Kirche ist Begegnung
„Jetzt erst recht!“

Pfarrer Christoph Goldschmidt möchte der Familie beistehen und Mut und Trost spenden. | Foto: Pfarre Laa an der Thaya
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  • Pfarrer Christoph Goldschmidt möchte der Familie beistehen und Mut und Trost spenden.
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Normalerweise sind die Monate Juli und August im kirchlichen Bereich eher ruhig – geprägt durch Urlaube. Heuer ist das vielerorts anders: Einige Pfarrer und Pfarrlich-Engagierte verzichten jetzt ganz bewusst auf Urlaub, damit Kirche speziell jetzt nach der Zeit des Lock-Downs präsent ist.

Christoph Goldschmidt (51 Jahre alt) ist Pfarrer in Laa an der Thaya in der Erzdiözese Wien. Heuer ist er derzeit ganz bewusst nicht im Urlaub, sondern macht stattdessen vermehrt Hausbesuche in seiner Pfarre in Niederösterreich: „Ich möchte jetzt ganz bewusst bei den Menschen sein und zeigen, dass ich als Pfarrer – und wir als Kirche – präsent sind. Wir haben zwar im Lock-Down von der ersten Woche an Online-Gottesdienste angeboten, aber für die Menschen ist es schon noch mal etwas ganz anderes, wenn man persönlich vor Ort ist.“

Auf unserer Titelseite sehen Sie Pfarrer Christoph Goldschmidt. Voller Freude begrüßt er die lebensfrohe Bruni, zu der er auf einen Hausbesuch vorbeikommt. Die 83-Jährige leidet seit der Geburt an Glasknochenkrankheit und hatte bereits im Leib ihrer Mutter 16 Knochenbrüche. Bruni wird von ihrer Familie unterstützt, lebt aber alleine und freut sich deshalb sehr über den Besuch des Pfarrers: „Im Laufe der Jahre ist eine richtige Freundschaft gewachsen.“

Wenig später sitzt Pfarrer Christoph am Bett von Reinhard. Er besucht den 32-jährigen Mann regelmäßig und spendet ihm die Krankensalbung. Vor ein paar Jahren hatte Reinhard einen Autounfall und ist seitdem vom Hals abwärts gelähmt. Nur durch Augenkontakt kann er sich verständlich machen. Aber Pfarrer Christoph merkt trotzdem, dass die Besuche dem jungen Mann guttun: „Ich bin sicher, dass ihm Gott etwas Gutes ins Herz legt, wenn ich ihn besuche und salbe. Außerdem möchte ich auch seiner Mutter Kraft geben, die Reinhard seit seinem Unfall liebevoll umsorgt.“

Bei seinen Hausbesuchen erlebt Christoph Goldschmidt sehr große Dankbarkeit, wie er sagt: „Viele Familien sind in Zeiten von Corona zwischen Home-Office und Kinderbetreuung an ihre Grenzen gestoßen; dazu kommen oft noch zusätzliche Sorgen. Und bei den Älteren ist oft das Gefühl der Einsamkeit stärker geworden. Deswegen ist es ein ganz wichtiges Zeichen der Verbundenheit, speziell jetzt präsent zu sein. Ich ruf die Menschen vorher an – oder sie melden sich bei mir. Und dann gehe ich sie ganz einfach besuchen, versuche Segen, Mut und Trost zu spenden. Dabei erlebe ich durch die Bank große Dankbarkeit.“ Das alles macht Pfarrer Christoph selbstverständlich mit dem nötigen Sicherheitsabstand und beim Segnen, Salben und Kommunion-Bringen trägt er Maske.

Wichtiger Dienst an den Familien

Zusätzlich zu den Hausbesuchen veranstaltet Pfarrer Christoph diese Woche als „Highlight-Aktion“ mit seiner Pfarre ein großes Pfarrkinder-Lager: „Wir haben es uns gut überlegt, und haben beschlossen, es unter strengen Sicherheitsrichtlinien durchzuziehen. Das Kinder-Lager betrachten wir nämlich als zentrale missionarische Woche für die Kinder – und es ist für uns auch ein ganz wichtiger Dienst an unseren Familien“, erklärt Pfarrer Christoph. Dabei verweist er auf die Tatsache, dass viele Familien heuer eben nicht auf Urlaub fahren (können) und stattdessen im Sommer da sind. Knapp 45 Kinder haben sich für das Wochen-Camp angemeldet: „Das ist sogar mehr als in den vergangenen Jahren.“

Pfarrer Christoph Goldschmidt möchte der Familie beistehen und Mut und Trost spenden. | Foto: Pfarre Laa an der Thaya
Pfarrer Christoph Goldschmidt begrüßt voller Freude die lebensfrohe Bruni. „Im Laufe der Jahre ist eine richtige Freundschaft gewachsen.“ 
 | Foto: Pfarre Laa an der Thaya
Autor:

Michael Ausserer aus Wien & NÖ-Ost | Der SONNTAG

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