40 Jahre Bischofsernennung von Maximilian Aichern
„Ein Christ ist immer im Dienst“

Am 15. Dezember 1981 ernannte Papst Johannes Paul II. den Benediktinerabt Maximilian Aichern zum Bischof von Linz. Im Gespräch mit der KirchenZeitung berichtet der emeritierte Bischof über prägende Erfahrungen und seinen „Unruhestand“.

Es heißt, die beste Voraussetzung, um Bischof zu werden, ist, es nicht werden zu wollen. Sie haben sich 1981 tatsächlich gegen die Ernennung gewehrt. Halten Sie das allgemein für richtig? Wann ist man ein Nachfolger der Apostel?

Maximilian Aichern: Aufgabe der Apostel ist, das Wort und die Taten Jesu zu verkünden. Wenn die Bischöfe Nachfolger der Apostel sind, haben sie dieselbe Aufgabe. Das trifft auch auf alle Mitarbeiter der Apostel zu: die Priester, die Diakone, alle Frauen und Männer im kirchlichen Dienst. Aber es trifft auch auf Eltern und Großeltern den Kindern und Enkelkindern gegenüber zu. In gewisser Hinsicht ist jeder Christ, jede Christin ein Apostel – durch ein gutes Wort und durch das Beispiel eines Lebens aus dem Glauben.

Wenn ich mich vor 40 Jahren gegen die Ernennung ein paar Monate lang gewehrt habe, dann hatte das damit zu tun, dass ich Oberösterreich nicht kannte. Normal ist das nicht die übliche Vorgangsweise. Aber letztlich habe auch ich mein Ja gesagt. 

Als Sie Bischof wurden, waren Sie Abt des Benediktinerstifts St. Lambrecht (Steiermark). Hatten Sie je die Befürchtung, im neuen Amt das typisch Benediktinische aufgeben zu müssen?

Aichern: Diese Befürchtung hatte ich nicht im Geringsten. Die Ratschläge des heiligen Benedikt für die Führung einer klösterlichen Gemeinschaft gelten im weiteren Sinne auch für viele Bereiche in der Arbeit mit den Mitmenschen, für die Leitung einer Diözese ebenso wie für Aufgaben in der Wirtschaft. Es kommen Menschen in Kurse, um für ihren Beruf vom heiligen Benedikt zu lernen.

Wie leben Sie als Benediktiner heute?

Aichern: Mit den Mitbrüdern des Klosters von St. Lambrecht habe ich immer engen Kontakt gehabt. Das ist auch jetzt so, ich kann sogar öfter nach St. Lambrecht fahren als in der Zeit als Diözesanbischof. Jetzt kann ich ganz im Geiste St. Benedikts und unter Zustimmung des Diözesanbischofs weiter Dienste tun – in der Leitung der Liturgie, bei Firmungen, bei privaten Gebeten, im Stundengebet der Kirche. Ich kann Vorträge mit spirituellen und sozialen Inhalten halten und vor allem mit vielen Priestern, Diakonen und Mitarbeiter/innen der Diözese enge Verbindung pflegen – speziell mit solchen, die schon im aktiven Dienst waren, als ich es einst gewesen bin.

Immer wieder gibt es Treffen und Gespräche mit Persönlichkeiten, mit denen ich einst als Sozialreferent der Bischofskonferenz in partnerschaftlicher Zusammenarbeit mit Politik, Gewerkschaft, Wirtschaft und Kultur Kontakte hatte. Auch Caritas und Hilfe für notleidende Länder werden in unserer Diözese großgeschrieben. Da kann, wie auch in meiner aktiven Zeit, vieles geleistet werden. Die Zusammenarbeit mit Bischöfen, Klöstern und Institutionen, vor allem der Caritas auch anderer Länder, war mir immer ein Anliegen und ist es mir auch heute. Und es gelingt.

Sie wurden in Ihrer Heimatpfarre geprägt von den Kalasantinern, einem Orden für die christlichen Arbeiterinnen und Arbeiter. Hat das Einfluss auf Ihre Tätigkeit als Sozialbischof gehabt?

Aichern: Davon bin ich überzeugt. Als Gymnasiast im Zweiten Weltkrieg und danach war ich Mitglied der Pfarrjugend der Kalasantinerpfarre St. Joseph im 14. Wiener Gemeindebezirk. Nach der Matura, als Lehrling, gehörte ich zur Gruppe der Katholischen Arbeiterjugend (KAJ). Wir hatten enge Kontakte der Wiener KAJ-Gruppen untereinander und in Richtung von Kardinal Joseph Cardijn, Pater Zeininger und anderen Verantwortungsträgern. Darunter war Leopold Kunschak, christlichsozialer Arbeiterführer in der Ersten Republik und in der Zweiten Republik Parlamentspräsident. Er war oft in unserer Pfarre. Der spätere Gewerkschaftspräsident Anton Benya ist in unserer Gegend aufgewachsen. Da ich jünger war, habe ich ihn nur von der Ferne her gekannt. Aber die spätere Frauenministerin Johanna Dohnal war Mitglied der Pfarrjugend. Jährlich haben wir eine KAJ-Wallfahrt nach Mariazell gemacht. Diese Wallfahrten waren auch ein Grund, warum ich in St. Lambrecht ins Kloster eingetreten bin, da Mariazell und St. Lambrecht ja zusammengehören. 

Sie waren 23 Jahre lang Diözesanbischof, haben neue Kirchen geweiht, aber auch miterlebt, dass die Zahl der Katholik/innen sinkt. Worin besteht die Zukunft der Kirche?

Aichern: Wir alle, die wir Kirche sind, müssen die Nöte unserer Mitmenschen sehr ernst nehmen. Wir müssen viel Gutes tun: Durch ein gutes Wort und eine helfende Tat können wir auch Menschen überzeugen, die sich aus dem christlichen Bereich ganz zurückgezogen haben oder nur fallweise ihren Glauben praktizieren. Die Bewältigung von Krisen gehört zum Leben. Da gibt es verschiedene Wege, die zwar sehr schwierig sind, aber wir müssen es angehen. 

Darf ich Sie als Vertreter einer Generation fragen, die Krieg bzw. Nachkriegszeit erlebt hat: Wie beurteilen Sie die Lage in der Pandemie?

Aichern: Auch hier gilt, dass die Menschen im Laufe der Geschichte immer wieder Krisen bewältigen mussten. Heute haben wir andere Mittel als früher, in erster Linie den Dialog und die Forschung im wissenschaftlichen und medizinischen Bereich. Wir müssen letztlich die Vorschriften derer, die kompetent sind, einhalten, um diese Krise hinter uns zu bringen. Aber auch jedes gute Wort kann helfen und vergessen wir nie, allein und gemeinsam für das Ende der Pandemie zu beten.

Jetzt sind Sie seit mehr als 16 Jahren emeritiert, aber genau genommen im „Unruhestand“, also normalerweise viel unterwegs. Was bedeutet für Sie die Zeit seit 2005?

Aichern: Man bleibt Bischof und Ordensmann. Ein Christ ist immer im Dienst! Als Bischof und Ordensmann gilt es, den Menschen durch Solidarität sowie viel Gespräch und Dialog zu helfen, aber auch durch die Feier der Liturgie und der Sakramente. Für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung zu sorgen, ist weiterhin eine Aufgabe auch eines emeritierten Bischofs, Pfarrers oder Diakons.

Ich möchte alles weiter tun, soweit es mir möglich ist, im Geiste Sankt Benedikts: Bete, arbeite, lies in der Bibel – also: Lerne und lebe den Glauben!

Wie verbringen Sie den heurigen Advent?

Aichern: Bis vor zwei Monaten war ich fit und konnte viele Dienste wahrnehmen. Dann bekam ich Schwierigkeiten mit den Beinen und musste einige Wochen ins Spital. Auch jetzt, da ich wieder zu Hause bin, werde ich im Spital behandelt. Wir werden sehen, wie sich das bessert.

Der Advent bedeutet für mich heuer nicht, auswärts zu Gottesdiensten zu sein. Stattdessen verrichte ich in Stille daheim das Gebet und wir feiern als Hausgemeinschaft gemeinsam immer wieder Gottesdienst. So erwarten wir den Herrn und hoffen, dass er Gutes mit uns vorhat.

Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern unserer KirchenZeitung sowie allen Mitarbeitenden in der Redaktion für Weihnachten und das neue Jahr Segen, Gnade, Gesundheit, Freude und Erfolg. «

Hintergrund
Maximilian Aichern

Maximilian Aichern wurde am 26. Dezember 1932 als Sohn eines Fleischhauers in Wien geboren. Nach der Matura arbeitete er im elterlichen Betrieb. 1954 trat er in das Kloster St. Lambrecht ein, 1959 wurde er in Rom zum Priester geweiht, 1964 Abtkoadjutor und 1977 Abt in St. Lambrecht. Am 15. Dezember 1981 ernannte der Papst Maximilian Aichern zum 12. Bischof von Linz. Aichern hatte erst nach massivem Drängen ja gesagt.

Bischof

Die Bischofsweihe fand am 17. Jänner 1982 im Linzer Mariendom statt. Aichern gewann schnell die Herzen der Oberösterreicher/innen. Die große Aufbauleistung in der Diözese während seiner 23 Amtsjahre lässt sich nicht in wenige Worte fassen. Es sei aber erwähnt, dass Aichern bei allen Aktivitäten die Mitarbeit der Gremien ein besonderes Anliegen war.

Auf Österreich-Ebene stechen neben anderen Aufgaben Aicherns Schaffen als Sozialbischof mit dem Sozialhirtenbrief und seine Mitarbeit am Sozialwort der 14 christlichen Kirchen in Österreich hervor.

Am 18. Mai 2005 nahm Papst Benedikt XVI. das Rücktrittsgesuch von Bischof Aichern an. Seitdem nimmt der Emeritus Aufgaben in der Diözese wahr, getreu seinem Wahlspruch „In caritate servire“ (in Liebe dienen).

Kurz berichtet
Der Bischof und der selige Marcel Callo 

Der selige Marcel Callo, Opfer der NS-Herrschaft, wurde am 6. Dezember 1921 in Rennes in Frankreich geboren. Bischof Maximilian Aichern hatte stets eine besondere Beziehung zu dem „Märtyrer der Arbeiterjugend“, der im Alter von 23 Jahren im KZ Mauthausen starb.

So weihte Aichern die Pfarrkirche Linz-Marcel Callo im Stadtteil Auwiesen am 6. Dezember 1998 ein. Er pflegt zudem mit der Familie von Marcel Callo nach wie vor Kontakt. Aus gesundheitlichen Gründen konnte der Altbischof am vergangenen Sonntag, 5. Dezember, nicht wie ursprünglich geplant am Festgottesdienst zu 100 Jahre Marcel Callo in Auwiesen teilnehmen. 

Der 100. Geburtstag des Seligen wurde auch in seiner Heimat Rennes mit zahlreichen Teilnehmer/innen gefeiert. Mit dabei waren auch Bad Ischls Pfarrer Christian Öhler, der früher in Auwiesen als Priester wirkte, und Christoph Fuchs, Pfarrgemeinderatsobmann in Linz-Marcel Callo.

Autor:

KirchenZeitung Redaktion aus Oberösterreich | KirchenZeitung

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