Ein-, Rück- und Ausblick von der Bibliotheksreferentin der Katholischen Kirche Vorarlberg
Leseland Vorarlberg

Die Bibliotheken ließen sich während der Corona-Krise viel einfallen, um mit den Menschen in Kontakt zu bleiben. In Satteins etwa gab es „Lesungen ohne Publikum.
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  • Foto: Bibliothek Satteins
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Die Besuchs- und Entlehnzahlen der Bibliotheken im Land sind sehr hoch. Viele Büchereien sind in Mitträgerschaft von Pfarren, weswegen es eine diözesane Bibliotheken-Fachstelle gibt. Deren Leiterin, Silvia Freudenthaler, ist nun 100 Tage im Amt - sie berichtet über die Arbeit der Bibliotheken, wie sie auf Corona reagiert haben und was für die Zukunft wünschenswert ist.

Elisabeth willi

In Vorarlberg gibt es 81 öffentliche Bibliotheken - rund 70 davon sind in Träger- oder Mitträgerschaft der Pfarren vor Ort. Dies ist historisch bedingt, da früher viele Bibliotheken Pfarrbüchereien gewesen sind. Zur Erklärung: Alle öffentlichen Bibliotheken haben einen oder mehrere Träger, die etwa für Personal, Räumlichkeiten und Finanzen Mitverantwortung tragen.
Für die Erledigung der Aufgaben, die eine Träger- bzw. Mitträgerschaft mit sich bringen, ist in der Diözese Feldkirch eine Bibliotheksreferentin angestellt. Dies ist seit 100 Tagen Silvia Freudenthaler, Theologin und Vergleichende Literaturwissenschaftlerin.

Die Arbeit der Bibliotheken beurteilt Silvia Freudenthaler sehr positiv - und zeigt dies anhand von Zahlen: Obwohl Niederösterreich dreimal so viele Bibliotheken und viermal so viele Einwohner wie Vorarlberg hat, sind die Besuchszahlen in den Büchereien beider Bundesländer fast ident. Bei der Anzahl an Gesamtentlehnungen in Österreich liegt Vorarlberg am dritten Platz. Hinter diesen erfreulichen Zahlen steht eines: jahrelange, harte Arbeit der Bibliothekteams - das allermeiste davon im Ehrenamt.

„Was die Bibliothekteams leisten, ist nicht genug zu würdigen“, sagt Silvia Freudenthaler. „Die Bibliotheken garantieren eine sinnvolle Freizeitgestaltung für Jung und Alt und sie fördern das soziale Miteinander. Sie beteiligen sich daran, Kindern Lesekompetenz zu vermitteln und Schüler/innen für Literatur zu begeistern. Durch Workshops und Lesungen, die in den Bibliotheken stattfinden oder von ihnen organisiert werden, wird ein offener Lernraum für alle geschaffen.“
Was sind nun die Aufgaben der diözesanen Fachstelle für Bibliotheken? Sie unterstützt die Ausbildung der Ehrenamtlichen, ist Servicestelle für die Bibliothekteams, organisiert Aktionen wie das „Sommerlesen“ mit, vergibt Subventionen und hat eine Vermittlerposition inne zwischen Bibliotheken, Pfarren, Landesbüchereistelle und den verschiedensten Bibliotheksverbänden in Land und Bund.

Von den 100 Tagen, die Silvia Freudenthaler im Amt ist, fallen 80 Tage in die Corona-Zeit. Währenddessen, so erzählt die Bibliotheksreferentin, ist sehr viel an Austausch und Kommunikativem geschehen. „Jede Bibliothek hat nach ihren Möglichkeiten einen Weg gefunden, wie sie mit den Nutzer/innen Kontakt halten und wie sie dazu beitragen kann, dass den Menschen nicht die Decke auf den Kopf fällt.“ Sehr viele Büchereien haben Zustelldienste ins Leben gerufen: In Thüringerberg gab es etwa den Bücherblitz, in Dornbirn wurden die Bücher per Lastenfahrrad zu den Leser/innen gebracht. Die Mediathek - die Online-Ausleihe für ganz Vorarlberg - hat ihre Dienste für alle gratis zur Verfügung gestellt, ca. 2000 neue Zugänge in zwei Monaten waren die Folge. Die Rückmeldungen auf all die Aktionen waren sehr positiv.

Silvia Freudenthaler hat aus der Corona-Krise im Bezug auf die Bibliotheken vor allem folgende Erkenntnisse erlangt: „Es hat sich gezeigt, wie wichtig die Autonomie der einzelnen Bibliotheken ist. Hätte es geheißen, alle müssen nach einer gewissen Weise reagieren, hätte das nicht funktioniert.“ Durch die Corona-Krise sei auch sichtbar geworden, was die regionalen, oft kleinen Bibliotheken leisten - immer wieder angedachte zentrale Büchereien in Talschaften anstatt der vielen kleinen Bibliotheken hätten dies nicht bewerkstelligen können.

Für die Zukunft wünscht sich Silvia Freudenthaler, dass den Bibliotheken das Budget nicht gekürzt wird. Ansonsten würden Besucher- und Entlehnzahlen stark zurückgehen. „Auch wäre jetzt, da viel über die Arbeit von Frauen gesprochen wird, die Zeit, die Leistung der Bibliothekarinnen zu entlohnen. Es wäre wünschenswert, den Ehrenamtlichen, die jahrelang im Einsatz sind und eine Anstellung möchten, eine solche zu ermöglichen.“

Autor:

KirchenBlatt Redaktion aus Vorarlberg | KirchenBlatt

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