüls verliehen wurde.

Zeitzeug/innen erzählen, dass der Pfarrer sehr sozial war. Zum Beispiel unterstützte er junge Erwachsene aus Damüls, damit sie studieren konnten. Um helfen zu können, sparte er durchaus auch an sich selbst. Gustav Türtscher, ein Zeitzeuge aus Damüls, erzählt: „Wenn Pfarrer Simma in Innsbruck die Studenten besucht hatte, musste er das Geld für seine Rückfahrt oft erbetteln. Er hatte nämlich keines mehr, weil er ihnen alles gegeben hatte.“

Verdienste erwarb sich Pfarrer Simma auch als Archivar, Chronist und Publizist. Er hielt das Zeitgeschehen in Damüls in einer Chronik und in vielen Fotos fest. Im Alter von 90 Jahren gab Reinold Simma noch das Buch „Bergsommer in Damüls“ heraus, sein Kirchenführer von Damüls erschien in mehreren Auflagen.

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Apropos schreiben: Pfarrer Reinold Simma begrüßte den aufkommenden Tourismus in Damüls und engagierte sich auch tatkräftig dafür - zum Beispiel mit einem Schreiben an die Vermieter. In den „7 Tipps für die Privatzimmervermietung“ schreibt er von der richtigen Begrüßung über das nötige Distanzhalten bis hin zum Umgang mit Illustrierten. Wortwörtlich heißt es dazu: „Illustrierte verbleiben grundsätzlich im Gastzimmer. Kinder unter 14 Jahren haben keinen Zugang zu den Gastzimmern (abschließen).“

In der Ausstellung wird Pfarrer Simma als Pionier des Tourismus in Damüls bezeichnet. Dies könnte auf den ersten Blick widersprüchlich wirken, weil er in vielen Bereichen sehr konservativ war. Er sah im Tourismus jedoch die Chance, die Zukunft des Walser Bergdorfes zu sichern. Als erster und einziger Priester wurde er 1995 mit dem silbernen Ehrenzeichen des Landestourismusverbands ausgezeichnet.

Um noch einmal auf Pfarrer Simmas Konservativismus zurückzukommen: Dazu wissen Damülser/innen - auch solche, die damals noch gar nicht gelebt haben - einige Geschichten zu erzählen. Zum Beispiel war er nicht einverstanden mit Veranstaltungen, die am Sonntag stattfanden und tat dies natürlich - seiner Art entsprechend - lautstark und klar kund. Am Faschingsdienstag lud er die Jugend zu Skitouren ein, damit sie nicht auf die Idee kam, feiern zu gehen. Und dennoch: Immer wieder blitzen moderne Funken in seinen Handlungen auf. So hat er, als der Tourismus in Damüls Einzug hielt, die tägliche Frühmesse abgeschafft, weil die Damülser/innen zu der Zeit Gäste zu betreuen hatten. Dafür rief er eine Sportlermesse ins Leben, die eine halbe Stunde nach Liftschluss stattfand, und regen Zuspruch fand.

Pfarrer Reinold Simma war eine vielschichtige Persönlichkeit. Die Ausstellung im Pfarrhof zeigt dies auf unspektakuläre Weise. Die Schautafeln sind informativ, die Audioaufnahmen von Zeitzeugen sehr interessant und die Atmosphäre im Pfarrhof mit den niederen, holzgetäfelten Zimmern stimmig. Hier hat Pfarrer Simma übrigens als letzter Priester von Damüls gewohnt.

Im Skimuseum, das im Pfarrhof beheimatet ist, waren neben der Dauerausstellung schon öfters Sonderausstellungen zu sehen. „Es war an der Zeit, etwas über Pfarrer Simma zu machen. Es gibt so viele Geschichten von ihm zu erzählen“, sagt Bürgermeister Stefan Bischof. Kurator Christof Thöny ist unter anderem deshalb von dem Thema fasziniert, weil: „An Pfarrer Simma wird die vielseitige Rolle, die ein Priester früher hatte, gut sichtbar. Darüber hinaus zeigt sie, wie sich die Zeiten und die Art und Weise, wie Menschen denken und handeln, geändert haben.“

Sonderausstellung "Seelsorger in den Bergen"

(aus dem Vorarlberger KirchenBlatt Nr. 37 vom 16. September 2021)

Pfarrer Simma hielt viele Kirchenführungen in Damüls. Für den Tag seines Todes hatte er noch eine Führung eingeplant.
Kurator Christof Thöny, Bgm. Stefan Bischof und Zeitzeuge Gustav Türtscher.
Autor:

KirchenBlatt Redaktion aus Vorarlberg | KirchenBlatt

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