Seeprozession in Hallstatt: „Früher war es mehr Touristenspektakel“

Zu den beeindruckendsten Fronleichnamsprozessionen zählen jedes Jahr die Seeprozessionen. Hallstatt ist dabei die berühmteste und älteste. Hallstatts Diakon Fritz Pichler erzählt, welche Bedeutung das Fest für das weltberühmte Bergdorf am See hat.   

Die Platznot machte erfinderisch. Hallstatt ist so beengt, dass die Dorfbewohner/innen Fronleichnam vorwiegend nicht zu Land, sondern auf dem Hallstätter See feiern. Seit 1623 besteht diese Tradition, um eine Spur länger noch als beim Pendant am Traunsee (siehe Kasten). Nach zwei Jahren Pandemiepause kann das eindrucksvolle Fest heuer wieder in gewohnter Form stattfinden. „Darüber bin ich schon sehr froh, die Wasserprozession gehört einfach zu Hallstatt dazu“, erzählt Diakon Fritz Pichler. Seit mehr als 30 Jahren ist er gemeinsam mit Pfarrgemeinderatsobmann Reinhard Kerschbaumer  Hauptorganisator der Prozession. 

12.000 Gäste zu Spitzenzeiten

Den gebürtigen Vorarlberger Fritz Pichler haben die Liebe zu einer Oberösterreicherin und der Beruf nach Hallstatt geführt. An der HTL des Bergbauorts hat er bis zum Jahr 2015 Geschichte und Religion unterrichtet. „Als ich in den achtziger Jahren hergekommen bin, war Fronleichnam viel mehr Tourismusspektakel als heute“, erzählt Pichler. Damals kamen bis zu 12.000 Besucher zur Seeprozession, mittlerweile pilgern – immer noch beachtliche – 4.000 Menschen zu Fronleichnam ins 700-Einwohner-Dorf Hallstatt.  „Die Mehrzahl sind gläubige Leute, die sich zum Beispiel vor dem Allerheiligsten hinknien“, schildert Pichler seine Beobachtungen. Den großen Andrang zur Prozession bewertet er positiv. „Dann ist die ganze Mühe nicht umsonst, Fronleichnam ist bei uns das aufwendigste Kirchenfest im Jahr.“ Allein das engere Vorbereitungsteam zählt an die 40 Personen, darüber hinaus beteiligen sich die meisten Einheimischen am Fronleichnamsfest, darunter viele der evangelischen Dorfbewohner/innen. Die Zeiten, als die Katholiken Fronleichnam zur Machtdemonstration nutzen wollten und damit die Evangelischen verärgerten, sind glücklicherweise längst vorbei. „Katholiken und Evangelische helfen zusammen, bei uns besteht Ökumene nicht nur auf dem Papier“, sagt Pichler.  

Buchen statt Birken

Bereits zwei Wochen vor Fronleichnam beginnen die Arbeiten an den Zillen, auch Mutzen oder Fuhren genannt. Mit ihnen wurde schon vor 500 Jahren das Hallstätter Salz in die Welt hinaus transportiert. Bis zu 90 Fuhren sind zu Fronleichnam auf dem See unterwegs. Die Boote werden neben Blumen auch mit Buchenlaub geschmückt. Birkenzweige, wie anderswo zu Fronleichnam üblich, spielen in Hallstatt aus einem simplen Grund keine Rolle: Sie kommen im Inneren Salzkammergut kaum vor.

Um 5 Uhr in der Früh

Das Hauptschiff, die Sakramentsmutze, wird am Fronleichnamstag um 5 Uhr fertiggemacht. Nach der Messe wird noch an Land auf dem Marktplatz der erste Segen gesprochen. Kinder streuen hier Blumen, bevor es weitergeht und die Schiffe und Boote ablegen, allen voran die Sakramentsmutze, die vier Ruderer sanft durchs Wasser gleiten lassen. Diakon Pichler ist dort stets mitten im Geschehen der Feier. Die Segensstationen am Wasser hat er liturgisch vorbereitet. Sie  werden von  eigens für Hallstatt komponierten Barockliedern begleitet, wie es seit Jahrhunderten Brauch ist. «  

Wasserprozessionen

In Oberösterreich gibt es drei Wasserprozessionen: Jene in Hallstatt und Aschach finden heuer wieder statt. Die Prozession in Traunkirchen, die seit 1632 besteht, legt auch heuer noch eine Pause ein. 

Die Festmesse zu Fronleichnam beginnt am Donnerstag, 16. Juni in Hallstatt um 9 Uhr, danach findet die Prozession bei Schönwetter statt. Ein weiteres Gestaltungselement der Prozession sind die Hallstätter Fronleichnamsschützen, die bereits um 6 Uhr am Ortsende von Hallstatt zu schießen beginnen.

Autor:

KirchenZeitung Redaktion aus Oberösterreich | KirchenZeitung

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