4. Sonntag im Jahreskreis - 1. Februar 2026
Regierungsprogramm des Himmelreichs

Allen Heilig-Land-Pilgern vertraut: die Kirche auf dem Berg der Seligpreisungen. | Foto: wikimedia Commons/Berthold Werner/gemeinfrei
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4. SONNTAG IM JAHRESKREIS LESEJAHR A 1. FEBRUAR

1. LESUNG Zefanja 2,3; 3,12–13
Ich lasse in deiner Mitte übrig ein demütiges und armes Volk.
Sucht den HERRN, all ihr Gedemütigten im Land, die ihr nach dem Recht des HERRN lebt! Sucht Gerechtigkeit, sucht Demut! Vielleicht bleibt ihr geborgen am Tag des Zorns des HERRN. Und ich lasse in deiner Mitte übrig ein demütiges und armes Volk. Sie werden Zufl ucht suchen beim Namen des HERRN als der Rest von Israel. Sie werden kein Unrecht mehr tun und nicht mehr lügen, in ihrem Mund fi ndet man keine trügerische Rede mehr. Ja, sie gehen friedlich auf die Weide und niemand schreckt sie auf, wenn sie ruhen.

2. LESUNG 1. Korinther 1,26–31
Das Niedrige in der Welt und das Verachtete hat Gott erwählt.
Seht auf eure Berufung, Schwestern und Brüder! Da sind nicht viele Weise im irdischen Sinn, nicht viele Mächtige, nicht viele Vornehme, sondern das Törichte in der Welt hat Gott erwählt, um die Weisen zuschanden zu machen, und das Schwache in der Welt hat Gott erwählt, um das Starke zuschanden zu machen. Und das Niedrige in der Welt und das Verachtete hat Gott erwählt: das, was nichts ist, um das, was etwas ist, zu vernichten, damit kein Mensch sich rühmen kann vor Gott. Von ihm her seid ihr in Christus Jesus, den Gott für uns zur Weisheit gemacht hat, zur Gerechtigkeit, Heiligung und Erlösung. Wer sich also rühmen will, der rühme sich des Herrn; so heißt es schon in der Schrift .

EVANGELIUM Matthäus 5,1–12a
Selig, die arm sind vor Gott.

In jener Zeit, als Jesus die vielen Menschen sah, die ihm folgten, stieg er auf den Berg. Er setzte sich und seine Jünger traten zu ihm. Und er öff nete seinen Mund, er lehrte sie und sprach: Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich. Selig die Trauernden; denn sie werden getröstet werden. Selig die Sanft mütigen; denn sie werden das Land erben. Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; denn sie werden gesättigt werden. Selig die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen fi nden. Selig, die rein sind im Herzen; denn sie werden Gott schauen. Selig, die Frieden stift en; denn sie werden Kinder Gottes genannt werden. Selig, die verfolgt werden um der Gerechtigkeit willen; denn ihnen gehört das Himmelreich. Selig seid ihr, wenn man euch schmäht und verfolgt und alles Böse über euch redet um meinetwillen. Freut euch und jubelt: Denn euer Lohn wird groß sein im Himmel.

Lektionar für die Bistümer des deutschen Sprachgebiets. Authentische Ausgabe für den liturgischen Gebrauch. Band I: Die Sonntage und Festtage im Lesejahr A, Freiburg u. a. 2019. © staeko.net

PSALM
Selig, wer den Gott Jakobs als Hilfe hat, wer seine Hoff nung auf den HERRN, seinen Gott, setzt.

Recht schafft er den Unterdrückten, Brot gibt er den Hungernden, der HERR befreit die Gefangenen.

Der HERR öff net die Augen der Blinden, der HERR richtet auf die Gebeugten, der HERR liebt die Gerechten. Der HERR beschützt die Fremden.

Er hilft auf den Waisen und Witwen, doch den Weg der Frevler krümmt er. Der HERR ist König auf ewig, dein Gott, Zion, durch alle Geschlechter.

Psalm 146 (145),5 u. 7.8–9a.9b–10

WORT ZUM EVANGELIUM 
„Das Regierungsprogramm des Himmelreichs“, so heißt das Buch des deutschen Neutestamentlers Klaus Wengst über die Lehre Jesu auf dem Berg – kurz und besser bekannt als „Bergpredigt“. Hand aufs Herz: Erscheinen uns die Folgerungen der Bergpredigt nicht etwas paradox? Wer wird etwa die Armen seligpreisen? Karl Marx sah hier den Versuch, die Armen zu vertrösten. Und sind die Seligpreisungen dies nicht vielleicht auch? Eine bloße Vertröstung, die uns letztlich davon abhält, die Dinge dieser Welt entschlossen in unsere eigenen Hände zu nehmen, um endlich Gerechtigkeit, Frieden und Freiheit herbeizuführen? Sind sie gar eine Flucht in eine weltentrückte Innerlichkeit, welche die Welt sich selbst überlässt? Diesen Versuchungen sind wir Christen in der Geschichte oft erlegen und erliegen ihnen in der Gegenwart immer noch. Die Bergpredigt hat es nicht leicht gehabt mit uns und wir haben es nicht leicht mit ihr. Wie will man denn beispielsweise gewaltlos ungerechte Gewalt besiegen und beseitigen, in der Ukraine, im Nahen Osten, im Sudan?

Die Seligpreisungen sind aber nicht zuerst eine Forderung, die uns doch nur überfordert, sie sind Art Zusammenfassung und die Summe der Reich-Gottes-Botschaft Jesu. Was würde passieren, wenn wir Christen nach den Seligpreisungen der Bergpredigt leben? Dann würde Ähnliches wie in den Anfangsjahrhunderten der Kirche geschehen. Die Heiden haben sich damals verwundert die Augen gerieben: Wie leben denn diese Christen? Die Bergpredigt war und ist das „Regierungsprogramm“ des Himmelreichs, das viele gelebt haben und auch heute leben. Sind auch wir „regierungstreu“ – als „Staatsbürgerinnen und -bürger“ des Himmelreichs?

Stefan Kronthaler ist Redakteur der Wiener Kirchenzeitung „Der SONNTAG“.

Autor:

martinus Redaktion aus Burgenland | martinus

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