FrauenSalon mit Ina Praetorius über Sterblichkeit und Geburtlichkeit
Wenn´s gut geht

Wie würde ein Weihnachtsgottesdienst aussehen, der statt der „idyllischen Geburtsdarstellung“ eine tatsächliche Geburt abbildet? „Ich hätte Lust das mal auszuprobieren“, zeigt sich Ina Praetorius offen für mehr „Geburtlichkeit“.
  • Wie würde ein Weihnachtsgottesdienst aussehen, der statt der „idyllischen Geburtsdarstellung“ eine tatsächliche Geburt abbildet? „Ich hätte Lust das mal auszuprobieren“, zeigt sich Ina Praetorius offen für mehr „Geburtlichkeit“.
  • Foto: Hollenstein
  • hochgeladen von KirchenBlatt Redaktion

Was wäre, wenn wir unser Leben nicht als „Sterbliche“, sondern von der anderen Seite - nämlich von unserem realen Anfang, der Geburt - her denken würden? Fragen wie diese waren Thema des FrauenSalons mit der evangelischen Theologin Ina Praetorius.

Simone Rinner

Wer schon einmal in einer Kirche war, der weiß, wie die Geburt Jesu dargestellt wird: eine vollständig bekleidete junge Frau hält einen sauber gewaschenen, lächelnden Säugling auf dem Arm. „Auf solchen Bildern ist aber weit und breit keine Geburt zu sehen“, bemängelt Dr.in Ina Praetorius u.a. die Absenz von Schmerz und Blut. Im Gegensatz zur meist realistischen Darstellung des Todes Jesu - mit Nacktheit, Blut und schmerzverzerrtem Gesicht. Und mit diesen Bildern fand man sich schon direkt im Thema des FrauenSalons, nämlich „Das Leben neu denken - von der Sterblichkeit zur Geburtlichkeit“.

„Geburtlich“ ist ein eher ungewöhnliches Wort, das im Gegensatz zu „Sterblich“ kaum in der Theologie oder Philosophie vorkommt. Dabei sind wir alle geboren und Geburtlichkeit somit Anfang jedes menschlichen Seins und Ursprung unseres Zusammenlebens. Dennoch leben wir in einer geburtsvergessenen Gesellschaft. Im Körpergefängnis. „Man sagt uns, dass der Mensch eigentlich eine unsterbliche Seele ist, ein reiner, körperloser Geist“, erklärt Praetorius das gängige Narrativ der Sterblichkeit. Geboren zu werden, bedeute für die Seele also in einen Körper eingeschlossen zu werden. „Das Körpergefängnis ist ausdrücklich als das Mütterliche bekannt“, weist die Theologin darauf hin, dass das griechische Wort „Materia“ von „Mater“, also Mutter stammt. Demzufolge müssen Mütter schuld sein, dass unsterbliche Seelen zu sterblichen Menschen werden und können als Widerpart oder Feindin des Geistes gesehen werden, der in seiner Seelenruhe durch Hunger, Schwäche, Müdigkeit, Lust ... gestört wird, führt die Feministin aus: „Und weil der Geist natürlich lieber alleine wäre, strebt die Seele danach den Zwischenzustand des Lebens zu verlassen.“ Oder um es frei mit Sokrates zu sagen: Mit dem Tod beginnt die Ewigkeit und damit die Freiheit der unsterblichen Seele.

Ein „Durch-einander“

In Wirklichkeit sehe man bei der Geburt natürlich keine unsterbliche Seele in Materie schlüpfen, sondern einen kleinen blut- und schleimverschmierten Menschen aus einem großen Menschen kommen, betont Praetorius. „Eine Geburt ist ein Durcheinander, und schon gar nicht sauber“, aber „wenn´s gut geht“ werde der Neuankömmling von einem fürsorglichen Miteinander aus Hebammen, Väter, Tanten, Freunden... empfangen. Denn „Menschen kommen durch einander in die Welt“. Das „Durch-einander“ geht immer weiter und wird später ein Geben und Nehmen. Bis man eines Tages stirbt. „Ob danach etwas kommt, kann niemand wissen“, so die Theologin. „Fromme Leute würden sagen: Nur Gott.“

Tun, was man kann

Statt sich Fragen nach dem „danach“ zu stellen, sollte man sich besser dem zuwenden „was uns erreichbar und unsere Aufgabe ist“: Denn auch wenn sich vieles „Unangenehme“ nicht aus der Welt schaffen lasse, könne man es doch gestalten. Hunger kann man z.B. durch Erzeugung guter Lebensmittel für alle und Kochkunst begegnen; Krankheit und Tod durch Heilkunst, Pflege, Begleitung und Impfstoffe, die hoffentlich gerecht verteilt werden. „Unsere Aufgabe als Geburtliche ist, dass alle 7 1/2 Milliarden Menschenwürdeträger/innen, die irgendwo auf der Erde durch einander zur Welt gekommen sind, bekommen was sie zum Leben brauchen“, betont Praetorius. Doch davon sind wir noch weit entfernt. „Folglich gibt es viel zu tun. Denn das Dasein und Tun ist das Eigentliche“, so die Theologin. «

Den FrauenSalon zum Nachhören finden Sie online unter www.frauensalon-vorarlberg.at

Autor:

KirchenBlatt Redaktion aus Vorarlberg | KirchenBlatt

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Das Portal meinekirchenzeitung.at wird von Kooperation Kirchenzeitungen bereitgestellt.
Powered by PEIQ

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen