Serie "Mein Lieblingskunstwerk"
Paradiesfülle

Otmar Burtscher (1884-1966), Altarbild in der Pfarrkirche Altach (Detail). Dieses Werk von Otmar Burtscher zeigt eine Kreuzigungsszene, die schon ganz auf die Auferstehung verweist, „das neue Licht der Auferstehung, der Frucht tragenden Grenzerfahrung“, wie sich Feinig ausdrückt.
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  • Otmar Burtscher (1884-1966), Altarbild in der Pfarrkirche Altach (Detail). Dieses Werk von Otmar Burtscher zeigt eine Kreuzigungsszene, die schon ganz auf die Auferstehung verweist, „das neue Licht der Auferstehung, der Frucht tragenden Grenzerfahrung“, wie sich Feinig ausdrückt.
  • Foto: Günter König
  • hochgeladen von KirchenBlatt Redaktion

In der KirchenBlatt-Serie über Kunstwerke im kirchlichen Rahmen beschreibt Willibald Feinig das Altacher Altarbild von Otmar Burtscher. Auch wenn er nicht von einem Lieblingskunstwerk sprechen möchte, spürt man die große Liebe zu diesem sakralen Bild.

Von Willibald Feinig

Otmar Burtscher war kein naiver Künstler. Am 23. Dezember 1917, im Schützengraben, traf den Musiker aus Altach ein Geschoss am Kopf. Dieses Handicap hat ihn zum Gespött gemacht - aber auch zum insgeheim Bewunderten. Denn in Otmars „Salon“ stand prominent das Radio; der Mann hat sich sein Teil gedacht. Er trat für ein „ökonomisches“ Leben im Ur-Sinn des Wortes ein - lang vor den Umweltkrisen unserer Tage. Häusliche „Kultur“ war für den Junggesellen und Stickerei-Nachseher etwas Lebensnotwendiges, nicht Eliten und Neureichen vorbehalten. Über das Kulissenmalen für die Laienbühne kommt Burtscher zur Kunst. Er bemalt Pressspan und Karton, oft vorn und hinten. Steht eine Leinwand zur Verfügung, muss auch das Thema ein besonderes sein, Angelika Kauffmanns Porträt etwa.

Kein Blut
Burtscher Otmar Kreuzigung und AuferstehungDas Bild an der Stirnwand des Pfarrzentrums Altach verdanken wir einer ähnlichen Herausforderung. Wer weiß, was der Rahmen,
1 x 2,10 m, einmal enthalten hat. Burtscher verwendet das Sonderformat für die Urszene des Christentums. „Kreuzigung und Auferstehung“ (so könnte man das Hinterglasbild nennen; Otmar gab nie Titel) hat nichts Blutrünstiges. Das gegerbte Gesicht ist der einzige Hinweis auf das Leid, das hier dargestellt wird - ansonsten Paradiesesfülle, wohin man schaut.
Es dürfte Burtschers einzige Arbeit in dieser Technik sein - 150 Bilder etwa sind erhalten. Hinterglasmalerei bedeutet: Das Vordringliche zuerst. Das sind Rosen oben, Weintrauben samt dazugehörigem Becher unten. In der Mitte ist es die entblößte Gestalt mit Armen wie Flügel, die personifizierte Bereitschaft. Es ist, als wäre der „Nazoräer“ daheim auf den Hölzern, die als nächstes auf das Glas gemalt werden, ebenso wie die Ranken und Blätter der Pflanzen. Zuletzt folgt mit zügigem Strich der unscheinbare Hintergrund. Bei der Begutachtung wird aus dem Hinterglas- auch ein Vorderglasbild: Der Maler hebt das Gesicht durch einen Haarkranz hervor, versieht die Pfosten mit Rändern, vor allem fügt er nicht nur die Corona der Sonne hinzu, die sich verfinstert in der Todesstunde (Lk 23,44), sondern setzt ihr rund um den Kopf des Messias strahlendes, warmes Gelb entgegen, das neue Licht der Auferstehung, der Frucht tragenden Grenzerfahrung.

In die Mitte
„Kreuzigung und Auferstehung“ stand im Hinterhaus der Galerie Haemmerle in einer Nische. Aus konservatorischen Gründen; unverkäufliches Unikat; das Thema war nicht in. Dank einer Spende gelang es, Frau Hämmerle umzustimmen. Burtscher ist heimgekehrt, vom Dorfrand in die Mitte geholt.

Zur Person
Willibald Feinig, gebürtig aus Feldkirchen in Kärnten, Jahrgang 1951, war 31 Jahre lang AHS-Lehrer und lebt in Altach. Verheiratet, Vater, Großvater. Germanist, Romanist, Theologe. Prosa (Bagatellen, Vergessener Gesandter), Gedichte (Te chanter / Dich loben), Abhandlungen (Borromeo), Übersetzungen (Simone Weil), Herausgeber (Bulányi), Kunstgeschichte und - kritik (Auf schwankendem Boden). Im Erscheinen: „Kein Stern stört den Andern - Der Maler Otmar Burtscher (Bibliothek der Provinz), 2020“ - anlässlich der von W. F. besorgten Ausstellung unter dem gleichen Titel im Museum Großes Walsertal, Sonntag, von wo Otmar Burtschers Eltern ins Rheintal auswanderten. Die Eröffnung der Ausstellung mit Ingrid Bertel findet virusbedingt erst am 7. August 2020 statt und wird zwei Saisonen gezeigt. ölz zwei Saisonen gezeigt.

Otmar Burtscher (1884-1966), Altarbild in der Pfarrkirche Altach (Detail). Dieses Werk von Otmar Burtscher zeigt eine Kreuzigungsszene, die schon ganz auf die Auferstehung verweist, „das neue Licht der Auferstehung, der Frucht tragenden Grenzerfahrung“, wie sich Feinig ausdrückt.
Otmar Burtscher (1884-1966), Altarbild in der Pfarrkirche Altach . Dieses Werk von Otmar Burtscher zeigt eine Kreuzigungsszene, die schon ganz auf die Auferstehung verweist, „das neue Licht der Auferstehung, der Frucht tragenden Grenzerfahrung“, wie sich Feinig ausdrückt.
Autor:

KirchenBlatt Redaktion aus Vorarlberg | KirchenBlatt

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