Christoph Leitl über Wirtschaft und Corona
„Mir tut es um jeden Betrieb leid“

Christoph Leitl ist Präsident der europäischen Wirtschaftskammer.
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Die Coronakrise stellt Österreich vor wirtschaftliche Herausforderungen. Was es brauche, sei ein neues europäisches Gemeinschaftsgefühl, sagt Christoph Leitl im Interview. Seit 2018 ist er Präsident der europäischen Wirtschaftskammer.

Gerade im ersten Lockdown haben sich ­viele Staaten auf sich selbst zurückgezogen. Ist das der richtige Weg, und muss Österreich wirtschaftlich unabhängiger werden?
Leitl: Wir müssen weiterhin auf den Export und den Welthandel setzen, weil Österreich 60 Prozent seines Wohlstandes außerhalb der österreichischen Grenzen verdient. Einen Rückzug können sich vielleicht die USA oder China leisten. Ein kleines Land wie Österreich ist darauf angewiesen, über Freihandelsabkommen mit der ganzen Welt Zugang zu den großen Märkten zu bekommen. Corona war ein Beispiel dafür, wie man es nicht machen soll. Normalerweise steht man in der Not zusammen, doch in Europa gab es sofort einen Rückfall in nationalistisches Verhalten. Man hat Grenzen gesperrt, als ob sich das Virus aussperren ließe, man hat die medizinische Versorgung blockiert – genau das Gegenteil dessen, was eine Gemeinschaft, die diesen Namen verdient, tun sollte. Ich hoffe nur, dass Europa daraus lernt.

Wie beurteilen Sie die bisherigen wirtschaftspolitischen Maßnahmen der Regierung? Hätten Sie etwas anders gemacht?
Leitl: Nachträglich ist jeder gescheiter. Daher wage ich nicht, etwas zu beurteilen. In gewisser Hinsicht tappen wir alle im Dunkeln, das gilt für die sogenannten Expert/innen genauso wie für die politischen Verantwortungsträger. Ich hätte mich stärker dafür eingesetzt, dass es eine europaweite Koordinierung gibt. Wenn es gemeinsame europäische Spielregeln gäbe, würde das viel Sicherheit vermitteln, für die Betriebe, für unsere Staaten. China hat die Krise inzwischen offensichtlich bewältigt. Es kann nicht sein, dass ein diktatorisch regierter Staat das schafft und wir als demokratische Gemeinschaft fallen von einem Lockdown in den nächsten.

Die erneut geschnürten Hilfspakete sollen Betriebe durch die Krise bringen. Unternehmer/innen kritisieren immer wieder die ungleiche Verteilung der Gelder und befürchten eine „Aussortierung“. Ist die Sorge berechtigt?
Leitl: Mir tut es um jeden einzelnen Betrieb leid, der in dieser Krise nicht über Wasser bleibt. An sich sind die Maßnahmen darauf angelegt, allen zu helfen, damit sie nicht zugrunde gehen müssen. Es gibt so viele Betriebe, die für unser aller Lebensqualität einen unendlichen Reichtum darstellen. Und diese feinen Adern in unserem gesellschaftlichen Körper zu erhalten, erscheint mir eine dringende Notwendigkeit. Daher versuche ich auch,

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KirchenZeitung Redaktion aus Oberösterreich | KirchenZeitung

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