Simon Gribi setzt sich seit September 2020 für die Alpha-Region Feldkirch ein.
Neue Glaubenswege

Simon Gribi arbeitet seit September diesen Jahres an der Umsetzung der Alpha-Region Feldkirch.
  • Simon Gribi arbeitet seit September diesen Jahres an der Umsetzung der Alpha-Region Feldkirch.
  • Foto: Katholische Kirche Vorarlberg / Jakob Lorenzi
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Alpha-Kurse erfreuen sich in Vorarlberg zunehmender Beliebtheit. In den 1970er-Jahren in London entwickelt, soll Menschen niederschwellig die Möglichkeit geboten werden, mit Gott in Berührung zu kommen und so ihren Weg zur Kirche zu finden sowie sich in dieser bestenfalls auch zu engagieren. Seit September arbeitet der Theologe Simon Gribi an einem Alpha-Pilotprojekt für den Raum Feldkirch.

Die Fragen stellte Jakob Lorenzi

Was soll mit Alpha erreicht werden?

Simon Gribi: Alpha ist eine Reihe von interaktiven Treffen, bei denen Fragen zu den Themen Leben, Glaube und Sinn nachgegangen werden kann. Jedes Treffen beginnt mit einem gemeinsamen Essen. Darauf folgt ein Impuls mittels Referent oder Video, der zu einem Austausch in Kleingruppen im dritten Teil anregen soll. Ziel ist es, dass Menschen - so wie sie sind - mit ihren Fragen und Anliegen kommen, sich wohlfühlen, Impulse zu grundlegenden christlichen Themen hören und mit anderen in den Austausch kommen können. Sie sollen so auch die Chance erhalten, Jesus zu begegnen. Jede und jeder darf sein, wie sie oder er ist, und alles hinterfragen oder infrage stellen.

Ist ein solch niederschwelliges Angebot eine alternative Glaubensvermittlung zu einem Kirchenbesuch? Wie lässt sich das kombinieren?
Gribi: Unterschiedliche Menschen auf unterschiedlichen Glaubenswegen brauchen zu verschiedenen Zeiten verschiedene Angebote. Alpha ist eine Möglichkeit, wie selbst Menschen, die sich selber nicht als Christin oder Christ bezeichnen, mit ihren eigenen Fragen und Ansichten mit grundlegenden Themen des christlichen Glaubens in Berührung kommen können, in eine erlebte Gemeinschaft hineinwachsen und Gott begegnen und vielleicht sogar eine Beziehung mit ihm aufbauen können. Es ist aber notwendig, dass Alpha in ein Netz von verschiedenen Angeboten eingebunden ist.

Alpha ist insbesondere im angloamerikanischen Raum populär. Muss hier eine Amerikanisierung des kirchlichen Lebens erwartet werden?
Gribi: Alpha war zwar lange hauptsächlich in freikirchlichen Bereichen weit verbreitet. In den letzten Jahren hat es eine enorme Weiterentwicklung durchgemacht. Mittlerweile gibt es Alpha in über 169 Ländern in allen christlichen Konfessionen. Gerade bei den Videos merkt man den amerikanischen Einfluss sehr stark. Sie sind nicht jedermanns Sache, kommen aber über weite Strecken quer durch die Generationen gut an. Alpha muss jedoch ganz klar an die Verhältnisse in Vorarlberg angepasst werden. Zentral dabei ist immer, wer Alpha vor Ort veranstaltet und was für Haltungen gelebt werden.

Was sind die Vorteile von Alpha?
Gribi: Über Jahrhunderte musste man sich in der Kirche keine Sorgen um neue Mitglieder machen. Es war selbstverständlich, dass Kinder getauft wurden und die Menschen in die Kirche gingen. Wir haben aber schlichtweg kein wirkliches Konzept, wie ein erwachsener Mensch, der nichts mit dem Christentum am Hut hat, heute in Vorarlberg Christ werden kann - außer vielleicht durch persönliche Begleitung durch eine hauptamtliche Person. Ein Bedürfnis danach scheint da zu sein, wenn man etwa schaut, wie viele Menschen ihre Kinder trotz allem taufen lassen. Alpha bietet die Möglichkeit, genau bei solchen Menschen anzusetzen, und das ist meines Erachtens zukunftsweisend. Zudem haben die konsequent gelebte Gastfreundschaft, Willkommenskultur und Offenheit von Alpha auch einen Einfluss auf die Pfarrgemeinde und die Gottesdienstkultur - Alpha bringt einen neuen Wind!

Wie kommt dieses Angebot bisher bei den Vorarlbergern an?
Gribi: Die Zahlen sagen schon mal viel aus - seit 1999 gab es in über 20 Gemeinden Alpha-Kurse. Über eintausend Vorarlberger haben bereits einen Kurs besucht, dazu kommen nochmals eintausend Jugendliche, die im Rahmen der Firmvorbereitung an einem Kurs teilgenommen haben. In den letzten beiden Jahren, die ich selber erlebt habe, ist Alpha zudem sehr gut angekommen. So gab es schon zahlreiche sehr positive Rückmeldungen. Ein junger Mann - Joshua - hat sich beispielsweise nach der Teilnahme an einem Alpha-Kurs auf einen intensiven Weg begeben, sich taufen lassen und ist mittlerweile im Alpha-Team aktiv mit dabei. Oder vom Alpha-Team Bludenz, das ist inzwischen auf 20 Personen angewachsen ist, alles Menschen, die davor selbst bei einem Kurs mitgemacht haben. Man merkt aber auch, dass es noch sehr viel Zurückhaltung gibt. Viele haben auch Alpha vor längerer Zeit kennengelernt, wo es teils anders und mit anderen Haltungen durchgeführt wurde als in den vergangenen beiden Jahren. Aber es muss auch klar gesagt werden: Alpha und gerade die Art der Videos sind nicht für jedermann.

Es ist geplant, Alpha auf den gesamten Raum Feldkirch auszuweiten. Wie ist hier der Stand der Dinge?
Gribi: Ich darf seit September 2020 einen Teil meiner Ressourcen dazu verwenden, in Feldkirch ein Pilotprojekt zu starten: Ziel ist es, regional zusammenzuarbeiten und so Alpha als Konzept umzusetzen. Die kleinen Pfarren hier in Vorarlberg haben oft große Alphas aufgezogen, haben jedoch nicht die Ressourcen wie Großstadtpfarren in London oder Halifax, um bestenfalls drei Alphas pro Jahr anzubieten. Die Idee ist es, die regionalen Ressourcen zu bündeln und das in einem Gebiet, das demografisch sehr zusammenhängend und gut erreichbar ist. Zudem kann man wie oben beschrieben auf ein breiteres Angebot von verschiedenen Gottesdienst- und Vertiefungsformaten oder auch pfarrlichen Gruppen zurückgreifen: Nicht jede Pfarre muss alles alleine stemmen! Bisher hat es ein erstes Vernetzungstreffen gegeben. Gisingen, aber auch das Kloster Altenstadt und Tosters sind bzw. waren schon mit Alpha unterwegs: Wir können hier also weiter aufbauen, uns untereinander vernetzen und miteinander auf den Weg gehen.

Wie gehen Sie mit den aktuellen Covid-19-Entwicklungen um?

Gribi: Die immer neuen Verlautbarungen, die sich von Woche zu Woche verändern, sind sehr herausfordernd. Vorläufig müssen wir jetzt auf online umstellen. Klar, es ist nicht das Gleiche, denn gerade wenn etwa das Essen fehlt, fällt ein zentraler Aspekt weg. Auch die Diskussion braucht ein wenig, bis sie online in Gang kommt. Jedenfalls werden die Treffen mittels Zoom auf kreative Weise weitergeführt.

Autor:

KirchenBlatt Redaktion aus Vorarlberg | KirchenBlatt

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