Hirtenwort von Bischof Dr. Benno Elbs im Advent 2020
In der Wüste

Der Durst nach Kontakt, Freundschaft, Hoffnung, Nähe und Spiritualität ist groß.
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  • Der Durst nach Kontakt, Freundschaft, Hoffnung, Nähe und Spiritualität ist groß.
  • Foto: Andrew Shiva / Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)
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Liebe Schwestern und Brüder!

Die Wochen des Lockdown haben sich für mich manchmal angefühlt wie eine Wüste. Es war eine karge Zeit, geprägt von Beschränkungen, Verzicht und Hintanstellen eigener Bedürfnisse. Zudem waren und sind die Herausforderungen im Familien- und Berufsleben für viele Menschen groß. Ebenso groß ist auch der Durst nach Kontakt, Freundschaft, Hoffnung, Nähe, Spiritualität. Der Verzicht auf die öffentliche Feier der Gottesdienste war für uns alle eine Zumutung. Umso mehr möchte ich Euch danken, dass Ihr diesen Schritt der Solidarität so verantwortungsbewusst mitgetragen habt.

Der Lockdown als eine Zeit der Wüste, genau dort holt uns das heutige Evangelium ab. In der Wüste des biblischen Israel begegnen wir Johannes dem Täufer, dieser großen Prophetengestalt zwischen Altem und Neuem Testament. Er ist der Rufer in der Wüste, der das Kommen des Herrn und damit Heil, Trost, Gericht und Vollendung für die Welt ankündigt. Johannes der Täufer lebte im Advent, im Warten auf die Ankunft des verheißenen Messias. Diese Zukunft Gottes mit den Menschen nahm also nicht in einer pulsierenden Metropole ihren Anfang, sondern in der Zumutung der Wüste: Dort, wo das Leben karg, die Zukunftsperspektiven dürftig und die Rufe nach Unterstützung laut sind, beginnt Gottes Reich keimhaft zu blühen. Gott kommt, so sagt es auch der Prophet Jesaja in der ersten Lesung, zu den Armen, Verlassenen und Eingekerkerten. Er kommt zu Menschen, die ein gebrochenes Herz und zerbrochene Lebensträume haben. Mit einem Wort: Er kommt in die Wüsten des Lebens, er kommt zu uns allen und ruft ein „Gnadenjahr des Herrn“ aus. Nach einem Jahr unter dem Zeichen der Corona-Pandemie ist die Sehnsucht nach einem solchen Gnadenjahr in der Tat groß.

Wir gehen mit großen Schritten dem Weihnachtsfest entgegen und damit der großen Botschaft, dass Gott in unser Leben kommt. Denn wenn es schwer wird im Leben, macht sich Gott nicht aus dem Staub, sondern mischt sich ein: Er mischt sich unter uns Menschen in der zerbrechlichen Gestalt und mit dem entwaffnenden Blick eines Kindes. In seiner Geburt mischt sich Christus unter uns, um Himmel und Erde, Gott und die Menschen zu verbinden und unserem Leben Zuversicht, Freude und Frieden zu schenken – Dinge, die ich uns in dieser Zeit besonders wünsche.

Der Advent ist auch jene Zeit im Jahr, in der wir unsere Solidarität und Verbundenheit mit Menschen in Not verstärkt zeigen. Wie jedes Jahr unterstützt die Adventsammlung von „Bruder und Schwester in Not“ die Entwicklungshilfe in Ländern des globalen Südens. Heuer helft Ihr mit Eurer Spende ganz besonders Straßenkindern in Afrika. Ich bitte Euch, die Adventsammlung auch in diesem Jahr nach Euren Möglichkeiten zu unterstützen und Kindern Zukunft und Zuversicht zu schenken. Vielen Dank dafür.

Euch und Euren Familien wünsche ich von Herzen eine von Gottes Nähe gesegnete Adventzeit und eine gute Vorbereitung auf das Fest der Menschwerdung unseres Herrn.

Bischof Benno Elbs

(aus dem Vorarlberger KirchenBlatt Nr. 50 vom 10. Dezember 2020)

Der Durst nach Kontakt, Freundschaft, Hoffnung, Nähe und Spiritualität ist groß.
Dr. Benno Elbs, Bischof von Feldkirch.
Autor:

KirchenBlatt Redaktion aus Vorarlberg | KirchenBlatt

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