Die Sonntagsspaziergänge
Der Hagenbach gibt die Richtung vor

Der Weg, der sich hier vor uns auftut, zieht einen regelrecht in die Klamm hinein.
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  • Der Weg, der sich hier vor uns auftut, zieht einen regelrecht in die Klamm hinein.
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Am Wasser entlang zu spazieren – egal ob Bach, Fluss, See oder Meer ist für mich immer ein besonderes Highlight. Das ist irgendwie schon immer so gewesen. Wenn ich dann auch noch meine Hände und Füße in kühles Nass stecken kann, bin ich praktisch wunschlos glücklich. Mein Sohn übrigens auch. Was liegt also näher, als auch mal einen Spaziergang am Wasser zu unternehmen? Wir besuchen die Hagenbachklamm.

Fast hätte ich ihn übersehen – den Eingang zur Hagenbachklamm bei St. Andrä-Wördern in Niederösterreich. In einer Kehre auf der B 14 steht das Schild und eigentlich ist es gar nicht so klein, aber ich war wohl zu sehr auf den Verkehr konzentriert. Gott sei Dank habe ich meinen Sohn heute wieder mit – er macht mich darauf aufmerksam und so bremse ich mich sozusagen in letzter Sekunde ein und finde sogar direkt bei der Klamm einen Parkplatz.

Nur zwei Minuten später und wir stehen schon neben der Barbarakapelle, die den Eingang zur Hagenbachklamm markiert. Der Weg, der sich hier vor uns auftut, zieht einen regelrecht in die Klamm hinein. Wunderschön ist es hier. Still und ruhig – die Straße haben wir nicht nur hinter uns gelassen, sondern komplett vergessen. Nur noch der Wald liegt vor uns.

Die Hagenbachklamm liegt im Naturpark Eichenhain, ein Teil des Wienerwaldes zwischen Klosterneuburg und St. Andrä-Wördern. Dem Namen entsprechend sehen wir hier auffallend viele, wunderschöne hohe Eichen, durch die die Sonne blinzelt. Geradezu genial schattig ist es hier und angenehm kühl.

Dämme bauen, durchs Wasser waten
Der Hagenbach, der hier rechts unterhalb des Weges verläuft, tut dazu wohl auch sein Übriges. Ruhig plätschert er dahin. Dass er heute an diesem heißen Sommertag vielleicht sogar ein bisschen zu ruhig ist, also wenig Wasser führt, können wir, die Umgebung betrachtend, nur vermuten. Schlammige Stellen da und dort am Weg lassen nämlich erahnen, dass sich hier sonst – etwa nach Regenfällen oder nach der Schneeschmelze – muntere kleine Bächlein ihren Weg über die Spazierroute bahnen.

Dass das Wasser fehlt, sieht man auch dem Waldboden an und die Risse im Boden machen nachdenklich. Ist das schon immer so gewesen, dass es hier so trocken ist? Der Idylle des Ortes und der Schönheit des Weges tun diese Gedanken aber – jedenfalls für den Moment - keinen Abbruch.

Wenige Minuten später haben sich Weg und Fließwasser sozusagen auf gleicher Ebene gefunden. Wir spazieren neben dem Bach oder über eine der zahlreichen Brücken. Immer wieder können wir unsere Füße und Hände abkühlen. Tobias beschließt kurzerhand im Bachbett ein Stückchen zu waten anstatt auf dem Weg zu gehen. Eine Familie mit zwei kleinen Kindern steht mitten im Bach und ist mit Feuereifer und augenscheinlichem Spaß dabei, einen kleinen Damm zu errichten und einen Teil des Wassers einen neuen Weg finden zu lassen.

Flora …und vor allem auch Fauna
Wir setzen unseren Spaziergang fort: Dass die Hagenbachklamm nicht nur mit Flora punkten kann, sondern auch mit Fauna, bemerken wir nur wenige Meter weiter. Am Hang rechts neben uns schlängelt sich eine Schlange hinauf. Gut einen Meter misst sie und ist damit – für mein Empfinden – viel zu groß. Mein Sohn, der seit frühester Kindheit von Schlangen fasziniert war, begutachtet sie – Gott sei Dank aus der Ferne – genau und stellt die Vermutung an, dass wir es hier mit einer Äskulap-Natter zu tun haben.

Wenn er recht hat – und ich kann mir sehr gut vorstellen, dass das so ist – ist es also wenigstens keine Giftschlange. Man wird bescheiden. Ich schaue trotzdem, dass ich da wegkomme und mein Kind nehme ich gleich ins Schlepptau.

Wer glaubt, das wäre das letzte größere Tier, das uns hier begegnet ist, irrt: Denn nach ungefähr einer dreiviertel Stunde gemütlichen Spazierens und praktisch am Ende der Hagenbachklamm angekommen, kommt uns eine junge Frau entgegen, die einen Greifvogel auf der Hand sitzen hat. Es handelt sich dabei um einen Bussard, wie ich nach neugierigem Fragen herausfinde.

Der Vogel hat in Europas größter privater Greifvogelstation nur wenige Gehminuten von hier sein Zuhause. „Ich gehe jetzt hier mit ihm nur ein bisschen spazieren“, sagt seine Pflegerin schmunzelnd. „Na bitte“, denke ich belustigt, da passt diese Begegnung doch perfekt zu den Sonntagsspaziergängen. Gerne würden wir die Greifvogelstation auch noch als Abschluss unseres Spaziergangs besuchen, aber leider: Die Station hat nur an Samstagen, sowie Sonn- und Feiertagen von 9.30 Uhr bis 12.00 Uhr und von 13.00 Uhr bis 17.00 Uhr geöffnet und heute ist Mittwoch. Wir müssen also wiederkommen, machen uns jetzt aber auf den Rückweg durch die Klamm.

Einen kleinen Tipp haben wir zum Abschluss aber noch für Sie: Wenige Meter hinter der Station gibt es einen riesigen Spielplatz, der mit vielen verschiedenen Schaukeln, Balanciergeräten und Klettergerüsten für kleine, mit einem Flying Fox aber durchwegs auch für größere Kinder etwas zu bieten hat.

Serie „Sonntagsspaziergänge"

Autor:

Andrea Harringer aus Wien & NÖ-Ost | Der SONNTAG

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