Obiora Francis Ike zu Besuch in Hohenems St. Karl
Wir glauben an die Zukunft

Obiora Ike feierte sein 40-jähriges Priesterjubiläum in seiner Patenpfarre Hohenems St. Karl.
  • Obiora Ike feierte sein 40-jähriges Priesterjubiläum in seiner Patenpfarre Hohenems St. Karl.
  • Foto: KKV / Wolfgang Ölz
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Obiora Francis Ike, genannt „Obi“, feierte sein 40-jähriges Priesterjubiläum mit einer Festmesse in Hohenems St. Karl. Dankbar erinnert er sich daran, dass Pfarrer Walter Vonbank und der gesamte Pfarrgemeinderat „Jawohl“ gesagt haben, als ihnen ein gewisser Obiora Ike als Patenpriester vorgeschlagen wurde.

Wolfgang Ölz

Welche Unterschiede nehmen Sie zwischen der Kirche in Vorarlberg und Europa vor 40 Jahren und heute wahr?
Obiora Francis Ike: Vieles hat sich zum Positiven, vieles aber auch zum Negativen entwickelt. Positiv ist, dass gerade die Jugendlichen viel offener für die Welt sind. Positiv ist auch, dass in der grenzenlosen Gesellschaft der Globalisierung die Gerechtigkeitsfrage viel stärker wahrgenommen wird. Entwicklungszusammenarbeit wird heute nicht mehr als Geschenk, sondern als Pflicht angesehen. Negativ sind die leeren Bänke in den Kirchen. Der Übergang von der Volkskirche zu einer bekennenden Kirche hat in Europa schon stattgefunden. Negativ sind auch, wobei ich nicht verallgemeinern will, der Relativismus, der Nihilismus, der Hedonismus und der Materialismus und, dass der Wohlstand viele Leute blind gemacht hat. Es wird zu viel gejammert und sich geängstigt. Die Kirche fährt in Europa im Rückwärtsgang, während die Kirche in Afrika gerade vom vierten in den fünften Gang schaltet.

Welche Erinnerungen haben sie an Pfarrer Walter Vonbank?
Ike: Er war ein Gentleman und eine Vaterfigur. Wenn ich eine Viertelstunde zu spät zum Frühstück kam, wollte er wissen warum. Da habe ich dann geantwortet „Das ist ein afrikanisches Geheimnis“. Ich erinnere mich sehr gut, wie ich mit einer schmuddeligen Jeans und zu großen Turnschuhen in Hohenems ankam. Da ist Pfarrer Walter mit seiner Köchin Juliane und mir in ein feines Kleidergeschäft gefahren und hat mir Anzug, Hemd, Krawatte, Socken und Schuhe gekauft. Er hat mir auch gezeigt, wie man einen Krawattenknopf bindet. Pfarrer Walter fehlt mir.

Sie sind Mitglied beim Club of Rome. Wie kam es dazu?
Ike: Man wird gesucht und empfohlen. Die Mitglieder werden weltweit gefunden und müssen den Prinzipien des Club of Rome entsprechen, also nachhaltiges, humanistisches, ethisches Denken vertreten. Seit seiner Gründung 1968 waren und sind vierzig Mitglieder Nobelpreisträger/innen. Ich bin übrigens auch Mitglied der Weltakademie der Wissenschaften und Künste, der europäischen, New Yorker und nigerianischen Akademie der Wissenschaften. Als Professor für Ethik war ich auch der Mitbegründer der Uni der Diözese Enugu, die heute zu den namhaftesten Unis in Westafrika gehört. Ich sage immer, es ist nichts praktischer als eine gute Theorie. Es ist zum Beispiel eine wichtige Aufgabe, die Nächstenliebe auch rational zu begründen, wie das Immanuel Kant mit seinem kategorischen Imperativ getan hat.

Welche Ziele verfolgen Sie als Direktor von globethics.net?
Ike: Es geht um die Vermittlung von ethischen Werten in der Bildung. Die angestrebten Werte sind Gemeinwohl, Respekt, Diversität und Toleranz. Wir glauben an die Zukunft und die Jugendlichen. Wir haben eine Online-Universität für Ethik etabliert, beraten 200 Universitäten weltweit bei ethischen Fragestellungen in ihren Studiengängen und verfügen über die mit fünf Millionen Schriften größte Ethik-Bibliothek der Welt.

Zur Person:

Prof. DDr. Obiora Ike aus Enugu (Nigeria) ist heute Priester seiner Diözese und seit 2016 Direktor der ökumenischen Stiftung globethics.net in Genf. Als Patenpriester der Pfarre St. Karl in Hohenems studierte er von 1978 bis 1981 in Innsbruck. Seine Priesterweihe und Primiz feierte er unter großer Beteiligung der Bevölkerung am 4. Juli 1981 in Hohenems. Obiora Ike wirkte als Generalvikar, Bischofsvikar, Gefängnis- und Trauerseelsorger und gründete zwanzig Nichtregierungsorganisationen (NGOs) u.a. in Nigeria das „Katholische Institut für Entwicklung, Gerechtigkeit und Frieden (CIDJAP)“. Als Generalvikar entging er 2002 nur knapp einem Mordanschlag. Seit 2006 ist er Mitglied und inzwischen Präsident der Sektion Afrika des berühmten Club of Rome, einem Zusammenschluss renommierter Wissenschaftler weltweit.

(aus dem Vorarlberger KirchenBlatt Nr. 23 vom 10. Juni 2021)

Autor:

KirchenBlatt Redaktion aus Vorarlberg | KirchenBlatt

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