Neue Klangfülle für den Dom
Wie die Riesenorgel wächst

Ein Blick hinter die Kulissen der neuen Riesenorgel im Stephansdom.
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  • Ein Blick hinter die Kulissen der neuen Riesenorgel im Stephansdom.
  • Foto: Nelo Ruber, Wiener Dommusik
  • hochgeladen von Markus Albert Langer

An einer Kathedrale gibt es immer eine Baustelle, um das einzigartige Bauwerk zu erhalten. Auf der Westempore des Wiener Stephansdoms wird im Moment etwas Besonderes gebaut: die neue Riesenorgel, ein Instrument mit 185 Registern und 15.000 Pfeifen. Die Klänge der neuen Orgel – sie wird die größte Österreichs sein – sollen erstmals beim Ostersonntagsgottesdienst 2020 den Dom erfüllen.

Schwierige Akustik im Dom

Konstantin Reymaier, Priester, Organist und Leiter des Referates für Kirchenmusik in der Erzdiözese Wien, begleitet den spannenden Prozess des Aufbaus der Riesenorgel von Anfang an. „Klanglich ist es eine große Herausforderung, weil der Dom eine sehr schwierige Akustik hat“, erklärt der Organist: „Sobald 500 bis 600 Leute im Dom sind, ist es akustisch wie in einem Wohnzimmer. Der Sandstein und die Verzierungen stoppen den Klang.“

Aufgebaut wird die neue Orgel von der Vorarlberger Firma Rieger. Für das monumentale Klanginstrument wurden große Teile der alten Domorgel in einer neuen Konzeption verwendet, die auf die Raumakustik genau abgestimmt ist. Derzeit werden die letzten Teile der neuen Orgel aufgebaut. Schon seit Juni ist man am Intonieren, der klanglichen Feinabstimmung, so dass der Klang im Raum perfekt ist.

Den Klang nach vorne bringen

„Es war ganz schwierig den Klang im Dom nach vorne zu bringen. Das haben wir mit überdurchschnittlichen Windrücken und mit der Mensur geschafft, dem genau abgestimmten Verhältnis von Länge und Breite der Pfeifen. Die Länge gibt die Tonhöhe, die Breite die Klangfarbe – je breiter desto dicker der Ton und umgekehrt. Hier fahren wir mit sehr breiten Mensuren, so dass die Pfeifen nicht schrill klingen, aber der Klang nach vorne geht“, erklärt der Musiker. Er betont: „Es soll nicht eine Orgel entstehen, die einfach nur groß ist, sondern die eine eigene Handschrift, eigene Klangfarben hat.“

Konstantin Reymaier ist regelmäßig auf der Orgel-Baustelle und probiert die neue Orgel auch schon aus. „So ein Projekt zu begleiten ist eine unglaubliche Chance“, freut sich der Organist und Priester. Als Kind war er Ministrant im Dom: „Nie hätte ich mir gedacht, dass ich hier einmal Organist bin oder geschweige denn ein Orgelprojekt wie dieses begleite.“

Zu Ostern 2020 soll exakt 75 Jahre nach dem zerstörerischen Brand im Dom in den letzten Kriegstagen, dem die alte Riesenorgel zum Opfer fiel, ihre Nachfolgerin in einer bis dahin nie gehörten Dimension erklingen. Zur neuen Riesenorgel wird ein umfangreiches, von Konstantin Reymaier herausgegebenes, Buch erscheinen. Im Juni soll es bereits die erste CD mit Konstantin Reymaier an der Riesenorgel geben. Das neue Jahr stellt somit einige Höhepunkte in Aussicht. Bis es soweit ist, braucht es auch noch die dringende Unterstützung durch Spender, um das Jahrhundertprojekt vollenden zu können.

Wie man schon ab fünf Euro ganz einfach zu einem Schutzpatron der Riesenorgel werden kann, darüber gibt die Website riesenorgel.at ausführlich Auskunft.

Autor:

Agathe Lauber-Gansterer aus Wien & NÖ-Ost | Der SONNTAG

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