Die neue SONNTAG-Chefredakteurin Sophie Lauringer
... für Veränderungen muss man arbeiten!

„Wir katholische Journalistinnen und Journalisten sollen immer nahe bei den Menschen sein.“
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  • „Wir katholische Journalistinnen und Journalisten sollen immer nahe bei den Menschen sein.“
  • Foto: Erzdiözese Wien / Stephan Schönlaub
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Ab 1. März wird Sophie Lauringer, die 17 Jahre lang die Öffentlichkeitsarbeit für die Salesianer Don Boscos geleitet hat, neue Chefredakteurin des SONNTAG. Es ist eine „Rückkehr ins Medienhaus", denn vor dem Jahr 2002 hat sie für das damals „junge" Radio Stephansdom gearbeitet. Sie ist damit nach Elvira Groiss und Marie-Theres Hemberger bereits die dritte Frau in dieser Position. Wir haben sie nach ihren Schwerpunkten und Zielen gefragt.

Wir kennen uns schon lange – immerhin war ihr Vater im Gymnasium mein Geographieprofessor – und daher entwickelt sich unser Interview zu einem Gespräch unter Freunden.

Ist für dich, Journalistin zu sein, ein Beruf wie jeder andere oder doch ein wenig Berufung?

Sophie Lauringer
Sophie Lauringer ist seit 1. März 2021 die neue Chefredakteurin des SONNTAG

Ich hätte mir gut vorstellen können auch etwas anderes zu machen. Ich wollte eigentlich nach der Matura in die Hotelfachschule, weil ich gerne koche und ich bewirte sehr gern Gäste. Die haben mich aber abgelehnt. Also habe ich mir gedacht, dann gehe ich auf die Universität und schaue, was weiter passiert. Ich habe schon in der Schule Schülerzeitung gemacht, später bei den katholischen Elternvereinen ein Info­blatt gestaltet, ein erstes Seminar der Katholischen Medien Akademie besucht und bin immer weiter reingewachsen. Dann habe ich die Gelegenheit bekommen, bei Radio Stephansdom, jetzt „radio klassik Stephansdom", im ersten Team mit dabei zu sein – am 1. Sendetag. Und das war eine unglaubliche Chance, für die ich bis heute sehr, sehr dankbar bin. – Natürlich das Vermitteln, das Weitergeben an andere Menschen, das ist sicher meine Berufung. Und jetzt im SONNTAG in der Leitung des Teams mitarbeiten zu dürfen, macht mich stolz, weil es nicht irgendein Medium ist. Ich habe mir das ganz bewusst ausgesucht.

Du hast Germanistik, Theaterwissenschaften und Geschichte studiert. Hat Sprache einen besonderen Stellenwert für dich?
Ich liebe die deutsche Sprache und mag die Verunstaltungen nicht. Ich verstehe, dass sich Sprache weiterentwickelt. Unsere Großeltern sagten noch Portemonnaie, wir sagen Geldbörse. Unsere Großeltern haben noch Fernruf auf ihren Visitenkarten geschrieben, wir schreiben nur noch ,mobil', weil wir zuhause kein Festnetz mehr haben. Das entwickelt sich weiter, das ist klar. Aber die Sprache – und die deutsche Sprache – ist mir doch ein großes Anliegen. Und man muss, glaube ich, auch nicht jeden Trend mitmachen, der so auf dem Weg passiert. Ich hoffe, dass wir im SONNTAG diesem Anspruch gerecht werden, dass wir eine gute Sprache führen und verwenden.

Hast du ein Lebensmotto?
Ich habe mir für den Start einen sehr schönen weisen Spruch des Kirchenlehrers Thomas von Aquin, ein Dominikaner, der bei mir recht gut passt, weil ich Schülerin der Dominikanerinnen bin, ausgesucht. Der hat gesagt: „Für Wunder muss man beten, für Veränderung muss man arbeiten." Und das, glaube ich, subsummiert sehr gut, wie ich auch meine Lebensgestaltung ausrichte. Also auf der einen Seite bin ich ein gläubiger Mensch, das ist mir sehr wichtig. Aber wir können nicht alles in Gottes Hände legen und wir haben Gott sei Dank von Gott die Freiheit bekommen, selber zu entscheiden, was wir tun oder was wir nicht tun. Und da müssen wir auch viel arbeiten.



Von Radio Stephansdom und "Stephanscom" über die Salesianer Don Boscos zurück ins Medienhaus

Du hast die letzten 17 Jahre die Pressearbeit für die Salesianer Don Boscos gemacht. Haben Orden einen besonderen Stellenwert für dich?
An vielen Lebensecken komme ich immer wieder mit Orden in Berührung. Meine Erstkommunion hatte ich in einer Salesianerpfarre, da habe ich meine ersten Aufkleber vom heiligen Don Bosco bekommen, den ich über mein Bett geklebt habe. - Dann war ich bei der Firmung bei den Jesuiten in Lainz. Da war damals so eine junge Kirche und ein sehr engagiertes Team bei den Jesuiten, die sich da um die jungen Leute gekümmert haben. - In der Schule war ich bei den Dominikanerinnen, die mir auch eine frohe Art des Glaubens, ohne aufdringlich zu sein, vermittelt haben. Das war sehr soft, möchte ich mal sagen, war aber sehr spannend, mit den Schwestern zu sprechen. Ein paar waren ja Lehrerinnen zu meiner Zeit und die Schwester Angelika oder Monika hieß sie, glaub ich, hat den allerbesten Erdäpfelsalat gemacht beim Mittagessen. Es war eine sehr schöne Schulzeit, eine sehr gute Wissensvermittlung, auch in der Schule, in dem Charisma. Es hat viel Freude gemacht. - Und die Salesianer haben mich beruflich sehr geprägt. Das Wichtigste für mich ist dabei das Charisma des heiligen Don Bosco, dass er jedem Menschen etwas zutraut. Das fängt bei ihm bei der Jugend an, aber dieses Vertrauen war eigentlich durchaus auch in der Arbeit bemerkbar. Das habe ich sicher mitgenommen und sehr verinnerlicht. Wenn man dem anderen vertraut und etwas zutraut, kommt natürlich auch was Besseres raus, als wenn man prinzipiell niemandem traut. Mir kommt da sicher zugute, dass ich ein optimistischer Mensch bin, für den das Glas immer halbvoll ist.

Wer hat dich als Kind im Glauben begleitet? Die Eltern, die Großeltern, Verwandte?
Wie ist Glaube bei dir in der Familie gelebt worden?

Ich komme aus keiner sehr religiösen Familie. Meine Familien mütterlicherseits und väterlicherseits sind sicher von den großen Einschnitten durch den Nationalsozialismus sehr geprägt geworden. Und das bedeutet, dass meine Mutter z.B. erst nach dem Zweiten Weltkrieg mit 8 Jahren getauft wurde. Meine Eltern haben da einen sehr unaufgeregten Katholizismus gelebt. Also beide getauft, beide gefirmt, ohne aber je die Nähe in der Kirche zu suchen. Es war für sie klar, dass die Taufe dazugehört und sie haben mich immer unterstützt. Bei der Erstkommunionvorbereitung ging meine Mutter selbstverständlich jede Woche mit mir in die Messe und bei der Firmung haben sie mir völlig freie Hand gelassen, wohin ich gehen möchte und wo ich das mache. Das haben sie dann einfach akzeptiert. Das wurde auch nicht kritisiert, da hatte ich eine große Freiheit. Natürlich hat das Abendgebet dazugehört. Wir haben natürlich Weihnachten gefeiert, aber nicht in dieser Form, dass das Evangelium gelesen worden wäre. Aber ich wusste schon, dass das Christkind Jesus ist. Das war mir schon klar. Und da gab es auch dementsprechende Bilderbücher dazu. Und zu Hause gab's ein Ritual, an das ich mich aus meiner Kindheit gerne erinnere, auch wenn ich das jetzt nicht mache: Mein Vater hat noch auf jedes Brot vor dem Anschneiden mit dem Messer drei Kreuze gezeichnet.



Beim Zeitungmachen darf man auch herzlich lachen!

Wie würdest du deine künftige Arbeit Kindern in wenigen Worten erklären?
Ich würde sagen: Wir sind eine kleine Gruppe. Wir treffen uns jede Woche, wir diskutieren viel über den Glauben und schreiben dann das, was uns wichtig ist. Und wir dürfen dabei auch lachen und das ist doch wunderbar.

Welchen Stellenwert haben christliche Vereinigungen oder Organisationen für dich?
Ich komme nicht aus dem ganz klassischen katholischen Vereinswesen. Ich war jetzt nicht Ministrantin oder bei der Jungschar. Ich bin aber sehr früh in der katholischen Schülervertretung gewesen. Da gab's das in Wien noch, den Landesverband der Schüler katholischer Privatschulen. Das hat mir unheimlich viel Spaß gemacht. Das war wirklich, wirklich eine schöne Zeit, sich mit Bildungsfragen zu beschäftigen und auch wirklich so vieles auszuprobieren, Seminare zu organisieren und einfach sich da auszuprobieren, zu testen.
     Und dann war sicher der zweite wirklich wichtige Schritt für mich 1991 die Gründung der Studentinnenverbindung Elisabethina. Da habe ich auch Freundinnen gefunden, die mitgemacht haben, das hat mich wahnsinnig geprägt. Ich habe dabei viel gelernt - auch im Scheitern. Das gehört im Vereinsleben einfach dazu. Zu meiner Freude ist meine Tochter später auch dort eingetreten.

Wie schwer ist es, eigene religiöse Überzeugungen an die Kinder weiterzugeben?
Kannst du mit deiner Tochter offen über religiöse Fragen reden?

Ja, natürlich, selbstverständlich. Sie ist halt den üblichen Weg gegangen. Mir war’s sehr wichtig, meiner Tochter zu vermitteln, dass es Gott gibt und dass es den Glauben in der katholischen Kirche gibt. Und das hat gut funktioniert, weil sie einfach diese Freude dort gesehen hat, mit anderen Kindern zu spielen, beim Messbesuch auch Aufgaben zu übernehmen. Sie war Ministrantin. Bei der Erstkommunion hat sie natürlich auch vieles schon mitgebracht, weil eine gewisse religiöse Praxis bei uns zuhause usus war. Dann hat sie sich sehr bewusst für die Firmung entschieden. Ich war nicht dafür weil ich gefunden habe, dass sie doch mal ein bisschen mehr nachdenken sollte. Aber sie hat gemeint: Nein, das würde auf jeden Fall gemacht und sie hat das auch durchgezogen. Später hat sich ihr Glaubensinteresse jedoch reduziert. Und sie geht halt mit, wenn ich sage: Jetzt gehen wir da mal in die Abendmesse oder es ist eine Verbindungsveranstaltung. Aber begeistert ist sie nicht. Sie sagt dann halt: Ich bin jetzt nicht so religiös wie du. - Ich denke mir, man sollte den jungen Leuten Zeit geben, ihren Weg zu gehen. Sie ist in jedem Fall ein sehr sozialer Mensch, das zeigt sich auch in ihrem Beruf als Intensivpflegerin im AKH.

Gibt es Fragen, wo ihr unterschiedlicher Meinung seid?
In Glaubensfragen nicht besonders, da muss sie einfach noch ihren Zugang finden. Als Intensivpflegerin im AKH geht sie manches viel mehr naturwissenschaftlich an, was in dieser hochtechnisierten Pflege klar ist. Das ist ja höchst komplex, wenn sie sich um die schwer Kranken und frisch Operierten kümmern muss, deren Leben teilweise an einem seidenen Faden hängt. Diesen Zugang habe ich überhaupt nicht. Ich bin Geisteswissenschaftlerin und sehe das immer von einer anderen Ebene aus. Es ist gut so, dass man unterschiedliche Charismen hat, unterschiedliche Interessen und andere Herangehensweisen. Es wäre schrecklich, wenn alle die gleichen Fragen aus derselben Perspektive sehen würden.



Frauen werden künftig zunehmend Verantwortung übernehmen

Zum Thema Frauen in der Kirche: Wo glaubst du, wird die Position der Frauen in der Kirche etwa in 25 Jahren sein? Siehst du da eine Entwicklung?

Sophie Lauringer

Alles begann vor 23 Jahren bei Radio Stephansdom.

Also in meiner möglichen Enkelgeneration: Wir sind ja in unserer säkularen Gesellschaft in Mitteleuropa gerade auf dem Weg zur Bekenntniskirche. Ich sehe darin nicht unbedingt etwas Negatives. Es hat auch Stärken, wenn man sich sehr bewusst für diesen Weg und für das Engagement in der Kirche entscheidet. Ich denke, dass Frauen ihre Verantwortung in dieser Gemeinschaft künftig verstärkt wahrnehmen werden. Dieses „Kinder – Küche – Kirche" sehe ich nicht als Zukunftsmodell, obwohl es sehr wertvoll war, wie sich die Generation meiner Mutter engagieren konnte, weil es gesellschaftlich damals einfach möglich war, weil viele Frauen noch nicht gearbeitet haben. Ich selber kenne das nicht. Meine Mutter hat immer gearbeitet. Aber es gab natürlich in meinem Freundeskreis sehr viele Mütter, die wirklich viel Zeit investiert haben in die kirchlichen Gemeinschaften. Etwas, was sehr wertvoll war. Das geht heute nicht mehr. – Ich selber kann mir aber vorstellen, wenn es kirchenrechtlich möglich ist, dass es einmal eine Generalvikarin gibt. Warum denn nicht? Aber diese gesellschaftliche Entwicklung ist jetzt nicht unbedingt nur eine Sache der Kirche, sondern die Entwicklung wird in die Richtung gehen, dass Frauen künftig in allen Bereichen mehr Präsenz aufgrund ihrer Kompetenz, aufgrund ihrer Ausbildung, ihrer Berufserfahrung zeigen werden.

Wenn katholischer Journalismus Zukunft haben soll, wie muss er dann sein?
Wir müssen bei den Menschen sein. Das ist die Stärke der katholischen Kirche. Wenn wir das rein systemisch ansehen, hat die Kirche ein Konzept, das den Menschen ganzheitlich sieht und begleitet. - Beim katholischen Journalismus müssen wir das den Menschen zeigen und vermitteln. Durchaus auch mit Widerspruch. Es muss im Glauben immer Platz für Fragen geben, zum Nachhaken, Nachdenken. Immerhin ist die Philosophie auch eine große Disziplin in der Theologie.

Ist die Digitalisierung auch eine Chance für die Kirche und in welcher geeigneten Form wird sie für ein kirchliches Medium wie den SONNTAG schlagend?
Die Kirche ist immer dort, wo die Menschen sind. Das heißt, mit dem Buchdruck war es möglich, die Bibel zu verbreiten. Man sinniert immer, wer der wichtigste Erfinder ist. Ich bin da schon sehr beim Gutenberg, weil wir ihm auch am Ende des Tages unsere heutigen Smartphones verdanken. Das hätten wir nicht ohne Buchdruck. Daher müssen wir diese digitalen neuen Möglichkeiten nützen. Ich bringe da gerne das Beispiel meiner Großtante Mizzi, die 1980 verstorben, nicht telefonieren konnte. Nicht jeder aus dieser Generation hat telefoniert – für uns ist es selbstverständlich. Wir kennen noch die Festnetztelefone, aber jedes Kind, das jetzt bei uns in Mitteleuropa geboren wird, weiß, dass man mit diesen Geräten telefonieren, schreiben und auch Fotos schicken kann.
     Bis vor einem Jahr hätten wir auch nicht gedacht, dass wir unsere beruflichen Treffen jetzt digital abhalten. Dass wir auch teilweise weit voneinander entfernt trotzdem gut weiterarbeiten und unsere Arbeit erledigen können. In der digitalen Welt muss die Kirche einfach präsent sein und zielgruppengerecht. Darauf lege ich viel Wert. Es bringt nichts, wenn ich als Generation Y aus den 70ern stammend anfange, eine Social Media Kampagne auf TikTok aufzusetzen. Die wird nicht wahnsinnig erfolgreich sein, weil ich mich dort nicht bewege. Das muss natürlich jemand machen, der da drin ist und unsere Generation muss die Rahmenbedingungen dafür schaffen. Wir können uns sicher nicht davor verschließen, als katholische Journalistinnen und Journalisten in diesen Kommunikationskanälen mit dabei zu sein.

Hat Kirchenzeitung, katholisch prononcierte Presse, noch einen Stellenwert? Wo wird Kirchenzeitung einmal hingehen?
Für uns Redakteurinnen und Redakteure hat sie leider nicht den Stellenwert, den sie verdienen würde. Das heißt, für Veränderung muss man arbeiten. Wir müssen bestechen durch die Qualität und durch die Kompetenz, bei den Menschen nah dran zu sein und den Menschen Antworten auf die Fragen zu geben, die sie haben. Dann wird man das Produkt, ob es digital, Print, Video oder Audio ist, lesen, sehen und hören.



Ohne kirchliche Medien wird es wohl nicht gehen!

Bist du davon überzeugt, dass es auch in zehn Jahren noch eine Printausgabe geben wird? Oder wird alles digital sein?
Ich glaube schon, dass es noch Print geben wird, die Frage ist, in welcher Auflage. Das ist für mich gar nicht so relevant. Für mich ist wichtig, mehr Menschen zu erreichen. Ob jetzt zwei Drittel digital erreicht werden und ein Drittel analog oder umgekehrt, ist für mich eigentlich nebensächlich. Ich will mehr Menschen erreichen und will mehr Menschen zeigen, dass diese Kirche nicht langweilig ist, dass es Sinn hat, hier mitzumachen, dass es schön ist, Christ oder Christin zu sein. Dass es gut ist, sich in der katholischen Kirche zu engagieren, mit all ihren Charismen und den Fehlern, die in so einer großen weltweiten Organisation wie der Kirche passieren und auch mit Missständen.

Du meinst also, eine Kirchenzeitung hat noch in 10 oder 15 Jahren eine Berechtigung.
Ohne kirchliche Medien kann sie nicht auskommen. Wichtig ist, es muss die kirchlichen Medien geben. Es ist eine starke Stimme und die Medienlandschaft wäre ärmer ohne dieses Charisma.

Zu dir persönlich zurück: Wie würde dich deine Tochter mit wenigen Worten beschreiben?
Ich habe sie einmal gefragt: Wie würdest du mich beschreiben? Da meinte sie: wissbegierig, selbstständig und extrovertiert. Ich glaube, da stimmen mir viele zu.

Gibt es irgendein besonderes Erlebnis aus den letzten Jahren, wo du sagst, da hat Glaube einen ganz besonderen Stellenwert gehabt?
Nein, ich hatte nie eine Glaubenskrise. Ich glaube, das langsame Hineinwachsen in den Glauben war bei mir das, was das verfestigen konnte. Ich war sehr jung, als meine Mutter gestorben ist. Ich habe entschieden, dass das nicht den Glauben an Gott beeinflusst. Das war eigentlich der Moment, wo ich hätte sagen können: „Das ist ziemlich gemein, mir meine Mutter wegzunehmen." Was ist natürlich zu einfach. Da habe ich gesagt: „Das mache ich nicht. Das stelle ich jetzt nicht in Frage." Ich bin aber auch ein Mensch, der natürlich Ordnungen anerkennt. Das drückt sich bei mir so aus, dass ich überzeugt bin, dass die Schöpfung von Gott gewollt und gut ist. Wenn ich das für gut befinde, kann ich am Ende des Tages bei verschiedenen Fragen, die sich mir im Leben stellen, eindeutige Antworten geben. Das ist ein Grund, warum ich zum Beispiel Euthanasie immer ablehne. Es ist ein Ausdruck dessen.

Ist Leben für dich heilig?
Natürlich. Und schützenswert, selbstverständlich.



Mit ihrem Mops Wilma und Freunden unterwegs

Wie läuft ein normaler Sonntag bei dir ab? Als Journalistin ist das nicht immer ganz einfach.
Ich gebe schon zu, dass ich manchmal am Sonntag arbeite. Das passiert uns Journalistinnen und Journalisten, weil es speziell im katholischen Bereich auch am Sonntag mal Arbeit gibt. Das weiß man, wenn man das macht und sich darauf einlässt, ist aber kein Problem für mich. Wobei die Messe nie für mich Arbeitszeit ist, das muss ich auch dazu sagen. Ich bin keine besondere Langschläferin. Als Hundebesitzerin muss man sowieso raus. Was ich aber sehr, sehr gerne mache, ist, mit frischer Luft in den Tag zu starten. Sehr oft treffen wir meine Schwiegereltern. Das hat sich nicht in Corona ein bisschen verschoben, weil ja nicht so viele Personen zu ihnen dürfen. Das ist sehr nett, weil ich sie sehr gern habe und es schön ist, so 2- 3 Stunden zu plaudern und gemeinsam zu essen. Das ist auch eine Form der Kulturvermittlung, finde ich. Für mich ist Essen eine Form der gemeinsamen Kultur.
      Zu normalen Zeiten bin ich jemand, der sehr gerne auch Kultur konsumiert. Ich bin eine „Heavy Userin" was Theater betrifft. Ich gehe einmal in der Woche ins Kino oder ins Theater. Da kann man sich vorstellen, wie sich im letzten Jahr so meine Freizeitgestaltung verändert hat. Aber eigentlich gehe ich lieber ins Theater. Das rührt natürlich vom Studium der Theaterwissenschaften und der Germanistik her. So eine gute Ausstellung, da kann man mich am Sonntag schon locken oder zu einem Ausflug. Das haben wir in den letzten Monaten ganz bewusst gemacht, uns im Freien mit Freunden zu verabreden und dann mit den Hunden oder mit unserem Hund die Runden zu drehen. Damit man zumindest so eine Kommunikation hat.
     Ich bin am Sonntag eine bekennende Abendmessbesucherin. Ich sage auch gerne warum. Ich war viele Jahre als Familienmutter mit einem Kind in den Kinder- und Familienmessen. Und das ist gut so und die muss es geben. Kirche ist für alle da. Und das ist ja das Schöne an der katholischen Kirche, dass für jeden, jedes Lebensalter und für jede Lebenssituation gefeiert wird. Heute bin ich bei der Abendmesse gut aufgehoben. Wobei ich dann am Samstag oder Sonntag entweder nachher noch weggehe oder zu Hause irgendwie den Tag ausklingen lasse.

Hast du gemeinsame Gebetszeiten? Hast du mit deiner Tochter ein Abendgebet gesprochen?
Wir haben das anders gemacht. Als meine Tochter zwei oder drei war, habe ich mir vom Bibelwerk eine Kinderbibel empfehlen lassen und wir haben eigentlich sehr früh in der Kinderbibel gelesen. Meine Tochter hat am liebsten die Geschichte von David und Goliath gehört. Das gefällt Kindern sehr gut, dass der Riese doch die gerechte Strafe bekommt und der kleine David überlebt und gewinnt. Wir haben nicht gebetet. Ich selbst habe ein Kindergebet gehabt, das fand ich ein bisschen zu platt. „Jesulein, komm zu mir, mach ein frommes Kind aus mir. Mein Herz ist rein, darf niemand hinein als du mein liebes Jesulein." Wir haben das dann immer so gemacht, dass wir jeden Tag gedankt haben. Du sagst Gott Dankeschön und für wen bitten wir: Etwa als eine Freundin schwanger war, dass es dem Baby gut geht. Das war aus der Lebenswelt des Kindes gegriffen. Da ist sie von alleine recht gut draufgekommen. Das war irgendwie mehr meine Richtung. Ich bin durchaus schon bei Novenen dabei gewesen. Ich habe in meinem Umfeld beruflich und privat doch sehr theologisch gebildete und spirituell ausgebildete Menschen, die das können. Ich selber, glaube ich, könnte keine Novene schreiben, aber ich war sehr dankbar, dass ich eine bekommen habe. Im Marienmonat Mai und im Rosenkranzmonat Oktober haben wir es einmal so gehalten. Dann bin ich bei den Grabesrittern als Ordensdame investiert und aufgenommen. Ein sehr schönes Ritual gibt es dort. Wir sollen uns immer in der Todesstunde Jesu am Freitag um 15 Uhr daran erinnern und bekommen dafür jede Woche einen Gebetsimpuls. Das ist wirklich sehr bereichernd. Ich bin dankbar dafür, dass die Ordensgeschwister uns das zur Verfügung stellen. Super, man hat es immer am Handy oben. Meine Gebetspraxis ist aber so, dass ich es eigentlich immer nur nach der Kommunion bete. Dann nehme ich diese Gebetszeit von den Grabesrittern. Ich gebe auch zu, wenn man arbeitet ist es oft sehr schwierig, am Freitag um 15 Uhr immer die Zeit zu haben. Das geht am Karfreitag, aber ist an anderen Tagen schwieriger. Jetzt bei meinen Schwiegereltern und zu Weihnachten beten wir schon gemeinsam am Heiligen Abend. Da gibt's auch immer das Evangelium.

Autor:

Wolfgang Linhart aus Wien & NÖ-Ost | Der SONNTAG

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