Glaubenszeugnis
Wann kommt die Kirche im Heute an?

Im Urlaub entspannt Willi Keck im Waldviertel
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  • Im Urlaub entspannt Willi Keck im Waldviertel
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  • hochgeladen von Wolfgang Linhart

Dass es mehr gibt als Alltag und Arbeit spürt Willi Keck aus der Pfarre Franz von Sales im 19. Bezirk vor allem in der Natur und in der Musik. Der SONNTAG erreichte den Wiener für das Interview im Urlaub.

Willi Keck erreichen wir im Waldviertel. „Ich habe vor mehr als dreißig Jahren bereits meine Hochzeitsreise hierher gemacht. Seitdem kommen wir fast jedes Jahr im Urlaub hierher“, erzählt er.
Wir hoffen, Sie mussten für das Gespräch mit dem SONNTAG im Urlaub nicht extra früher aufstehen.
Keine Sorge, ich habe schon gemütlich gefrühstückt (er lacht). Für Wiener ist es ja seit einiger Zeit richtig cool, ins Waldviertel zu fahren. Es gibt zwar keine Dreitausender, dafür einsame Wälder mit Heidelbeeren und Vogelgezwitscher. Und ja, die Natur hier ist für mich eine Möglichkeit, meinem Glauben und dem Herrgott ein bisschen näher zu kommen. Zum Beispiel dann, wenn ich mir die Zeit nehme, die Pflanzen und Tiere anzuschauen und über dieses Wunderwerk staune.

Was sind denn abgesehen von der Natur Quellen, aus denen Sie im Alltag schöpfen?

Für mich ist die Musik etwas ganz Wichtiges. Musik ist eine meiner Leidenschaften. Ich bin zwar kein Profimusiker, habe aber schon in einer Rockband und einer Dixielandband gespielt. In meiner Pfarre Franz vom Sales im 19. Bezirk begleite ich regelmäßig auf dem Keyboard die sogenannten ‚rhythmischen‘ Messlieder. Für mich ist die Musik – besonders die klassische – ein Medium, das mich aus dem alltäglichen Gewurschtl rausholt. Ich besuche mit meiner Frau gern die Jesuitenkirche, um die schönen Haydn- oder Mozartmessen zu hören. Was für eine großartige Musik! Sie ist für mich eine Tür zu höheren Werten, zeigt mir, dass ich nicht nur für die Arbeit und den Alltag lebe.

Sie sind seit dreiunddreißig Jahren verheiratet. Teilt Ihre Frau Ihr Bedürfnis, sich nicht im Alltäglichen zu verstricken?
Auf jeden Fall. Wir haben uns über die Marianische Kongregation kennen gelernt, die damals eine unglaublich lebendige Jugendgemeinschaft war. Das hat meinen Glauben sehr geprägt. Ich stelle es mir schwierig vor, wenn man – was den Glauben betrifft – nicht einigermaßen auf einer Welle liegt und keine gemeinsame Basis hat. Auch wenn wir, außer in der Messe am Sonntag, nicht gemeinsam beten, empfinden wir eine Art stilles Einvernehmen: Dass es einen Trost, eine Hoffnung auf ein weiteres Leben gibt.

Seit Jahrzehnten im Glauben verwurzelt, viele Jahre im Pfarrgemeinderat und weiterhin engagiert in der Pfarre: Fällt es Ihnen immer leicht, sich zur Kirche zu bekennen?

Ich gebe zu, es würde mir leichter fallen, würde die Kirche es schaffen, mehr in der heutigen Zeit anzukommen. Ich leide auch an der Kirche. Weil sie meiner Meinung nach bei so vielem an versteinerten Grundsätzen festhält, die für den Glauben keine Bedeutung haben. Dabei ist die Botschaft des Christentums relativ simpel: Es gibt einen liebenden Gott und wir haben Hoffnung auf ein schönes, ewiges Leben. Das muss ich wohl dem Heiligen Geist überlassen, der kann da durchgreifen und einen Schub geben, damit wir im Heute ankommen.

Autor:

Sandra Lobnig aus Wien & NÖ-Ost | Der SONNTAG

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