Theologin Rathgeb über den Garten
Eine spirituelle Entdeckungsreise

„Der Garten ist auch ein Ort der Hoffnung, wenn ich im Herbst die Blumenzwiebeln einsetze und darauf bauen kann, dass im Frühling etwas erblüht“, sagt Elisabeth Rathgeb.
  • „Der Garten ist auch ein Ort der Hoffnung, wenn ich im Herbst die Blumenzwiebeln einsetze und darauf bauen kann, dass im Frühling etwas erblüht“, sagt Elisabeth Rathgeb.
  • Foto: Niederleitner/KIZ
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Ihren Garten in Ranggen im Bezirk Innsbruck-Land bezeichnet die Theologin Elisabeth Rathgeb als „unspektakulär“. Für sie ist er aber ein sehr wichtiger Ruhe- und Kraftort, ein Ort spiritueller Erfahrungsmöglichkeiten. In ihrem Buch „Kopfsalat mit Herz“ nimmt Rathgeb die Leser/innen auf eine besondere Entdeckungsreise mit.

Welche Bedeutung hat Ihr Garten für Sie?
Elisabeth Rathgeb:
Der Garten ist für mich als Ausgleich zu meiner beruflichen Tätigkeit ein wichtiger Ort der Ruhe und der Kraft. Dort bekomme ich Bodenhaftung im besten Sinne des Wortes, kann mich verwurzeln und spüre Heimat. Er ist ein wichtiger Gegenpol zur lauten, hektischen und globalisierten Welt.
Was schätzen Sie daran am meisten?
Rathgeb:
Es ist schön, ein Stück Boden zu haben, den ich selbst bebauen kann. Ich kann selbst entscheiden, was ich aussäe, was wächst, und ich kann den Garten selbst gestalten. Auch für Menschen, die im städtischen Bereich wohnen, gewinnt der Bezug zum Boden eine immer größere Bedeutung. Als Gegenpol zur Urbanisierung gibt es so viele Gartenbewegungen, die die Sehnsucht nach Erde und der Nähe zum Wachstum widerspiegeln. Die Menschen spüren, dass es wichtig ist, sich in der sich schnell entwickelnden Welt zu verwurzeln, zu wissen, wo man hingehört. Das sind die urtheologischen Fragen: Wo komme ich her? Wo gehe ich hin und wo finde ich dazwischen Heimat?
Es heißt, Gärten sind ein Spiegelbild unserer Seele. Was verrät Ihr Garten über Sie?
Rathgeb:
Manchmal wuchert das Unkraut, weil ich es aus beruflichen Gründen nicht schaffe, Ordnung zu halten. Zwar ist das Bemühen da, aber es gelingt eben nicht immer. Das ist wie im Leben. Mein Garten verrät das Ringen um Klarheit, um gute Prioritäten, manchmal eben auch das Scheitern und Misslingen.
Welche grundlegenden Erfahrungen haben Sie bei der Arbeit mit der Natur gemacht?
Rathgeb:
Ich habe gelernt, dass der Wachstumsprozess Zeit und Aufmerksamkeit braucht, dass sich nichts erzwingen lässt. Ich kann aber die Rahmenbedingungen dafür schaffen. Im Leben ist es genauso, ob es sich beispielsweise um berufliche Veränderungsprozesse oder Beziehungen handelt. Man kann etwas Aufmerksamkeit geben, versuchen, dafür einen guten Boden zu schaffen, aber man kann nichts erzwingen. Dass alles Zeit zum Wachsen und Reifen braucht – diese Lehre habe ich aus meinem Garten gezogen.
Sie haben den Garten einmal als Trainingsort bezeichnet. Was kann man darin trainieren?
Rathgeb:
Der Garten ist der perfekte Ort, um geistliche Wachstumsprozesse anzuregen, weil man darin in Verbindung mit dem Leben und dem Geheimnis dahinter steht. Ich vertraue dem Boden meinen Samen an, ich vertraue darauf, dass etwas wächst, unterstütze und begleite es, kann dann ernten und muss aber wieder loslassen. Der ganze Rhythmus des Lebens spiegelt sich darin wider. Es ist das Vertrauen darauf, dass alles im großen Geheimnis und der Kraft Gottes geborgen ist. Der Garten ist auch ein Ort der Hoffnung, wenn ich im Herbst die Blumenzwiebeln einsetze und darauf bauen kann, dass im Frühling etwas erblüht. In vielem, was ich im Leben mache – in der Kindererziehung, in Beziehungen, bei Projekten – baue ich darauf, dass mein Einsatz nicht umsonst war und früher oder später etwas zum Blühen kommt.
Sie nehmen die Leser mit auf eine Entdeckungsreise. Was gibt es zu entdecken und was ist das Ziel dieser Reise?
Rathgeb:
Das Ziel ist es, jenen, die gerne im Garten arbeiten, aber auch jenen, die wenig Bezug dazu haben, Entdeckungsmöglichkeiten zu spirituellen Themen anzubieten. Bewusst wähle ich dabei als Ausgangspunkt ganz praktische Arbeiten und Erfahrungen im Garten.
Kann der Garten derzeit ein Mutmacher sein?
Rathgeb:
Gerade jetzt, wo wir viel Stillstand erleben, ist der Garten für viele Lebenselixier und Kraftort, weil er zeigt, dass es in der Natur Bewegung und Entwicklung gibt, dass auf Zeiten des Rückzugs und der Erstarrung auch Zeiten des Wachstums folgen. Die jetzt wachsenden Schneeglöckchen sind Zeichen des Aufbruchs, den auch die Gesellschaft wieder erleben wird.

Serie: Lesen Sie in den nächsten beiden Ausgaben der KirchenZeitung Texte von Elisabeth Rathgeb.

Buch: Elisabeth Rathgeb: Kopfsalat mit Herz. Eine spirituelle Entdeckungsreise durch den Garten. Tyrolia-Verlag. 112 Seiten, € 15,95

Autor:

KirchenZeitung Redaktion aus Oberösterreich | KirchenZeitung

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