Wort zum Sonntag
Liebe-voll

Irritierend kommt es auf den ersten Blick ­daher – das heutige Wort Jesu: Wer Vater oder Mutter, Sohn oder Tochter mehr liebt als mich … Spricht da etwa ein ­eifersüchtiger Mensch, der sich in Konkurrenz setzt zu all den anderen Menschen, die wir lieben? Der all unsere Liebe „für sich“ haben will? Ich ­glaube nicht! Vielmehr lese ich diese ­Worte als Infragestellung von Rollenerwartungen und als ­Befreiung und Befähigung zu wahrhaft liebe-voller ­Zuwendung.
Vielleicht kennen auch Sie Lebensgeschichten, angesichts derer Sie das unangenehme ­Gefühl beschleicht, dass hier jemand aus lauter (falsch verstandener) Liebe nicht sein/ihr eigenes ­Leben führt, sondern das der Eltern. Oder dass Eltern (gut gemeint) so sehr darauf aus sind, in ihren Kindern das zu ­verwirklichen, was ­ihnen selbst verwehrt blieb, dass die Kinder kaum ihre eigene Berufung finden und leben können.
Ich glaube davor warnt uns Jesus. Und davor, uns von anderen Menschen – seien es Vater oder Mutter, Tochter oder Sohn, Partner oder Partnerin – unser Heil, also unser Lebensglück zu erwarten. Kein Mensch, auch nicht der uns liebste, kann alle unsere Bedürfnisse erfüllen. Diesen Wunsch an ihn oder sie heranzutragen bedeutet, den oder die andere heillos zu überfordern. Deshalb gilt es, dem anderen immer wieder zu „vergeben, dass er mein Gott nicht sein kann“ (Roman Bleistein SJ).
Erst wenn ich in diesem Sinn Jesus – also den mir nahegekommenen Gott – mehr ­liebe, kann ich mich befreit geliebten Menschen ­zuwenden, weil ich von ihnen weniger „brauche“. Je mehr ich mich von einem Größeren getragen und gehalten weiß, umso mehr kann ich mich anderen unverzweckt und erst so wahrhaft liebe-voll zuwenden.

Zum Weiterdenken
- Wo erwarte ich mir von einem anderen Menschen „das Heil“?
- Wie kann ich ihn/sie aus dieser ­Erwartung entlassen und mich ihm/ihr liebe-voll ­zuwenden?

Autor:

KirchenZeitung Redaktion aus Oberösterreich | KirchenZeitung

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