Heinz Niederleitner über Videokonferenzen als kulturelle Herausforderung
Videokonferenzen

  • Foto: GeoTrinity - Eigenes Werk, CC BY 3.0
  • hochgeladen von Brigitta Hasch

Ja, viele Menschen können derzeit Besprechungen nur als Videokonferenz abhalten. Jeder, der das in letzter Zeit des Öfteren machen musste, wird wohl bestätigen: Zwei Stunden im Austausch mit anderen vor dem Computer zu sitzen, können eine echte Qual sein, was aber nicht an den anderen Teilnehmer/innen liegt. Da die Wahrnehmung eingeschränkt ist, muss man viel mehr Aufmerksamkeit aufbringen. Erhöhte Disziplin bei Redebeiträgen ermöglicht erst eine sinnvolle Debatte. Es ist ganz etwas Anderes, als sich "richtig" zu begegnen.

Solche Anstrengungen und die technischen Möglichkeiten verführen freilich zu Handlungen, die man sich während einer Besprechung mit Anwesenheit nie erlauben würde: Teilnahme im "Ruderleiberl" (man ist ja "zu Hause"); Kamera und Ton ausschalten, wenn man nicht dran ist und dann die Jause verspeisen (oder gar das Mittagessen); neulich wurde in einem Forum damit gewitzelt, ob sich nicht der eine oder andere hinter der Computerkamera ein Bier hingestellt hat. Die weniger extreme Variante wäre eine Schüssel mit Kartoffelchips.

Dazu kommt die Erleichterung auch gewöhnlicher Konferenz-Fauxpas: Wenn bei Konferenz mit Anwesenheit jemand intensiv auf seinen Laptop einhämmert und durch Beantwortung von E-Mails sein Desinteresse an der Sitzung zu erkennen gibt, ist das schlimm. Bei Video-Konferenzen ist das leicht zu verbergen, aber deshalb nicht weniger unhöflich.

Womit wir bei der Frage sind: Wie inszeniere ich meinen Auftritt? Manche Videokonferenz-Plattformen bieten ja mittlerweile die Möglichkeit an, den Hintergrund des Sprechenden im Bild verschwommen zu halten oder ganz auszutauschen. Wo das nicht geht, ist die einfache Zimmerwand oder ein Buchregal noch die beste Variante. Platziert jemand seinen neuen riesigen Plasmafernseher dort, gerät er vermutlich rasch in den Verruf, ein Angeber zu sein.

Insgesamt scheint es noch eine gewisse Zeit zu brauchen, bis sich eine Videokonferenz-Etikette verbreitet hat. Lieber wäre mir freilich, wenn es bald für mich gar nicht mehr so notwendig wäre. Denn schön langsam würde ich gerne wieder mit Menschen "richtig" zusammentreffen.

Autor:

Brigitta Hasch aus Oberösterreich | KirchenZeitung

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