Zeit für meinen Glauben
Jesus ist kein Gʼschichtl

Pilgermesse in Jerusalem
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Ostern ist für Markus Bugnyar, Rektor im Österreichischen Hospiz in Jerusalem, üblicherweise eine stressige Zeit. Heuer wird er – wegen Corona und ausbleibender Pilgerscharen – Gelegenheit haben, selbst die wichtigen Stätten des Ostergeschehens zu besuchen.

In einem ‚normalen‘ Jahr würden sich derzeit unzählige Menschen durch die Gassen in der Jerusalemer Altstadt drängeln. Christliche Pilger aus aller Welt würden entlang der Via Dolorosa den Kreuzweg beten. In der Grabes­kirche an die Kreuzigung und an die Auferstehung Jesu denken und versuchen, im Gedränge zumindest kurz im Gebet zu verweilen. Hotels in Jerusalem wären gut gebucht, auch das Österreichische Hospiz wäre voll mit Pilgern, die die Kar- und Ostertage in Jerusalem verbringen.

„Ostern“, sagt Markus Bugnyar, Rektor im Österreichischen Hospiz, „ist für uns im Jahreskreis der wichtigste Feiertag. Nicht nur im Glaubensleben, sondern auch im Gebaren des Gästehauses.“ Markus ist seit 2004 Rektor des Hospiz und als solcher – nicht nur – zu Ostern für die Menschen zuständig, die als Pilger kommen. Dieses Jahr wird er Ostern anders feiern als sonst.

Das Gästehaus steht coronabedingt leer. Die Pilger fehlen ihm. Gleichzeitig bietet sich dem Priester eine einmalige Chance: „Ich werde heuer die Gelegenheit haben, selbst all die wichtigen Stätten zu besuchen. Das kann ich sonst nicht tun.“

Feiertage: Nicht nur Arbeit
Normalerweise ist Ostern für Markus eine stressige Zeit. „Vor allem zu Ostern ist es sehr wichtig für mich als Rektor, präsent und ansprechbar zu sein. Da kommt es zu unglaublich vielen Begegnungen und Gesprächen. Ich merke richtig, wie mich das auch physisch beansprucht.“

So sehr der 46-Jährige seinen Dienst an den Pilgern schätzt: Es bedarf besonderer Aufmerksamkeit, um sich auch selber innerlich auf das Ostergeschehen einzulassen, sagt Markus. „Ich muss darauf achten, dass die Feiertage für mich nicht nur Arbeit bedeuten und dass ich den Inhalt des Osterfestes nicht nur anderen vermittle.“

Gebet in St. Peter in Gallicantu
Zweierlei ist dabei für Markus hilfreich: Sich nach den Feiertagen Zeit freizuschaufeln, um in aller Ruhe in das Ostergeheimnis einzutauchen. Und: „Am Abend vom Gründonnerstag nehme ich an der Prozession von der Kirche der Nationen durch das Kidrontal rüber nach St. Peter in Gallicantu teil. Dabei geht man mit Gebeten und Gesängen den Weg der Gefangennahme Jesu bis zum Verhör mit.“ Diese Prozession ist eine Lokaltradition der einheimischen Christen und für den katholischen Priester Gelegenheit, auch mit ihnen zusammenzusein.

In St. Peter in Gallicantu, der Kirche, die an die Verleugnung von Petrus und den Hahnenschrei danach erinnert, nimmt sich Markus nach der Prozession oft Zeit für das Gebet. „Dort kann man sich gut eine Nische suchen und tatsächlich beten. Ich habe als Rektor schnell gemerkt, dass dieser Abend für mich der Moment ist, den ich in diesen Feiertagen für mich haben kann.“

Wie ist es, als gläubiger Mensch bereits so viele Jahre dort zu leben, wo Jesus selbst gelebt und gewirkt hat? Markus sagt: „Einerseits hat man ja ein ganz normales Alltagsleben. Man geht einkaufen und kommt auf dem Weg in den Supermarkt eben an der Grabeskirche vorbei. Jemand, der als Pilger nach Jerusalem kommt, wird mit einem ganz anderen Blick zur Grabeskirche kommen.“

Dennoch: Das Leben inmitten all dieser heiligen Stätten wirkt sich auf seinen eigenen Glauben aus. „Ich bekomme jeden Tag vor Augen geführt, dass Jesus an einem konkreten Ort, zu einer konkreten Zeit gelebt hat. Dieser Jesus ist kein G’schichtl.“

Autor:

Sandra Lobnig aus Wien & NÖ-Ost | Der SONNTAG

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