DENK_MAL
„Sie muss fasten“
- hochgeladen von martinus Redaktion
Unlängst war ich auf einer Fachtagung in der Arbeiterkammer Wien. Ich war als Vertreterin der Katholischen Aktion anwesend, mit mir ein zweiter Vertreter einer katholischen Institution, mit dem ich mich persönlich gut verstehe. Zur Kaffeepause verströmten die bereit gestellten Mehlspeisen einen verführerischen Duft. Nun ist es aber so, dass ich in der Fastenzeit nichts Süßes esse, also nahm ich nichts davon.
Der Kollege erklärte mitfühlend lächelnd in der Runde, warum ich nur mit meiner Kaffeetasse dastehe: „Sie muss fasten.“ Und plötzlich fühlte ich mich sehr unwohl. Es war mir unangenehm, dass andere nun glauben könnten, ich wäre eine arme, geknechtete Gläubige, die zum Fasten gezwungen wird. Ich deklarierte also sogleich die Freiwilligkeit meines Verzichts. Dennoch blieb ein unbehagliches Gefühl. Ich fragte mich, woher das kam. Und dann erkannte ich: Es war mir nicht recht, dass mein Fastenvorsatz vor mir fremden Personen einfach so verlautbart wurde. Bis dahin war mir gar nicht klar, dass ich mein Fasten als etwas höchst Persönliches, Privates empfinde, von dem nur ich entscheiden kann, wer davon wissen soll. Wieder etwas über mich gelernt.
Regina Petrik
Autor:martinus Redaktion aus Burgenland | martinus |
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