Corona in der Roma-Siedlung
Vom Händewaschen mit Wasserkübeln

Richtiges Händewaschen will gelernt sein – auch mit einfachsten Mitteln. Foto: Spolu
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Das Corona-Virus hat die Welt fest im Griff. In vielen Ländern gibt es massive Einschränkungen und Schließungen – ähnlich wie in Österreich. Und doch ist mancherorts vieles anders. Welthaus Graz hat bei seinen Projektpartnern nachgefragt – wie in unserem Nachbarland Slowakei.

Die Slowakei hat zusätzlich zu den Ausgangsbeschränkungen noch weitere restriktive Maßnahmen gesetzt. Alle Menschen, die sich in der Öffentlichkeit bewegen, müssen einen Mundschutz tragen. Ohne Mundschutz darf kein Geschäft betreten werden. Versammlungen von mehr als fünf Personen sind untersagt. Nicht zuletzt wegen vieler sozialer Brennpunkte sorgt die Regierung für die Einhaltung dieser strengen Maßnahmen.

Seit der Ostöffnung engagiert sich Welthaus bei den Roma in der Ostslowakei. Da hat es sich als sehr gut erwiesen, dass vor einiger Zeit unter anderem ein Nähprojekt in den Roma-Dörfern gestartet wurde. Die Frauen nähen nun Gesichtsmasken und verteilen sie in ihren Siedlungen.
Seit einigen Jahren unterstützt auch der Arbeitskreis für eine Welt und Weltkirche der Pfarre Graz-Süd die Arbeit von Welthaus. Im Fokus stehen unter anderem Roma-Kinder in zwei Dörfern mit Lerngruppen und außerschulischen Angeboten, die die Integration in die Gesellschaft fördern sollen. Acht engagierte Mütter, selbst Romnia, sind mit vollem Einsatz in das Projekt eingebunden. Sie sind gerade jetzt besonders gefordert.

Zur generell schwierigen Lage in den ghettoartigen Roma-Siedlungen – auch in Sachen Hygiene – kommen nun noch die Einschränkungen durch die Corona-Krise. Soziale Kontakte auf Abstand halten? Das ist in den oft engen Siedlungen nahezu ein Ding der Unmöglichkeit. Häufiges Händewaschen? Was bei uns unter dem Wasserhahn und mit Seife relativ rasch erledigt ist, ist in so manchem Dorf eine Herausforderung. Fließendes Wasser ist selten vorhanden, mit Glück gibt es einen eigenen Hausbrunnen. Die engagierten Mütter zeigen, worauf es ankommt: Seife wird organisiert, Kübel dienen als Waschbecken.

Die Schulen sind geschlossen, es wurde – wie andernorts– auf E-Learning umgestellt. Das funktioniert in Österreich mit Disziplin und Unterstützung der Eltern mehr oder weniger gut. Wie klappt das in einer Roma-Siedlung? Die Frauen aus dem Welthaus-Projekt versuchen, mit jeweils vier Kindern ein wenig zu üben und zu lernen. „Wir lernen mit den Kindern so gut es geht mit den technischen Mitteln, die uns dafür zur Verfügung stehen“, meint Marketa.
Die Solidarität der Frauen ist groß: So wird trotz der eigenen schwierigen Lage für Dörfer, die noch schlechter gestellt sind, Hilfe organisiert und Masken genäht.

Die sozialen Probleme der Roma sind auch mit Corona die gleichen geblieben. Sie wurden einfach nochmal verstärkt.
Übrigens: Am 8 April begehen wir zum 30. Mal den „internationalen Tag der Roma“.

Spendenkonto Welthaus: AT79 2081 5000 0191 3300, Stichwort "Roma"

Autor:

Viktoria Schichl aus Graz

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