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Das unsichtbare Netzwerk der Hilfe

Eine junge Frau droht Strom und Wohnung zu verlieren. Doch ein Hilfsnetzwerk aus Caritas Burgenland und Partnerorganisationen greift ein – und schafft neben akuter Unterstützung auch neue Zukunftsperspektiven.

Eine 20-jährige Frau steht kurz vor der Stromabschaltung. Gleichzeitig droht die Räumung ihrer Wohnung, weil sie mit der Miete im Rückstand ist. Kein Einkommen, kein Geld für Lebensmittel. Die Situation scheint ausweglos. Doch genau dann greift ein gut funktionierendes Netzwerk aus vielen Helferinnen und Helfern ein. Am Ende kann die junge Frau ihre Wohnung behalten und sie bekommt neue Perspektiven für ihre Zukunft. Doch wie funktioniert dieses unsichtbare Netz und wer steckt dahinter?

Petra Frank, Bereichsleitung „Beratung und Hilfe“ der Caritas Burgenland, und Rebecca Gerdenitsch-Schwarz, Leiterin der Kath. Frauenbewegung der Diözese Eisenstadt, wissen aus ihrer täglichen Arbeit, wie komplex die Notlagen vieler Menschen geworden sind. Beide arbeiten eng zusammen – nicht zuletzt im Rahmen des diözesanen Hilfsfonds für Schwangere und Frauen in Notsituationen im Burgenland, der von der Katholischen Frauenbewegung getragen wird. Dieser Fonds ist einer von vielen Bausteinen in einem Netzwerk, das oft den entscheidenden Unterschied macht.

DER ERSTE SCHRITT ZUR HILFE
„Es beginnt immer damit, dass sich die Betroffenen selbst bei uns oder bei anderen Anlaufstellen melden“, erklärt Petra Frank. Das geschehe meist persönlich, per E-Mail, Telefon oder über das Online-Portal der Caritas. Oft seien es nur zwei, drei Zeilen, in denen Klientinnen und Klienten schildern, dass sie dringend Hilfe brauchen. Im Anschluss wird die Lebenssituation genau erfasst: Einnahmen, Ausgaben, Meldezettel, Lichtbildausweis, Kontoauszüge und Einkommensnachweise werden gesammelt, um zu klären, welche finanzielle Unterstützung möglich ist.

KOMPLEXE NOTLAGEN ERFORDERN ZUSAMMENARBEIT
Die Probleme sind oft vielfältig: Steigende Miete, hohe Energierechnungen, der Wegfall von Familienbeihilfe oder anderer Unterstützung verschärfen die Not. Viele Betroffene geraten durch Trennungen oder Jobverlust in eine finanzielle Zwickmühle. „Wenn mehrere Dinge zusammenkommen, reicht ein Einkommen einfach nicht aus. Da ist es wichtig, dass wir als Netzwerk koordinieren, damit überhaupt geholfen werden kann“, erklärt Gerde-nitsch-Schwarz.

Für Petra Frank ist dieses Netzwerk mit Zahnrädern, die ineinander greifen zu vergleichen. „Die Caritas arbeitet eng mit Organisationen, wie dem Jugendrotkreuz, der Katholischen Frauenbewegung, Bezirkshauptmannschaften oder auch Energieanbietern zusammen. Es ziehen alle an einem Strang, damit schnellstmöglich geholfen werden kann.“ Auch mit Schulen oder Elternvereinen wird zusammengearbeitet, um Kindern, die aus einkommensschwachen Familienstammen, die Teilnahme an Projekttagen zu ermöglichen. Je nach Fall leiste jede Organisation ihren Beitrag. Dabei werde stets auf die Privatsphäre geachtet: Hilfe wird nur vermittelt, wenn die betroffene Person selbst zustimmt.

AKUTE UND NACHHALTIGE HILFE
Die Finanzielle Unterstützung ist in der Regel einmalig und spendenfinanziert. Durch die Einbindung verschiedener Projekte oder Partnerorganisationen wird jedoch nachhaltige Hilfe geschaffen. So werden den Betroffenen Wege aufgezeigt, wie sie die Belastung künftig reduzieren können und nicht erneut in eine akute Krisensituation geraten“, erklärt Petra Frank.

Ein Beispiel für ein weiteres Projekt sei zum Beispiel die Energiesparberatung der Caritas: Ein Energieberater besucht Haushalte in finanziellen Notlagen, prüft Geräte wie Kühlschränke, Waschmaschinen, Geschirrspüler oder Herde und gibt Empfehlungen zum Stromsparen. Bei Bedarf werden sogar bis zu zwei Geräte kostenlos ausgetauscht.

DIE HEMMSCHWELLE ÜBERWINDEN
Eine große Rolle spielt auch die psychosoziale Begleitung. „Oft sind die Betroffenen traumatischen Erfahrungen ausgesetzt, die Hemmschwellen sind sehr hoch. Es geht darum, ihnen zuzuhören, die Angst zu nehmen und mögliche Lösungen gemeinsam mit ihnen zu erarbeiten“, erklärt Rebecca Gerdenitsch-Schwarz. Für die Beraterinnen und Berater selbst ist die Arbeit anspruchsvoll. Abgrenzung ist wichtig, um sich zu schützen. Gleichzeitig aber motiviert der Erfolg. „Wenn Menschen wieder schlafen können, weil ihre Rechnungen gedeckt sind, und spüren, dass sie nicht mehr jeden Tag ums Überleben kämpfen müssen, dann wird man daran erinnert, warum man diesen Job macht und wie viel man mit seinen Taten bewirken kann. Das ist das beste Gefühl“, so Petra Frank.

VICTORIA POHL

Infobox
Möchten auch Sie helfen? Unterstützen Sie mit Ihrer Spende: - Diözesaner Hilfsfonds für Schwangere und Frauen in Not im Burgenland IBAN: AT71 3300 0000 0102 2102

- Caritas Burgenland Spendenkonto bei der Raiffeisenlandesbank Burgenland IBAN: AT34 3300 0000 0100 0652 | BIC: RLBBAT2E

Caritas Sozialberatung Eisenstadt und Neusiedl 02682 73600 340, beratung@caritas-burgenland.at

Oberwart und Güssing 02682 73600 335, beratung@caritas-burgenland.at

Diözesaner Hilfsfonds für Schwangere und Frauen in Notsituationen im Burgenland 02682 / 777 -290, kfb@martinus.at

Autor:

martinus Redaktion aus Burgenland | martinus

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