Glaubenszeugnis
„Wir sind wie Rapid-Fans“

In der gemeinde seit dem Kinderwagen: Paul ist mit der Kirche aufgewachsen.
  • In der gemeinde seit dem Kinderwagen: Paul ist mit der Kirche aufgewachsen.
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Paul Saminger aus der Pfarre Mutter Teresa im 14. Bezirk ist angehender
Elementarpädagoge und hat kein Problem, gegen den Strom zu schwimmen.

Kaum auf der Welt war Paul wie
selbstverständlich Teil seiner Pfarrgemeinde.

Bereits als Baby war der heute 19-Jährige mitten- drin, wenn seine Eltern sich ehrenamtlich in der Kirche engagiert haben.

PAUL SAMINGER
Alter: 19
Wohnort: 14. Bezirk
Lebensmotto: Du lebst nur einmal. Genieße jeden Moment und hole das Positive raus.
Sonntag bedeutet für mich: zur Ruhe und ins Gebet zu kommen.
Gott ist für mich: Halt und Kraft.


Was sind deine ersten Erinnerungen an die Pfarre?

Ich bin in der Pfarre aktiv, seit ich im Kinderwagen gelegen bin (lacht). Mir wurde erzählt, dass ich seelenruhig im Kinderwagen geschlafen habe, während mein Vater daneben in der Kirche auf dem Schlagzeug gespielt hat. Angeblich bin ich dabei nie aufgewacht.

Du bist immer schon im Pfarrleben engagiert.
Die Pfarre ist nur ein paar Minuten von unserer Haustür entfernt, ich hatte also nie weit.
Ich war zuerst aktiver Ministrant, dann Minileiter und bin jetzt Oberministrant, also der
Verantwortliche für alle Ministranten. Ein großer Teil meines Freundeskreises kommt aus der Pfarre.

Seit der vergangenen PGR-Wahl bist du im Pfarrgemeinderat.
Warum hast du dich dazu entschlossen?

Ich denke mir: So viele regen sich auf und schimpfen über die Kirche. Der beste Weg ist doch, selber aktiv zu werden und von innen heraus etwas zu verändern.
Ich möchte im PGR die Stimme der Jugend einbringen.

Wie kann die Kirche, wie kann eure Pfarre ein Ort sein,
an den Jugendliche gern kommen?

Die Kirche hat ein riesiges Potential, Ort der Gemeinschaft zu sein, ein Ort, wo Action ist. Wir hatten durch Corona sogar einen Zuwachs an jungen Menschen in der Pfarre, weil die Jugendlichen so lange keine Sozialkontakte hatten. Was wir angeboten haben, wurde super angenommen. Zum Skiwochenende haben sich 30 Jugendliche angemeldet,
das war total cool!

Du bist als gläubiger Jugendlicher außerhalb der Pfarre wahrscheinlich eher die Ausnahme. Wie geht es dir dabei? Hattest du auch einmal genug von der Kirche?
Im Alter von 13, 14 war das schon ein wenig schwer. Ich hatte meine Zweifel und habe mich gefragt: „Ist das überhaupt alles wahr?“ Eine Zeitlang wollte ich auch nicht mehr ministrieren. Daran gedacht, aus der Kirche auszutreten, habe ich aber nie. Heute diskutiere ich gern mit anderen jungen Erwachsenen. Man unterschätzt oft, wie viele sich eigentlich in der Kirche, zum Beispiel als Jugendleiter, engagieren. In meiner Ausbildungsklasse gibt es einen, der auch in einer Pfarre aktiv ist. Wir scherzen oft: Es ist wie bei Rapid-Fans.
Die kennt man auch nicht alle, man spürt sie aber überall dort, wo man ist, auf.
Ich bin nämlich auch großer Rapid-Fan (lacht).

Du machst die Ausbildung zum Elementarpädagogen, ein Berufsfeld, in dem hauptsächlich Frauen arbeiten. Es scheint dir nichts auszumachen, gegen den Strom zu schwimmen.
Das stimmt, damit habe ich gar kein Problem. Ich bin durch den Zivildienst auf den Beruf gekommen. Viele Leute haben mir abgeraten, aber da steh ich einfach drüber. Die Ausbildung ist toll und hilft mir auch in der Pfarre. Ich kann die Skills, die ich lerne, sofort anwenden. Wenn ich den Kindern beim Ministrantenunterricht erkläre, dass Jesus im Tabernakel ist, weiß ich jetzt viel besser als früher, welche Worte ich dafür verwenden kann und schaffe es besser, die Aufmerksamkeit der Kinder zu gewinnen.

Deine Familienmitglieder sind alle im Pfarrleben engagiert.
Wie prägt das euer Familienleben?

Wenn wir einmal am Tag zusammen essen, ist der Glaube oft Diskussionsthema.
Mein kleiner Bruder stellt immer wieder Fragen, meine Mama ist noch dazu Religionslehrerin. Bei den Gottesdiensten in der Pfarre trägt jeder von uns etwas bei. Kommen wir dann alle wieder nach Hause zurück, hat jeder etwas anderes zu erzählen.

Du bist mit der Musik in der Kirche aufgewachsen.
Heute spielt sie auch eine große Rolle in deinem Leben.

Musik ist sehr wichtig für mich. Ich spiele mehrere Instrumente, Gitarre, Klavier, ein bisschen Schlagzeug, und singe im Chor. Am liebsten mag ich Gospel.
Ich liebe das Gesamtpaket dabei: Die Texte, die Melodien, wenn alle mitklatschen,
die Stimmung dabei in der Kirche.

Was ist dein Lieblingsgospelsong?
Mein Favorit ist „Oh Happy Day“, die Mutter aller Gospels.

Autor:

Sandra Lobnig aus Wien & NÖ-Ost | Der SONNTAG

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