Bildhauer Thomas Resetarits verstorben
Der Mann ohne spitze Ellenbogen

Fröhlich. Eine der letzten Aufnahmen zeigt Thomas Resetarits zu Weihnachten 2021.
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  • Foto: STEFAN RESETARITS
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Thomas Resetarits hat im Burgenland u.a. Kreuzwege, Altarräume und Plastiken geschaffen – und prägt damit bis heute die kirchliche Landschaft der Diözese Eisenstadt. Im martinus erinnern sich Weggefährten wie der Maler Harro Pirch an einen Bildhauer und Künstler, der so gar nicht dem Zeitgeist der Selbstvermarktung entsprach und nun nach längerer Krankheit im 83. Lebensjahr verstorben ist.

GERALD GOSSMANN

Wenn er über seine eigenen Arbeiten gesprochen hat, wurde seine Liebe zum Material und zu seiner eigenen Tätigkeit deutlich“, erzählt der Maler Harro Pirch im martinus-Gespräch. Er kannte den Bildhauer Thomas Resetarits gut und beschreibt ihn als „unheimlich zugänglich, umgänglich und hilfsbereit“. Der im 83. Lebensjahr verstorbene Künstler Resetarits wird überall als bodenständiger Mann skizziert. Er sei „kein Lauter mit spitzen Ellenbogen“ gewesen, sondern einer, der am liebsten „in der Stille seines Ateliers“ Kunst geschaffen habe, erzählt Pirch.

Bodenständig. Das verwundert nicht. Thomas Resetarits wurde als geerdeter Mann geprägt. 1939 in Stinatz geboren, gehörte er der burgenlandkroatischen Volksgruppe an – und wuchs in der kleinstruktierten ländlichen Region des Südburgenlandes auf. Bereits während der Schulzeit entwickelte Resetarits sein Interesse für Schnitzerei, ab 1955 absolvierte er eine Steinbildhauerlehre in Graz, die er 1957 mit der Gesellenprüfung abschloss. 1964 legte er seine Meisterprüfung ab, es folgte ein Studium an der Akademie der Bildenden Künste in Wien. Seit 1966 arbeitete er als freischaffender Bildhauer. „Er kommt von der Arbeit mit dem Stein, war gelernter Steinmetz“, betont Harro Pirch. „Das prägt anders, wenn einer von der handwerklichen Seite kommt.“ Heute gebe es viele Künstler, „die nur mehr ihr Ego verwirklichen wollen und dabei denken, die Gesellschaft ist verpflichtet, dieses zu konsumieren“. Resetarits sei der Gegenentwurf zu Künstlern dieser Art gewesen, meint Pirch.

Der gelernte Steinmetz Resetarits war durchaus weltgewandt. Er unternahm zahlreiche Reisen nach Rom, Ungarn, Kroatien, Deutschland, Mexiko, USA, Afrika, Indien, Neuguinea, Südamerika, Südafrika und China, die großen Einfluss auf seine künstlerische Entwicklung hatten. Resetarits, der hauptsächlich in Stein, Holz und Bronze arbeitete, erhielt ab 1970 zahlreiche Aufträge der Kirche im Burgenland, insbesondere im Bereich von Altar- und Kreuzweggestaltungen (siehe Kasten rechts). „Er wurde, was die sakralen Arbeiten betrifft, zum ‚Staatskünstler‘ in der Diözese“, sagt der langjährige Kulturredakteur des martinus Bernhard Dobrowsky. „Sein Glaube war tief in ihm verwurzelt.“ Im Eisenstädter Raum besonders bekannt ist das Portal des St. Martins-Doms in Eisenstadt (1980) sowie das anlässlich des Besuches von Johannes Paul II. im Burgenland 1988 geschaffene Triptychon am Kanonikerhaus. Zwischen 1974 und 1976 engagierte sich der Künstler im Rahmen der Resozialisierung im Gefangenenhaus Eisenstadt mit einer kunsterzieherischen Tätigkeit. Ab 1990 begann er mit der Gestaltung von Glasfenstern und übernahm vorwiegend Auftragswerke im sakralen Bereich sowie die Schaffung von Plastiken für den öffentlichen Raum. Er sei „ein begabter Bildhauer und Künstler unseres Landes“, gewesen, betonte Diözesanbischof Ägidius J. Zsifkovics bei den Begräbnisfeierlichkeiten, „der auch die Gabe des Michelangelo hatte, im Steinblock und Holzstück schon das zu schaffende Kunstwerk zu sehen.“ Mit dem Künstler Resetarits habe das Burgenland „einen seiner Großen verloren“. Dieser habe „ganz für sein Werk gelebt“, das geprägt war von den Themen des christlichen Glaubens und des Menschseins. „Mit seinen begabten, fleißigen und betenden Händen hat er mit seinen Werken vielen Pfarren, Gemeinschaften, einzelnen Menschen schon hier auf Erden einen Vorgeschmack auf den Himmel gemacht und so die Menschen mit Gott, Glaube, Kirche verbunden“, so Zsifkovics. Sein Fundament war dabei sein tiefer Glaube. „Als gläubiger Mensch wusste Thomas, dass unser Leben in den Augen Gottes ein einzigartiges Kunstwerk ist.“ In seinem privaten Leben hat Resetarits Höhen und Tiefen erlebt, Herausforderungen und Krisen gemeistert. „Mit Hilfe seiner Familie – besonders seiner geliebten Gattin Herta und seiner Kinder – sowie vieler Freunde und Weggefährten hat er nicht aufgegeben, den Weg gefunden und sich vor allem das Lachen und die Freude bewahrt. Das ist wohl auch ein Kennzeichen eines gläubigen Menschen und echten Christseins“, so Zsifkovics. Das Burgenland verliere „einen über die Landesgrenzen hinaus bekannten Bildhauer“, betonte ÖVP-Landeparteiobmann Christian Sagartz. „Seine Werke sind großartig. Er hat sich nachhaltig im ganzen Burgenland eingebracht und die Kunstszene geprägt“, sagte Landtagspräsidentin Verena Dunst.

Unauslöschlich. Gelebt und gearbeitet hatte Resetarits bis zuletzt in Wörterberg. Dort lernte ihn auch Harro Pirch kennen, als er eine Ausstellung zu „25 Jahre Kulturzentrum Oberschützen“ kuratierte und Werke von Resetarits ausstellen wollte. „Wir haben sofort Freundschaft geschlossen“, erzählt Pirch. Resetarits habe die 100-jährige Geschichte des Burgenlandes und die 60-jährige Geschichte der Diözese Eisenstadt „wesentlich mitgeprägt und landauf und landab unauslöschliche Spuren hinterlassen“, betonte Bischof Zsifkovics. Und umschrieb liebevoll: „Der kleine, unscheinbare Thomas Resetarits hat als Mensch, Christ, Bildhauer und Künstler große Geschichte im Burgenland geschrieben.“ Harro Pirch, Gründer der Rabnitztaler Malerwochen, möchte noch einmal nach Wörterberg reisen – und das Atelier von Resetarits besuchen. „Ich wollte schon lange eine Figur von ihm kaufen, eine Kleinplastik. Ich würde gerne zu seinem Sohn fahren – vielleicht verkauft er mir etwas.“ «

Werkliste (Auszug)
Diözese Eisenstadt
1970: Altarrelief, Eichenholz – Höll
1971: Altarrelief, Eichenholz – Glashütten

1974: Altarraum, Marmor, Pfarrkirche Stegersbach
1976: Altarraum, Krankenhauskapelle Güssing
1980: Schutzmantelmadonna, Dom, Eisenstadt
1981: St. Florian-Bildsäule, Kalkstein – Neudorf

1981: Flügelaltar, Lindenholz, Oberschützen
1983: 15 Kreuzwegstationen, Stein, Woppendorf
1987: Bronzeplastik Kontakt, Bernstein
1988: Triptychon, Kanonikerhaus, Eisenstadt
1990: Altarraumgestaltung, Filialkirche Sulz
1991: Kreuzweg, Holz, Filialkirche Kleinpetersdorf

1991: Altarraumgestaltung, Pfarrkirche Pinkafeld
1994: Kreuzwegstationen, Donnerskirchen
1996: Kreuzweg, Granit, Rohrbach b. Mattersburg
2000: Altarraumgestaltung, Serpentinit, Badersdorf

2003: Kreuzweg, Holz, Neudorf bei Parndorf
2003: Europabrunnen, Kaisersteinbruch
2007: Altarraumgestaltung, Rust

2010: Martinsbrunnen, Gerersdorf bei Güssing
2014: 15 Kreuzwegstationen, Sulz im Burgenland

Autor:

Martina Mihaljević aus Burgenland | martinus

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