Interview mit Kräuterpfarrer Benedikt
Der weiße Habit steht für den Auferstandenen - wir sind keine Rauchfangkehrer

Kräuterpfarrer Benedikt: „Gelegenheit, selber zu gärtnern, habe ich leider viel zu selten.“
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  • Kräuterpfarrer Benedikt: „Gelegenheit, selber zu gärtnern, habe ich leider viel zu selten.“
  • Foto: Markus Andorf
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Sein Reich sind Pflanzen und ihre Heilwirkung. Die geistlichen Aufgaben kommen dabei aber nicht zu kurz. Der Prämonstratenser Benedikt Felsinger, bekannt als Kräuterpfarrer, erzählt im SONNTAG über seine Berufung und gibt Tipps zu Kräutern, die uns im Frühjahr gesundheitlich unterstützen.

Von Böhmen aus wurde das Prämonstratenserstift Geras besiedelt. Seit 900 Jahren sind sie seither im Waldviertel tätig. Vermutlich ist es weltweit das am längsten durchgehend bestehende Prämonstraten-s­erkloster. Nach dem Tod von Kräuterpfarrer Weidinger ist Herr Benedikt nun seit mehr als eineinhalb Jahrzehnten hier der klösterliche Kräuterexperte.

Hier ein Auszug aus der Reihe „Ordensleute im Gespräch“ von radio klassik Stephansdom in Kooperation mit „quo vadis“, dem Informations- und Begegnungszentrum der Orden auf dem Wiener Stephansplatz.

  • Herr Benedikt, warum sind Sie Ordensmann und Prämonstratenser geworden?

Benedikt Felsinger OPraem: Das ist einerseits eine ganz normale Geschichte, gleichzeitig aber auch etwas sehr Spannendes. Denn wenn ich mich selber frage: Warum gehe ich diesen Weg? Warum habe ich ihn begonnen, so entdecke ich auf diesem Weg, Pflöcke, die eingeschlagen wurden, damit ich mich orientieren und hineinwachsen konnte.

  • Welche Pflöcke waren das?

Ganz schlicht und einfach, das Umfeld, das mich von Kind auf geprägt hat. Ich bin in Drosendorf an der Thaya aufgewachsen. Diese kleine mittelalterliche Stadt ist seit Jahrhunderten eine inkorporierte Pfarre des Stiftes Geras. Somit war mein erster Kontakt schon als Kind mit Prämonstratensern gegeben. Was mich auch sehr tief berührt ist, dass ich als zweiten Taufnamen Norbert bekommen habe, den Namen des Ordensgründers. Und dass ich im Alter von zehn Jahren ins Erzbischöfliche Knabenseminar nach Hollabrunn gekommen bin.

  • Wie kam es zur persönlichen Berufung?

Mein Herz war immer bei den Prämonstratensern, das ist auch im Internat schon so akzeptiert worden. Eine Erfahrung, die mich sehr geprägt hat, war ein Büchlein, das in der Klassenbibliothek stand und dass mein Vorgänger Hermann Josef Weidinger als Kräuterpfarrer über den seligen Jakob Kern geschrieben hat. Ich habe als 14-Jähriger, als ich dieses Buch gesehen habe, dessen Inhalt natürlich nicht in seiner Tiefe verstanden. Aber da waren die Bilder der Stiftskirche Geras und ich habe schon im Innern gespürt: Dort bin ich daheim, dort möchte ich etwas bewirken.

  • Wie entstand dann näherer Kontakt zum Stift Geras?

Ich bin dann mit dem Fahrrad oder mit dem Mofa später selber zu Ostern zu den Chorgebetszeiten hingefahren. Es war ja nicht weit von Zuhause entfernt und ich habe natürlich auch alles Menschliche mitbekommen, was in einer Klostergemeinschaft so passiert.

  • Das sind aber nicht immer schöne Dinge?

Wo Menschen sind, da menschelt es und da brauchen wir uns auch nicht dafür genieren. Aber all das hat mich bestärkt. O.k., wenn ich da etwas Gutes beitragen kann oder eine bessere Richtung einschlagen kann, dann gehe ich dorthin und möchte einfach dort wirken. Die Liturgie ist natürlich auch etwas, was mir immer wichtig war. Auch die Verkündigung des auferstandenen Herrn.

Ich habe mir mit der Farbe Schwarz immer sehr schwer getan. In Hollabrunn oder auch in Maria Roggendorf waren Benediktiner, die schwarze Ordenstracht getragen haben, die waren alle recht sympathisch. Aber diese Farbe Schwarz, da sage ich, da haben wir zu Hause etwas Besseres, weil wir verkünden mit der weißen Farbe den auferstandenen Herrn. Und wir sind, bitte nicht böse sein, kein Rauchfangkehrerverein.

Das hat der heilige Norbert schon ins Ordensgewand hineingelegt. Da haben wir sowieso eine große Herausforderung in Zeiten wie diesen, eben immer wieder den Weg einer Auferstehung zu ermöglichen. Auch im alltäglichen Leben, gerade im Verweis auf Gott.

  • Welche Kraft ziehen Sie aus dem Leben in klösterlicher Gemeinschaft?

Das Leben im Kloster ist ein ständiges Atmen. Das Chorgebet lässt mich da aufatmen. Ein Vater Unser zu beten, gibt Halt. Und auch ein Sich-verbunden-Wissen mit den Mitbrüdern. Bestärkend sind aber auch gepflegte Freundschaften mit Menschen außerhalb der Klostermauern.

  • Wie wirkt sich die Pandemie auf das Leben im Kloster aus?

Das Klosterleben selber wird bewusster wahrgenommen, weil die Gegebenheiten jene sind, die ein Klosterleben gut ermöglichen. Rückgezogenheit und Bedacht sein auf Zusammenhalt. Das Andere ist aber das verringerte Kontaktnehmen mit Menschen. Das drückt schon auf das Gemüt. Die Liturgie ist nur eingeschränkt möglich. Die Sehnsucht ist groß, dass die Masken fallen und wieder gemeinsam Gottesdienste in entsprechender Größe gefeiert werden können.

  • Wie halten Sie dennoch Kontakt mit den Gläubigen?

Unsere Gottesdienste werden im Internet gestreamt und wir schreiben Briefe. Das tut den Menschen auch gut. Siehe auch stiftgeras.at/wp/livestream

  • Wie gelingt es, Stift Geras wirtschaftlich auf feste Beine zu stellen?

Der Waldbesitz ist bei uns nicht sehr groß und die vergangenen Jahre haben große Schäden durch den Borkenkäfer mit sich gebracht. Besser läuft die Karpfenzucht, die bei uns jahrhundertelange Tradition hat. Die einzelnen Teiche sind Refugien für Vögel und stellen wichtige Biotope dar. In den Tourismus wurde einiges investiert, aber es ist nicht so viel herausgekommen wie erhofft. Es ist für uns ein großes wirtschaftliches Ringen, wir sind da in den nächsten Jahrzehnten sehr gefordert.

  • Das Stift betreut 22 Pfarren, wie wirkt sich das aus?

Dadurch ist ein finanzieller Zufluss gegeben, das wird durch Kirchenbeiträge abgegolten. Aber wenn bei uns ein Engel mit goldenen Flügeln oder einem goldenen Popsch renoviert wird, müssen wir uns selbst darum kümmern, die Mittel aufzubringen, auch durch Förderungen. Uns ist wichtig, die Kulturgüter zu pflegen, den Schönheit ist ja auch ein Therapiefaktor.

  • Sie stehen in der direkten Nachfolge des legendären Kräuterpfarrers Hermann-Josef Weidinger. Wie kam es dazu?

Kurz vor Abschluss des Gymnasiums ist meine Mutter mit mir nach Karlstein zum Kräuterpfarrer gefahren. Er gab mir für die Nerven und das Hirn einen Tausendguldenkrauttee und die Matura ging gut. Durch den Eintritt ins Kloster haben wir als Mitbrüder gelebt und er hat mein Interesse für die Natur wahrgenommen. Nach meiner Priesterweihe bat er den Abt, dass ich ihm in der Pfarrarbeit helfe. In der Pfarre Harth bin auch heute noch Pfarrer. Und ich habe damals schon im Verein der Heilkräuter in Karlstein mitgearbeitet.

  • Hat er Ihnen da Heilkräutergeheimnisse anvertraut?

Ich antworte mit einem hehren und hohen Vergleich. Jesus Christus hat das Evangelium nicht den Aposteln diktiert, sondern er hat sie mitgenommen in sein Leben. Hermann-Josef Weidinger hat mir auch nicht alle Geheimnisse geoffenbart, aber mich schauen und dabei sein lassen und mir etwas zugetraut. Freilich habe ich vieles seinen schriftlichen Aufzeichnungen, seinen veröffentlichten Büchern entnommen und vieles aus seinen alten Skripten, die ich im Pfarrhof gefunden habe.

  • Ist es nicht schade, wenn dann doch Geheimnisse sprichwörtlich mit ins Grab genommen werden?

Viele Geheimnisse sind schriftlich festgehalten. Andererseits ist es ganz klar, ein neuer Kräuterpfarrer kann nicht die Kopie eines Alten sein. Es hat sich vieles in der Praxis der Pflanzenheilkunde geändert. Auch das Arzneimittelgesetz war seinerzeit ein anderes. Kräuterheilkunde ist nie etwas Abgeschlossenes, sondern immer ein dynamischer Prozess. Denken wir nur an die Traditionelle Europäische Medizin, die immer mehr in den Blick kommt.

  • Manchmal wechseln ja noch die wärmer werdenden Tage mit kühlen Phasen ab. Welches Kräutlein kann uns da helfen?

Die Kräuter stehen das ganze Jahr über zur Verfügung, weil sie in getrockneter Form präsent sind und man sie aufbereiten kann. Jetzt ist natürlich alles etwas, was mir hilft, neu zu atmen. Frühlingsblumen und der Atem hängen sehr eng zusammen. Die Schlüsselblume tut mir den Himmel auf.

Aufgrund der Wetterkapriolen kann es sein, dass unser Kreislauf schlechter arbeitet, uns schwindlig ist oder wir müde sind: die sogenannte Frühjahrsmüdigkeit. Da braucht man etwas, das uns den Stoffwechsel gut funktionieren lässt. Da ist der Löwenzahn ein wertvoller Geselle. Durch seine Bitterstoffe profitieren Bauchspeicheldrüse, Leber und die Gallenblase.

  • Wie sieht es denn mit Ihrem grünen Daumen aus?

Gelegenheit, um selber gärtnern zu können, ist viel zu wenig da. Das ist ein ganz großes Manko für meine Arbeit. Was ich mir aber nicht nehmen lasse, ist Bäume zu pflanzen. Die Verbindung zur Erde hat auch eine therapeutische Dimension. Und ich bitte den Herrgott, dass er mir wieder mehr Zeit zum Gärtnern gibt.

  • Ihre Teemischungen gibt es im Handel. Was ist Ihre Lieblingsmischung?

Eine Herbstmischung mit ein bisschen Minze und Melisse. Meine Lieblingspflanze ist die Wegwarte. Die schmeckt ein bisschen bitter, fast grauslich. Aber sie ist meine Freundin.

  • Dass Sie eine Freundin haben?

Ja, so kann man sich täuschen.

Autor:

Stefan Hauser aus Wien & NÖ-Ost | Der SONNTAG

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