Online-Vortrag zum Thema „Corona-Schutzimpfung“ der Propstei St. Gerold
Das wird Spritze!?

Egal welcher Impfstoff, sowohl Günther Mayr (Leiter der ORF-Wissenschaftsredaktion) als auch Abt Urban Federer sprechen sich klar für die Impfung aus.
  • Egal welcher Impfstoff, sowohl Günther Mayr (Leiter der ORF-Wissenschaftsredaktion) als auch Abt Urban Federer sprechen sich klar für die Impfung aus.
  • Foto: CDC / unsplash.com
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Impfen oder nicht impfen? Kaum ein Thema spaltet die Gesellschaft derzeit so sehr, wie die Frage nach der Corona-Schutzimpfung. Antwortmöglichkeiten lieferten vergangenes Wochenende der Journalist Günther Mayr und Abt Urban Federer beim Online-Vortrag der Propstei St. Gerold.

Simone Rinner

Sie sind „eine der größten Armeen“, die es zudem schon viel länger gibt, als den Menschen. Sie sind raffiniert, passen sich an und mutieren. Viren. Und eines davon ist seit über einem Jahr Thema in der ganzen Welt, so Günther Mayr. Als Leiter der ORF-Wissenschaftsredaktion hat er die Entwicklung des COVID-19-Virus beobachtet und sich auch mit dem Thema Impfung auseinandergesetzt. Es sei so gut wie gesichert, dass das Virus nicht im Labor, sondern in Fledermäusen entstanden und dann über andere Tiere in China auf den Menschen übergegangen sei, räumt Mayr Mythen aus dem Weg.
Eine leichte Rechnung

80 Prozent der Infizierten würden die Krankheit ohne große Probleme überstehen. Rund sieben Prozent der Infizierten müssten ins Krankenhaus, 20 Prozent der Eingelieferten auf die Intensivstation, rechnet Mayr vor, wie schnell sich die Intensivstationen füllen können. „Das muss verhindert werden“, bringt er die Impfung ins Spiel.

Impfung als Erfolgsgeschichte

Normalerweise brauche man für die Entwicklung eines Impfstoffes mindestens fünf bis 10 Jahre. Da Forscher u.a. mit dem SARS-Virus aber bereits vor vielen Jahren Vorarbeit geleistet hätten, ging es dieses Mal wesentlich schneller. „Impfungen sind die Erfolgsgeschichte der Menschheit“, erinnert Mayr an zahlreiche Krankheiten, die ausgerottet wurden wie Polio oder Pocken. Natürlich habe es immer Menschen gegeben, die Impfungen skeptisch oder ängstlich gegenüberstehen, wirft Mayr einen Blick in die Geschichte. Der erste Impfstoff wurde nämlich aus Kälberhaut gewonnen und mit ihm die Pocken besiegt. Viele Menschen hätten damals gemeint, es wachsen ihnen Kuheuter oder Hörner. Die erste Impfstraße wurde damals übrigens von Maria Theresia eingerichtet, die selbst einige Kinder an die Pocken verlor. Fakt sei aber, dass es keine Impfung gebe, die so gut abgetestet sei, wie die Corona-Schutzimpfung – auch wenn die Nebenwirkungen nicht wegzudiskutieren seien.

Durchaus verständlich erläutert Mayr den Unterschied zwischen der Vektorimpfung und der mRNA-Impfung, die, wie er betont „beide sehr gut funktionieren“. Die Medien haben es verbockt, indem sie immer wieder auf die Wirksamkeit hinwiesen und verglichen, nimmt er sich auch an der eigenen Nase. Das Resultat: Die Menschen reden über Impfungen wie über Autos. Dass die Impfung schwere Verläufe fast zu 100 Prozent und die Weitergabe des Virus zu 80 bis 90 Prozent verhindere, sei jedenfalls bewiesen, spricht sich Mayr klar für die Impfung aus.

Lassen wir uns impfen?

Die Frage „lassen wir uns impfen?“ habe man sich auch im Kloster gestellt, spricht Abt Urban Federer aus der Praxis, der seit März 2020 für eine Männergemeinschaft (Kloster Einsiedeln) und eine Frauengemeinschaft (Kloster Fahr) verantwortlich ist. Eine Klostergemeinschaft sei keine uniforme Gesellschaft, in der einer befiehlt und der andere gehorcht, betont Federer. Auf seinen Appell an die Impfsolidarität seiner Mitbrüder habe er auch Gegenwind erhalten. Aber „Solidarität muss gefördert werden, wer sie nur fordert, stempelt schnell einen ab, wo jemand anders denkt“. Ähnlich sehe es mit der Dankbarkeit aus, die er der Solidarität zur Seite stellen wolle, betont der Abt und liest aus der Bibel „Der dankbare Samariter“ (Lukas 17,11–19) vor, in der die Aussätzigen nicht nur körperliche, sondern auch seelische Heilung erfahren.

Dankbarkeit beruhe auf Wissen. Auf dem Wissen, "dass andere Menschen jahrzehntelang erdulden müssen, was wir seit einem Jahr erleben", so Abt Urban und zitiert eine ihm bekannte Professorin aus der Schweiz auf Facebook:
"Die Pandemie ist ein Jahr alt, also muss sie jetzt zu Ende sein, Wir mögen nicht mehr. Darum muss es jetzt sinnvoll sein, in die Normalität zurückzukehren. Seit wann herrscht nochmal Krieg im Jemen? In Syrien? Vielleicht ahnen wir ja nun ein Zipfelchen von der Verzweiflung der Menschen in all diesen Krisengebieten. Zumal, wenn die Bedrohungen in vielen dieser Krisengebieten menschlich gemacht sind und prinzipiell wirklich abgestellt werden können, wenn nur die Mächtigen dieser Welt es wollten."

Was die Kirche mit Impfen zu tun hat

Natürlich sei es nicht Aufgabe der Kirche, sich für das Impfen einzusetzen, bestätigt Abt Urban auf Anfrage, aber „Kirche ist für mich der Dienst an Gott und am Menschen“. Und wenn es um seine (auch psychische, seelische) Gesundheit gehe, „bin ich als Kirche gefordert für den ganzen Menschen. Ich sehe meinen Einsatz als Teil der Gesellschaft, weil wir als Gesellschaft zusammenhalten müssen.“ In dieser Gesellschaft seien andere Meinungen durchaus erwünscht, "aber wenn es destruktiv ist oder Ängste ausgenützt werden, wird es schwierig", bezieht sich Federer auf Demonstrationen mit rechtem Einschlag.

„Wir müssen dem ganzen menschlich begegnen, bei allem was wir wissenschaftlich leisten können aber schlussendlich ist die Antwort auf dieses böse Ding; oder kann nur sein: Solidarität mit denen die Angst haben und Menschlichkeit allen gegenüber, egal wie sie es sehen", plädiert Mayr für mehr Augenmaß und Respekt.
Demut, Einsicht und ein Bremsklotz

Dass die Gefahr besteht, wieder in die alte Normalität zurückzukehren statt die neue zu fördern und zu fordern, befürchten beide Männer. "Wenn wir etwas aus dieser ganzen Sache lernen können, dann ist es etwas Demut und Einsicht. Und vor allem auch die Erkenntnis, dass es nicht darum geht immer stetig noch schneller zu wachsen. Noch schneller die Menschen in Arbeitsprozesse zu stecken", so Mayr. Den Bremsklotz solle man "als Erinnerung nehmen, dass wir eine Verantwortung haben für den Planeten und für alle anderen Menschen. Diese Lehre würde ich gerne daraus ziehen", spricht sich der Journalist gegen "ständiges Wachstum um jeden Preis" aus. "Das hat uns das Virus deutlich gezeigt: es kann schnell gehen, dass wir eines besseren belehrt werden. Oder in dem Fall: Eines schlechteren."

Den aufgezeichneten Vortrag zum Nachsehen finden Sie hier.

(aus dem Vorarlberger KirchenBlatt Nr. 13/14 vom 1. / 8. April 2021)

Autor:

KirchenBlatt Redaktion aus Vorarlberg | KirchenBlatt

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