Arik Brauers Vermächtnis
Keramikmosaik an der Wiener Pfarrkirche Am Tabor

Wie bei einem Triptychon des christlichen Mittelalters wird in der Mitte das zentrale Geschehen, das "Letzte Abendmahl", dargestellt.
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  • Wie bei einem Triptychon des christlichen Mittelalters wird in der Mitte das zentrale Geschehen, das "Letzte Abendmahl", dargestellt.
  • Foto: kathbild.at/Rupprecht
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1995 entwarf Arik Brauer eine neue Außenfassade für die katholische Pfarrkirche "Am Tabor" in Wien-Leopoldstadt. Der am 24. Jänner 2021 verstorbene Künstler stellte darin das "Letzte Abendmahl" mit Symbolen des Pessachfestes dar. Im SONNTAG-Interview spricht die Diözesankonservatorin der Erzdiözese Wien, Elena Holzhausen, über die Persönlichkeit und das Werk Arik Brauers.

Was hat Sie an dem Multikünstler Arik Brauer fasziniert?
Elena Holzhausen: Zuallererst seine Menschlichkeit und seine Unbestechlichkeit, ganz Mensch zu sein und sich nicht verbiegen zu wollen. Das ist ganz egal, ob er entschieden hat, nicht eine Musikerkarriere zu machen, oder dass er gegenständlich phantastisch malte in einer Zeit, in der das wirklich, ich möchte beinahe sagen, als ein reaktionäres No-Go verstanden wurde. Aber Arik Brauer war weder ein No-Go noch reaktionär. Im Gegenteil. Man sieht, dass Avantgarde schon ein sehr schwieriger Begriff ist, dass man nicht weiß, was ist Mainstream und was ist nicht Mainstream.

Es gibt ein Vermächtnis von ihm an der Fassade der Pfarrkirche Am Tabor. Was ist denn das Besondere an diesem Werk?
Es zeigt die gesamte Bedeutungsebene dessen, was wir in unseren Kirchen feiern – die Eucharistiefeier. Und es zeigt das Judentum, das die Spiritualität von Jesus Christus geprägt hat und das zu seiner Identität gehörte. Und auch die dunklen Seiten des Menschen in der Verneinung von liebevoller Zuwendung zueinander. Ich glaube, Arik Brauer hat nicht umsonst auf der rechten Seite den Rabbi Hillel so hingestellt, dass er für uns alle erfahrbar wird mit seinem Vermächtnis „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!“. Die Darstellung zeigt natürlich nicht die Verbindung mit dem Neuen, sondern mit dem Alten Testament.

Elena Holzhausen © Stephan Doleschal
Elena Holzhausen
Diözesankonservatorin der Erzdiözese Wien

Ich bin fasziniert, dass die gesamte Tiefe der Bibel, sowohl des christlichen als auch des jüdischen Glaubens mit allen Grenzen in diesem Bild eingefangen ist. Das Besondere ist, dass die Kirche mit ihrer Eingangsfassade zwischen zwei nicht wirklich prächtig aussehenden Wohnhäusern eingespannt ist. Somit steht die Kunst von Arik Brauer mitten im Leben, im Alltag, und ist nicht elitär abgehoben.

Wie wurde dieses Keramikmosaik hergestellt? Wie funktioniert diese Technik?
Man macht zuerst einen Entwurf. Und diese Zeichnung wird übertragen in die Glasur der Keramik. Das heißt, es sind ganz normale Fliesen. Auf diesen Fliesen wird eine Farbe aufgetragen, die mitgebrannt wird und erst nach dem Brennprozess ihre volle Farbe und Wahrnehmbarkeit entfaltet. Der künstlerische Prozess ist ein sehr komplizierter. Da kommt die Phantasie und die Vorstellungskraft von Arik Brauer hinein. Man muss sich etwas genau vorstellen können, auch in dem Moment, wo ich es jetzt auftrage und es anders aussieht. Grün sieht Graugrün aus und glänzt nicht. Ich muss es trotzdem tun und muss darauf vertrauen, dass im Brennen der Kacheln das Motiv so herauskommt, wie ich es haben möchte.

Autor:

Markus Albert Langer aus Wien & NÖ-Ost | Der SONNTAG

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