Diakon Roland Sommerauer im Gespräch
Heiligen Boden entdecken

Diakon Roland Sommerauer.

Im Herbst startet der neue Ausbildungslehrgang für ständige Diakone. Das KirchenBlatt hat beim dienstjüngsten Diakon, Roland Sommerauer, nachgefragt, was dieses Amt für ihn bedeutet.

Wolfgang Ölz

Was ist die wichtigste und zentralste Aufgabe für uns als Kirche?
Roland Sommerauer: Die wichtigste und zentralste Aufgabe der Kirche ist es, dort zu sein, wo das ganz normale Leben stattfindet: Schwangerensegnungen, Taufen, Hochzeiten gehören genauso dazu, wie der Marktplatz oder das Gefängnis. Auch das Gespräch am Fußballplatz kann so ein „goldener Moment“ sein, wenn dabei das Leben mit dem Glauben verbunden wird.

Sie sind jetzt seit knapp zwei Jahren Diakon. Haben sich Ihre Hoffnungen an dieses Amt erfüllt?

Sommerauer: Ich bin nach meiner Weihe im September 2019 voll durchgestartet mit Taufen, Hochzeiten und vielem anderen mehr. Im März 2020 kam Corona und damit die Unterbrechung von vielen, auch kirchlichen Feiern. Als Diakon möchte ich den Glauben mit dem Leben verbinden, was ich unter anderem auch im Predigtdienst gut verwirklichen kann.

Seit April sind Sie Gefangenenseelsorger. Wie stellt sich diese Aufgabe für Sie dar?
Sommerauer: Ich bin einmal in der Woche im Gefängnis, halte kleine Gottesdienste und stehe für seelsorgliche Gespräche in der Justizanstalt in Feldkirch und im Gefangenenhaus in Dornbirn zur Verfügung. Es haben sich dabei schon sehr berührende Begegnungen und ganz intensive Gottesdienste ergeben. Es ist für mich ein Zeichen dafür, was ich als Diakon gerne tue, nämlich einfach am Leben dran zu sein.

Wie gehen Sie mit den relativ fixen, kirchlichen Ritualen um?
Sommerauer: Wir haben in der Kirche viele sehr wertvolle, tiefgehende Rituale, die wir mit neuem Leben füllen können und sollen. Bei meiner Weihe zum Diakon habe ich mich dafür entschieden, die Schuhe auszuziehen und barfuß auf dem Boden zu liegen. Ich wollte damit auf die Bibelstelle in Exodus 3,5 anspielen: „Leg deine Schuhe ab, denn der Ort, wo du stehst, ist heiliger Boden.“ Ich glaube, dass überall dieser heilige Boden ist, bei den Exerzitien auf der Straße, im Alltag, überall kann das Heilige erspürt werden. Ich möchte mit den Menschen, die etwa ihr Kind taufen lassen wollen oder einen Sterbefall in der Familie haben, fragen: Wo ist dieser heilige Boden bei ihnen? Wo können sie auch durch Rituale etwas vom Göttlichen mitten im Alltag erahnen?

Besteht für Sie Hoffnung, dass in näherer Zukunft auch Frauen als Diakoninnen aufgenommen werden könnten?
Sommerauer: Ich kenne sehr viele Frauen, mit einem ausgeprägten sozialen Gespür, die die zentrale soziale Dimension des diakonalen Dienstes folglich viel besser ausüben könnten als ich. Ich bin hocherfreut, dass jetzt auf römischer Ebene über das Diakonat der Frau zumindest diskutiert wird und hoffe inständig, dass es in dieser Richtung weitergeht.

Warum empfehlen Sie Männern, sich zum Diakon ausbilden zu lassen?
Sommerauer: Weil wir in einer sehr spannenden Zeit leben, in der sich neue Formen von Kirche entwickeln müssen. Dazu braucht es viele, möglichst unterschiedliche Engagierte, auch Diakone, die diesen Wandel mitgestalten. Ich finde, dass Papst Franziskus in seinem ersten Lehrschreiben Evangelii Gaudium mit der Aufforderung „an die Ränder zu gehen“ einen wichtigen Aspekt betont hat. Inzwischen ist die Kirche in Mitteleuropa allerdings selbst schon am Rand der Gesellschaft angekommen und muss sich bemühen, vom Rand wieder in die Mitte zu kommen, genau dorthin, wo die Menschen und ihre Lebensrealität heute ist. Das ist eine lohnenswerte Aufgabe, die mir viel Freude macht.

(aus dem Vorarlberger KirchenBlatt Nr. 21 vom 27. Mai 2021)

Autor:

KirchenBlatt Redaktion aus Vorarlberg | KirchenBlatt

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