Wie Kindern geholfen werden kann
Was tun bei Stottern?

Die Stotter­therapie für Kinder ist individuell und wird auf das Kind abgestimmt.
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Noch immer werden stotternde Menschen diskriminiert und ausgelacht. Um ihre alltäglichen Probleme in den Mittelpunkt zu rücken, wurde 1998 der Welttag des Stotterns (22. Oktober) ins Leben gerufen.

Eltern, die bemerken, dass ihr Kind stottert, sind oft verunsichert und suchen nach Hilfe. Je früher man mit einer Therapie beginnt, desto besser sind auch die Erfolgsaussichten, weiß der Mediziner German Brandstötter vom Sprachtherapiezentrum im Krankenhaus Barmherzige Brüder in Linz.

Niemand ist schuld
„Beim Stottern handelt es sich zum überwiegenden Teil um eine genetische Veranlagung, es ist keine Verhaltensstörung“, erklärt Brandstötter. Damit schließt er aus, dass besondere Ängstlichkeit, Ehrgeiz, Überforderung durch die Eltern oder Umwelteinflüsse ein Stottern auslösen könnten. „Stottern hat auch nichts mit Intelligenz zu tun“, beruhigt der Arzt. Immerhin sind in Österreich etwa 100.000 Menschen von ihrer Kindheit an von diesem Problem betroffen. Sie haben oft einen eingeschränkten Freundeskreis, weil sie bestimmte, unangenehme Situationen nach Möglichkeit meiden.

Erste Symptome
Schon ab einem Alter von 2,5 Jahren kann man eine typische Symp­tomatik des Stotterns erkennen. Trotzdem sollte man in diesem Alter noch mindestens ein halbes Jahr abwarten und Geduld haben, denn „in achtzig Prozent der Fälle verschwindet das Stottern wieder“. Dasselbe gilt für Kinder im Vorschulalter, wobei Brandstötter hier ein früheres Abklären, etwa nach drei Monaten, anrät.

Was ist typisch?
Die Indikatoren für ein Stottern beginnen relativ plötzlich. Auffälligkeiten, die man als stottertypisch bezeichnen kann, sind
- Wiederholung von Lauten („C-C-Cola“)
- ein Hängenbleiben („B---Butter“)
- Lautdehnungen („Schschschokolade“)
- Unflüssigkeiten (Füllwörter, die überdurchschnittlich häufig auftreten und noch dazu an Stellen, an denen sie die Zuhörenden nicht erwarten)
sowie eine Sprechvermeidung, auffällige Nervosität, Schwitzen und Vermeidung von Blickkontakt. „All das kommt beim normalen Spracherwerb nicht vor und weist eindeutig auf ein Stottern hin.“

Stottertherapie

Grundsätzlich sind für Eltern von stotternden Kindern Logopädinnen und Logopäden die Ansprechpersonen. Viele von ihnen haben eine spezielle Ausbildung für Stottertherapie. Die Behandlung selbst ist individuell und hängt von der Persönlichkeit des Kindes ab. „Was gut wirkt, ist ein Verlangsamen des Sprechens, bewusstes Sprechen und ein weicher Stimmeinsatz“, weiß Brandstötter. All das zeigt bei Kindern ab etwa 9 Jahren gute Erfolge. Jedenfalls sind Eltern in die Therapie eingebunden und sollten die Kinder bestärken. Hilfreich sind auch Selbsthilfegruppen (www.oesis.at).

Stottern und Schule
Während es im Kindergarten nicht immer erforderlich ist, das Stottern eines Kindes zu thematisieren, rät der Therapeut dazu, mit Lehrkräften darüber zu reden. Doch auch hier hängt vieles vom Kind ab. „Manche Kinder wollen zum Beispiel Referate vermeiden. Andere lieben das, weil sie es auswendig lernen können“, sagt Brandstötter.

Ein Leben lang

„Stottern kann man verbessern, aber nicht heilen. Man kann lernen, es zu managen. Das bedeutet eine Verhaltensmodifikation“, erklärt der Mediziner.

Filmtipp: Viel Aufmerksamkeit erhielt das Thema Stottern im Jahr 2010, als der Film „The King‘s Speech“ in die Kinos kam. Darin werden die Sprachprobleme von King Georg VI. eindrucksvoll dargestellt.

Autor:

KirchenZeitung Redaktion aus Oberösterreich | KirchenZeitung

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