Leben - immer noch - in Zeiten von Corona
Wir brauchen sture Optimisten

Wenn wir uns auf uns selber besinnen und auf das, was wirklich wichtig ist, dann können wir gemeinsam Schritt für Schritt eine bessere Welt gestalten.
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Wie Menschen mit ihren Gefühlen in der Corona-Pandemie umgehen, ist unterschiedlich. Man begegnet Trauer, Verzweiflung und Pessimismus genauso wie Zuversicht, Hoffnung und Mut.
Die Amerikanerin Kitty O’Meara hat ihre Gefühle in der Pandemie zu einem Gedicht gemacht. Die deutsche Autorin und Verlegerin Marie Franz hat es nun als Bilderbuch herausgebracht.

Das Leben wurde ruhiger in den Märztagen des Jahres 2020. In Österreich, in Europa, aber auch in den USA. Die Corona Pandemie hob unsere Welt in nie zuvor dagewesener Art und Weise aus den Angeln.

Wie so viele andere auch, hatte die pensionierte Lehrerin und Krankenhausseelsorgerin Kitty O’Meara, die mit ihren Ehemann Phillip, fünf Hunden und drei Katzen im amerikanischen Wisconsin lebt, plötzlich eine Menge Zeit. „Das war alles anfangs sehr belastend für mich“, erzählt sie: „Ich war wegen dieses neuen Virus nervös, fühlte mich ihm ausgeliefert. Ich machte mir Sorgen um meine Familie und meine Freunde – vor allem jene, die in Krankenhäusern arbeiten. Und ich fragte mich, was diese unsichere, beängstigende Zeit mit uns allen machen würde.“

Eines Tages setzt sie sich an ihren Schreibtisch und lässt all diese Empfindungen und Gedanken in ein Gedicht fließen, dem sie den Titel „Und die Menschen blieben zu Hause“ gibt. Als es fertig ist, veröffentlicht sie es auf ihrer privaten Facebook-Seite und hofft damit allen, die ihr am Herzen liegen, ein wenig Mut zu machen.

Eine Chance in der Krise
Was dann passiert, damit hatte Kitty O’Meara nicht gerechnet: Kaum auf Facebook gestellt, geht das Gedicht, wie man heute sagt, „viral“. Innerhalb kürzester Zeit lasen es weltweit Millionen von Menschen. Auch bekannte Persönlichkeiten wie die Schauspielerinnen Kate Winslet und Lindsey Lohan verbreiteten es weiter.

„Die Resonanz war überwältigend“, sagt Kitty O‘Meara: „Ich habe mein Leben lang voller Leidenschaft geschrieben, aber nie daran gedacht, es auch zu veröffentlichen. Und plötzlich schenkte eines meiner Gedichte offensichtlich unzähligen Menschen auf der ganzen Welt in dieser schwierigen Zeit Hoffnung und Zuversicht.“

In Deutschland wird die Verlegerin und Autorin Marie Franz auf das Gedicht aufmerksam: „Das Gedicht hat mich sofort angesprochen“, sagt sie heute, 10 Monate später: „Wohl auch, weil es meiner tiefsten Überzeugung entsprach, dass in jeder Krise auch eine Chance steckt. Für mich hat dieses Gedicht etwas greifbar gemacht, für das ich bis dahin noch keine Worte hatte: Nämlich, dass wir uns durch die Pandemie an das erinnern können, was uns wirklich wichtig ist. Und dass wir alle zusammen mit diesen Erkenntnissen eine bessere Welt gestalten können.“

Zeitlose Botschaft
Als die Autorin und Verlegerin davon erfährt, dass das Gedicht in Amerika als Bilderbuch für Kinder, Jugendliche und Erwachsene erscheinen soll, bemüht sie sich mit viel Engagement und Einsatz darum, die Rechte für die deutsche Übersetzung zu bekommen. „Ich hatte sofort die Vision, diese optimistische Botschaft auch im deutschsprachigen Raum zu verbreiten.

Ich war überzeugt davon, dass das Buch helfen kann, das Leben des einen oder anderen zu verändern.“ Die Botschaft des Gedichtes und damit des Buches sei im Grunde zeitlos: „Denn es geht um das Potenzial von Krisen für uns Menschen. Es richtet sich an Kinder und auch an Erwachsene und fordert uns geradezu auf, die derzeitige Situation zum Wendepunkt für die Menschheit werden zu lassen. Oder wenigstens darüber nachzudenken, ob das möglich ist. Denn wenn wir uns auf uns selber besinnen und auf das, was wirklich wichtig ist, dann können wir gemeinsam Schritt für Schritt eine bessere Welt gestalten.

Wir dürfen unserer Trauer und unserer Wut Raum geben, aber nicht dauerhaft resignieren und den Kopf in den Sand stecken. ,Und die Menschen blieben zu Hause‘ kann uns dabei helfen, den Mut und die Hoffnung nicht zu verlieren.“

Die richtige Richtung
Als Marie Franz selbst an Corona erkrankt, steht das Gedicht in gewisser Weise auf einem sehr persönlichen Prüfstand. „Im August infizierten sich mein Partner und ich mit Corona“, erzählt sie im Gespräch mit dem SONNTAG: „Wir waren wochenlang sehr geschwächt, litten an Schlafstörungen und waren mit unseren beiden kleinen Kindern in Quarantäne.

In dieser Zeit bin ich öfter an meine Grenze gekommen“, erzählt sie. „Mein Körper und meine Kinder wollten meine volle Aufmerksamkeit, ich steckte mitten in den Arbeiten zu ,Und die Menschen blieben zu Hause“ und der Erscheinungstermin rückte immer näher.“ Das Gedicht bzw. das Buch waren in dieser Zeit nicht nur Teil ihre Arbeitsalltags, sondern eine große Hilfe. „Es hat mir geholfen, mich auf alles Positive zu konzentrieren und zu hinterfragen, was meine Prioritäten im Leben sind. Mit Hilfe des Gedichtes, des Buches habe ich das noch einmal verinnerlicht. Ob das naiv oder weltfremd ist? Ich glaube nicht. Denn was sind die Alternativen dazu? Resignation und Trostlosigkeit. Und beides bringt uns keinen Schritt weiter“, sagt sie: „Ich glaube, das, was die Welt gerade am dringendsten braucht, sind genügend sture Optimisten, die beherzt in die richtige Richtung handeln und andere damit inspirieren, das Gleiche zu tun.“

Alles wird gut
Ob die Verlegerin nun eigentlich auch eine Lieblingszeile in dem Gedicht habe, fragen wir Marie Franz: „Ja, die habe ich“, sagt sie: „,Und in Abwesenheit der rücksichtslosen, gefährlichen und herzlosen Lebensweisen der Menschen begann die Erde zu heilen.‘ Durch die Pandemie werden wir aus unserem Alltagstrott geworfen und zum Innehalten gezwungen. In vielerlei Hinsicht bemerken wir erst jetzt, wie schön unser Leben ,vorher‘ eigentlich war und erinnert uns auch daran, was weiterhin wichtig ist. In meinem Lieblingssatz steckt auch, dass es noch nicht zu spät ist, unsere Erde zu retten.

Ich wünsche mir, dass der Zusammenhalt der Menschheit durch Corona größer wird und dass wir ein Bewusstsein dafür entwickeln, wie fragil, schützenswert und gar nicht selbstverständlich das Leben auf der Erde eigentlich ist.“

Kitty O‘Mearas Gedicht „Und die Menschen blieben zu Hause“ ist als Bilderbuch im Berliner Goldblatt Verlag erschienen. Illustriert wurde es von den preisgekrönten Illustratoren Stefano Di Cristofaro und Paul Pereda.

Umfangreiches kostenloses Begleitmaterial zu diesem Buch für Lehrerinnen und Lehrer stellt der Verlag auf Anfrage bereit.

Bei Interesse bitte eine E-Mail mit dem Betreff „Begleitmaterial“ an: kontakt@goldblattverlag.de

Autor:

Andrea Harringer aus Wien & NÖ-Ost | Der SONNTAG

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