„Fußball hilft, über Tellerrand zu schauen“

Spielerinnen unterschiedlichster Herkunft kicken beim VBSC Vöcklabruck Ladies. Der Verein leistet einen wichtigen Beitrag zur Integration und wurde dafür mit dem Solidaritätspreis ausgezeichnet. Eine zentrale Rolle kommt dabei der Trainerin, Don-Bosco-Schwester Elisabeth Siegl, zu. Die KirchenZeitung besuchte das Training.

Ein Ball. Ein Hof oder ein Park. Und ein paar Mitspieler/innen. Mehr braucht es nicht, damit die Sache ins Rollen kommt. So ist Fußball der global am weitesten verbreitete Sport und dabei längst nicht nur auf die Männerwelt beschränkt. Immer mehr Frauen begeistert die Jagd nach dem runden Leder. Auch für Masuma Sultani ist Fußball eindeutig der Lieblingssport. „Ich habe schon als 8-Jährige in Afghanistan mit meinen Cousinen gespielt“, erzählt die 18-jährige gebürtige Iranerin, die in Afghanistan aufgewachsen ist und mit sechs Geschwistern und ihrer Mutter seit fast fünf Jahren in Österreich lebt. Meine Mama ist dem Fußballspielen zwar immer positiv gegenübergestanden, insgesamt ist es in Afghanistan für junge Frauen ab der Pubertät aber schwierig, Fußball zu spielen“, berichtet sie. Umso mehr merkt man ihr die Freude an, dass sie beim VBSC Vöcklabruck Ladies gelandet ist und in ihrer Freizeit ohne Einschränkung das tun kann, was ihr am meisten Spaß macht. So wie an diesem Dienstagabend, als die Spielerinnen bei der Ballführung durch einen Slalomparcours, Passübungen und Torschüsse ins Schwitzen kommen.

Fußball verbindet soziale Schichten
25 Spielerinnen aus dem Kongo, Syrien, Iran, Afghanistan, Holland, Deutschland und Österreich stehen beim VBSC Ladies gemeinsam am Platz. Der Verein legt dabei großen Wert auf Integration. Mit der Don-Bosco-Schwester Elisabeth Siegl ist eine Trainerin speziell für die Neuankömmlinge und Anfängerinnen abgestellt und wirkt so als integrative Kraft. Als Kind glühender Rapidfan, begann Elisabeth Siegl mit Anfang zwanzig vereinsmäßig zu spielen, wurde später als Verteidigerin Teil des Frauenteams Vöcklabruck und wechselte nach ihrer aktiven Karriere ins Trainergeschäft. „Fußball hilft, über den eigenen Tellerrand zu schauen, und schafft es, alle sozialen Schichten zu verbinden. Der Verein ist im Prinzip offen für jeden. Am Platz wird man nicht gleich gefragt, woher man kommt. Dass ich im Orden bin, ist im Verein Nebensache“, sagt Elisabeth Siegl. Für sie besteht im Übrigen kein Zweifel daran, dass die Kombination Ordensschwester und Fußballtrainerin gut zusammenpasst: „Auch Don Bosco war selbst Sportfan,“ folgt sie den Spuren des Ordensgründers.

Gemeinschaft so wichtig wie Erfolg
Dabei ist ihr die Förderung der Gemeinschaft unter ihren Mitspielerinnen genauso wichtig wie der sportliche Erfolg. Elisabeth Siegl misst Aktivitäten abseits des Fußballplatzes einen hohen Stellenwert zu. „Wir gehen nach den Trainings immer wieder mal gemeinsam Pizza essen“, sagt sie. Dabei kommen auch Themen abseits des Fußballs zur Sprache, wird offen über alltägliche Probleme geplaudert. „Für mich ist es gut, dass ich durch den Kontakt im Verein mein Deutsch verbessern kann“, meint Masuma. Beim Besuch der KirchenZeitung zeigt sich schnell, dass Schwester Elisabeth Siegl keine harte Schleiferin ist, die über den Platz schreit, sondern versucht, sich mit ihrer „verständnisvollen Art“ beim Training einzubringen, wie sie es selbst bezeichnet.

Späteinsteigerin
Das kommt bei ihren Schützlingen gut an, wie etwa Sophie Stöttinger erklärt. „Ich fühle mich sehr wohl hier, ich glaube, ich möchte noch eine Weile bei den Anfängerinnen bleiben“, meint sie mit ein bisschen Augenzwinkern. Sie ist erst seit wenigen Wochen beim Verein und als 30-Jährige eine Späteinsteigerin. „Ich habe schon als Kind mit meinem älteren Bruder Fußball gespielt, aber da bin ich nie zum Ball gekommen.“ Eine frühere Schulkollegin hat sie nun davon überzeugen können, es mit dem Kicken doch noch mal zu probieren. „Mir hat es auf Anhieb gefallen“, betont Sophie Stöttinger. Obwohl sie noch keine Ambitionen angemeldet hat, ist es gut möglich, dass sie bald zu ihrem ersten Einsatz in einem Spiel kommt. Der Verein achtet darauf, dass jede Spielerin in der Meisterschaft auflaufen kann. Auch das ist ein wichtiger Faktor, damit Integration gelingen kann.

Autor:

KirchenZeitung Redaktion aus Oberösterreich | KirchenZeitung

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