Gesellschaftspolitischer Stammtisch über die Angst in der Corona-Krise
Keine Angst. Oder doch?

Gehen Sie liebevoll mit sich um, denn wir können nur „mit anderen liebevoll umgehen, wenn wir stark sind und gelernt haben mit uns selbst liebevoll umzugehen“, erklärt der Neurobiologe.
2Bilder
  • Gehen Sie liebevoll mit sich um, denn wir können nur „mit anderen liebevoll umgehen, wenn wir stark sind und gelernt haben mit uns selbst liebevoll umzugehen“, erklärt der Neurobiologe.
  • Foto: Tim Marshall / unsplash.com
  • hochgeladen von KirchenBlatt Redaktion

Anfang dieser Woche haben Sie etwas verpasst - nämlich den wohl größten Gesellschaftspolitischen Stammtisch aller Zeiten. Über 330 Menschen waren live dabei, als der Neurobiologe Dr. Gerald Hüther online über die Angst in der Corona-Krise sprach. Und wie man da wohl wieder rauskommen könnte.

Simone Rinner

Die positive Nachricht: Der Stammtisch wurde aufgezeichnet. Das ist auch gut so, denn so manches, was Gerald Hüther in seinem Vortrag „Wenn die Angst dominiert! Über die Angst in der Corona-Krise und wie wir das Vertrauen in uns selbst und die Gesellschaft stärken können“ erzählt hat, muss man sich vielleicht zwei Mal durch den Kopf gehen lassen.

Wer hat Angst?

Das Thema Angst sei ihm aufgefallen, als die „Corona-Problematik“ begonnen habe, erinnert sich Hüther. Und meint damit nicht die Angst vor dem Virus, sondern die Angst, die durch die Vorstellung der von ihm ausgehenden Gefahr ausgelöste wurde. Angst erwachse in den meisten Fällen aus der Vorstellung, was alles geschehen könnte, erklärt der Neurobiologe. Man könne sie entweder in sich selbst verstärken oder auch kleinreden, man sei aber hilflos, wenn jemand anders erzähle, wie groß die Bedrohung sei. Dann könne es passieren, dass man alleine mit FFP2-Maske im Wald herumlaufe, berichtet Hüther von Begegnungen mit verängstigten Menschen.

Angstvorsorge

Da stellt sich doch die Frage, wie es gelingen kann, sich so zu stärken, dass man nicht so schnell in Angst gerät. Was beim Körper ein gutes Immunsystem ist, nennt Hüther bei der Psyche das Fundament, das einiges aushält und auf dem man (wenn es dick genug ist) stehen kann: das Vertrauen. Gleich einem dreibeinigen Hocker bestehen die Vertrauensressourcen aus dem Vertrauen in die eigene Kompetenz, dem Vertrauen in andere und dem Vertrauen, dass es wieder gut wird (auch Ur- oder Gottvertrauen genannt). Die Hockerbeine sind aber leider dünn geworden, und deshalb geraten wir schnell in Panik, ortet Hüther ein Problem.

Was also tun?

Unter Panik komme es im Hirn zu einem Durcheinander, erklärt der Neurobiologe. Man verliere sprichwörtlich „den Kopf“. Statt klar zu denken, verfalle man in Kindheitsmuster (z.B. rumbrüllen oder mit Türen knallen) und lande schließlich im Notfallprogramm, in dem sich unser Hirnstamm eigentlich nicht mehr wesentlich von jenem des Krokodils unterscheide. Als Reaktion bedeutet das: ankreischen, flüchten, erstarren und totstellen.

Die Lösung?!

„Man muss aus dem Kopf raus, muss sich wieder mit sich selbst und seiner inneren Kraft verbinden“, spricht sich der Autor dafür aus, liebevoller mit sich selbst umzugehen. Erst dann können wir nämlich stark sein und auch mit anderen liebevoll(er) umgehen. Kurz: Tun Sie nichts, was Ihnen nicht guttut. Nur der Zugang zu den eigenen lebendigen Bedürfnissen gebe einem das Gefühl lebendig zu sein. Sein Tipp: Stillen Sie Ihre Bedürfnisse, die Sie vielleicht schon lange unterdrücken: Kümmern Sie sich um Dinge und Menschen, die Ihnen wichtig sind oder finden Ihre alte Entdeckerfreude wieder. Man könne an den derzeitigen Gegebenheiten wenig ändern, aber man könne „sich auch im Boden verankern und dann lässt man sich auch nicht mehr so schnell von anderen Angst einjagen, weil man weiß, was man wert ist“, ist sich Hüther sicher, dass so eine andere Form von Miteinander entsteht.

Den aufgezeichneten Vortrag zum Nachsehen finden Sie online unter www.ethikcenter.at

Gehen Sie liebevoll mit sich um, denn wir können nur „mit anderen liebevoll umgehen, wenn wir stark sind und gelernt haben mit uns selbst liebevoll umzugehen“, erklärt der Neurobiologe.
Gerald Hüther ist Neurobiologe, Autor und Vorstand der Akademie für Potentialentfaltung.
Autor:

KirchenBlatt Redaktion aus Vorarlberg | KirchenBlatt

1 Kommentar

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen