Fastentücher Innerberg
Mit dem Restaurator auf Tuchfühlung

Mit Beginn der Fastenzeit wurden die frisch restaurierten Fastentücher in der Kuratiekirche Innerberg aufgehängt.
  • Mit Beginn der Fastenzeit wurden die frisch restaurierten Fastentücher in der Kuratiekirche Innerberg aufgehängt.
  • Foto: Alfred Edlinger
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Im Spätmittelalter war es im gesamten Alpenraum üblich, in der vierzigtägigen Fastenzeit vor Ostern Fasten- oder Hungertücher aus figürlich bemalter Leinwand aufzuhängen. Während ursprünglich der gesamte Altarraum hinter den Tüchern verschwand, wurden ab dem 17. Jahrhundert zumeist nur mehr die Altäre verhüllt. In der Regel wurde vor jedem Altar ein Fastentuch aufgehängt. In Vorarlberg ging die Tradition der Fastentücher um 1800 zu Ende. Heute sind nahezu keine Fastentücher mehr erhalten oder gar in Verwendung.

Ein kirchliches Kleinod, das sich bis heute erfolgreich gegen das Aussterben dieser Jahrhunderte alten Tradition stemmt, ist die Kuratiekirche Innerberg in der Montafoner Gemeinde Bartholomäberg. Als Zeugnisse der spätbarocken Volksfrömmigkeit verdienen die Fastentücher deutlich mehr Beachtung, als ihnen geschenkt wird. Es handelt sich im vorliegenden Fall um drei in Öl auf Leinwand gemalte Szenen aus der Leidensgeschichte Jesu: Ölberg, Kreuzigung und Beweinung. Alle drei Tücher sind jeweils von einem gemalten, goldenen Rahmen eingefasst und passen genau in die Altaraufbauten, sodass die eigentlichen Altarbilder verhüllt werden. Am oberen und unteren Ende befinden sich mit Knäufen versehene Stangen, welche die Leinwand straffen. „Aufgrund der Passgenauigkeit der Tücher kann davon ausgegangen werden, dass diese dezidiert für die Innerberger Altäre angefertigt wurden“, informiert Alfred Edlinger seitens der Pfarrkuratie.

Im Jahr 1792 war die Kuratiekirche Unsere Liebe Frau Mariä Unbefleckte Empfängnis in Innerberg neu errichtet worden, und auch die Inneneinrichtung mit den Altären stammt aus dieser Zeit. Wahrscheinlich entstanden die Bilder daher kurz nach der Errichtung der Kirche im letzten Jahrzehnt des 18. Jahrhunderts.

Drei Darstellungen

Das größte Passionstuch wird am Hochaltar verwendet und zeigt die Kreuzigung. Auf dem knapp ein mal zwei Meter großen Tuch sind vor einem dunkelblauen Hintergrund die Hauptfiguren der Kreuzigung dargestellt, Christus am Kreuz, die Muttergottes zu seiner Rechten und sein Lieblingsjünger Johannes zu seiner Linken sowie am Fuß des Kreuzes Maria Magdalena. Das Fastentuch am linken Seitenaltar stellt die Ölbergszene dar. Links oben schwebt der Kelch des Leidens, vor dem Jesus betend in die Knie gesunken ist, während ihn ein Engel von hinten umfasst. Die Beweinung, Maria im Schmerz mit dem toten Sohn, ist auf dem Fastentuch über dem rechten Altar dargestellt. Auch auf diesem Bild zeigen sich starke farbliche Kontraste. Im Gegensatz zur „normalen“ Ausstattung der Kirche, die links den St. Josefsaltar, in der Mitte den Hauptaltar mit der Darstellung der Immaculata und rechts den St. Aloisiusaltar umfasst, rücken die Fastentücher drei wesentliche Ausschnitte der Passionsgeschichte in den Fokus.

Zwar kann den Tüchern in künstlerischer Hinsicht lediglich eine gewisse handwerkliche Qualität des bäuerlichen Barocks zugebilligt werden, „aber aus volkskundlicher Perspektive stellen sie aufgrund der bis in die Gegenwart reichenden Verwendung dennoch eine Besonderheit dar“, ist Edlinger überzeugt. Der Umstand, dass diese bis ins 21. Jahrhundert in der Fastenzeit die Altäre verhüllen, ist ein Alleinstellungsmerkmal. Dementsprechend sind die Tücher einzigartig.

Frisch restauriert

Da der Zahn der Zeit den Fastentüchern stark zugesetzt hatte, waren diese zuletzt in einem sehr schlechten Zustand und dringend restaurierungsbedürftig. Zur Finanzierung der aufwendigen Instandsetzung der Tücher hatte die Pfarrkuratie Innerberg im Vorjahr einen Spendenaufruf gestartet. Dieser fand bei der Bevölkerung großen Anklang, und so konnte die kostenintensive Renovation rechtzeitig vor der Fastenzeit abgeschlossen werden. „Wir möchten uns auf diesem Weg sehr herzlich für die großzügigen Spenden bedanken und gleichzeitig auch zur Besichtigung der nunmehr wieder aufgehängten Fastentücher einladen“, zeigt sich Alfred Edlinger vom Ergebnis sehr angetan.

Autor:

KirchenBlatt Redaktion aus Vorarlberg | KirchenBlatt

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