Glück schmieden
Glaube macht glücklich

Glück, das bedeutet für jeden Menschen etwas anderes. Einige finden in der Religion ihr Glück, und Studien weisen sogar darauf hin, dass gläubige Menschen glücklicher sind. Glücksforscher Michael Kunze hat eine Theorie, warum da etwas dran sein könnte.

Ist jeder seines eigenen Glückes Schmied oder ist das Glück doch eher ein Vogerl? Im allgemeinen Sprachgebrauch wird Glück jedenfalls sehr unterschiedlich verwendet, sagt Glücksforscher Michael Kunze: „Man sagt, ich habe heute Glück gehabt, dass mich die Straßenbahn nicht überrollt hat. Genauso wird ein Lottogewinn oder der Anblick einer schönen Blume als Glück empfunden. Ein Chirurg empfindet Glück bei einer gelungenen Operation, ein Marathonläufer kommt ins sogenannte Läufer-Hoch.“

Aus naturwissenschaftlicher Sicht sei Glück ein chemischer Vorgang: „Befinden wir uns in einem Glückszustand, werden im Gehirn bestimmte Botenstoffe, die Neurotransmitter, ausgeschüttet. Der wohl bekannteste ist das Dopamin.“ Glückszustände werden durch bestimmte Erlebnisse, Tätigkeiten oder auch Erinnerungen ausgelöst. Diese Auslöser unterscheiden sich von Mensch zu Mensch, je nach Umfeld, Sozialisierung und Lebenserfahrung. 

Glück und Glaube

Eine Studie aus dem Jahr 2019 kam zu dem Ergebnis, dass gläubige Menschen tendenziell glücklicher sind und besser mit Krisen zurechtkommen. Die Umfrage basiert auf Daten aus 26 Ländern.

Kunze erklärt sich die erhöhte Lebenszufriedenheit religiöser Menschen so: „Zu sagen, ich bin in Gottes Hand, Gott wird mich beschützen, gibt einem das Gefühl einer Ordnung im Leben und hat auch etwas Beruhigendes. Das kann sehr hilfreich sein, besonders in Krisenzeiten, bei einer schweren Krankheit oder Verlusterlebnissen.“

Religiöse Zeremonien können zudem einen Glückszustand auslösen, wie etwa bei einer Erstkommunion oder Hochzeit.

Die Religion aktiv zu praktizieren, beeinflusst auch den Lebensstil, der durch mehr gekennzeichnet ist als durch den sonntäglichen Kirchgang: „Meine Hypothese ist, dass religiöse Personen weniger konsumieren, weniger rauchen und trinken“, sagt Glücksforscher Kunze. Das bestätigt auch die oben erwähnte Studie. Gläubig sein hat auch einen großen sozialen Aspekt: Religiöse Menschen gehen öfter wählen, engagieren sich häufig in (auch nicht-religiösen) Verbänden oder sind als Ehrenamtliche tätig. Letztere sollen laut Untersuchungen glücklicher sein als nicht sozial Engagierte und zudem seltener depressiv.

Zum Glück finden

Laut einer aktuellen Umfrage des Marktforschungsinstituts marketagent glauben die Österreicher/innen, dass etwas mehr als 50 Prozent des Glücks selbst bestimmt werden können. Der restliche Anteil wird als vorherbestimmt angesehen.

Kunze meint, Glück kann man zu einem gewissen Grad durchaus steuern, indem man sich „einen Zettel nimmt und aufschreibt, in welchen Situationen man glücklich war, und genau das tut. Oder an Orte geht, die einem ein gutes Gefühl vermitteln.“

Für Kunze ist das etwa der alte Linzer Dom. Wann immer er in die Stadt kommt und es ihm möglich ist, geht er dorthin. Beim „Glücksschmieden“ komme es auf die Zielsetzung an, sagt Kunze. Weder mache es glücklich, nur auf das zu schauen, was andere haben, noch damit zu hadern, was man in seinem Leben nie geschafft hat. Zufriedenheit stellt sich dann ein, wenn man weiß, dass man „nach all seinen Möglichkeiten alles erreicht hat.“

Autor:

KirchenZeitung Redaktion aus Oberösterreich | KirchenZeitung

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