Über 3.000 Kilometer auf dem Weg durch Italien
Fahrt zurück in die Freiheit

Erste Rast am Kalterer See.
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Was bedeutet für die Menschen in Italien der Begriff Freiheit nach dem Corona-Lockdown? Seit Mitte Juni sucht der Tiroler Regisseur Hermann Weiskopf, bekannt geworden durch den Film „Otto Neururer – Hoffnungsvolle Finsternis“, Antworten auf diese Frage. Mit der Grenzöffnung am Brenner hat er sich mit seiner Vespa zu einer über 3.000 Kilometer langen Fahrt aufgemacht, deren Ergebnis eine Filmdokumentation sein wird.

Interview: Martina Rainer

Was ist das Thema Ihres Dokumentarfilms?
Hermann Weiskopf: Im Film, der den Titel „Ride back to freedom. Zwei Räder auf der Suche nach der verlorenen Freiheit in Covid-Zeiten“ trägt, geht es um das Konzept der Freiheit vor und nach dem Corona-Lockdown. Die Idee dazu ist während der Ausgangssperre entstanden. In diesen Wochen habe ich auch mit der logistischen Vorbereitung der Reise begonnen. Es ist ein Dokumentarfilm mit einer sehr poetischen Note. Ziel ist nicht, möglichst viele Interviews einzuholen. Ich versuche, die Atmosphäre dieser besonderen Zeit einzufangen und in die Seele der Menschen zu blicken.

Mit welchen Mitteln machen Sie das?
Weiskopf
: Das Mittel sind die Menschen selbst. Ich lasse sie erzählen. Diese Geschichten sind die Basis, auf der der ganze Film aufbaut. Der Vespafahrer, der die Reise unternimmt, fungiert als Erzähler. Diese Erzählstimme ermöglicht zusätzlich, die dramaturgischen Elemente zu verstärken.

Warum haben Sie eine Vespa für die Reise gewählt?
Weiskopf:
Wir haben gerade einen Zeitraum hinter uns, in dem das Lebensziel des Immer-Mehr und Immer-Schneller stark ins Wanken geraten ist. Ein entschleunigendes Fahrzeug wie die Vespa erlaubt uns, einen Blick auf das zu werfen, was uns umgibt. Sie passt deshalb gut in diese Zeit. Zudem ist die Vespa auch ein Symbol des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg und steht für das Gefühl von Freiheit.

Inwiefern hat sich das Konzept von Freiheit durch die Coronakrise verändert?
Weiskopf:
Der Blick auf das Kleine hat an Größe gewonnen. Für die Menschen war es vor dem Lockdown eine Selbstverständlichkeit, Freunde zu besuchen. Diese kleinen Dinge bekommen nun einen großen Wert. Fernreisen bis ans andere Ende der Welt stehen nun nicht mehr an oberster Stelle der Wünsche. Nach den jüngsten Erfahrungen weiß man, dass es auch wertvolle Alternativen dazu gibt. Auch ein kleiner Spaziergang kann ein großes Gefühl von Freiheit schenken.

Welches Bild haben Sie bzw. Ihr Kameramann zuallererst eingefangen?
Weiskopf:
Die erste Aufnahme entstand am Brenner um Mitternacht, als am 16. Juni die Grenze wieder geöffnet wurde. Ich wollte diesen historischen Moment nach der monatelangen Trennung einfangen. Es hat geregnet, dadurch war es zusätzlich sehr stimmungsvoll.

Welche weiteren besonderen Momente haben Sie bislang auf Ihrer Reise erlebt?
Weiskopf:
Ich bin vielen Menschen begegnet. Es sind zufällige Begegnungen, aber auch Treffen, die im Vorfeld geplant wurden. Ich habe teilweise vor Ort Kontaktpersonen, die mich unterstützen und Termine vermitteln. Wir waren am Friedhof und in der Friedhofskirche in Bergamo. Von dort stammen die Bilder aus den dunkelsten Coronazeiten im März, die die ganze Welt erschüttert haben. Zufällig bin ich dort auf den zuständigen Seelsorger, den Franziskaner Marco Bergamelli, gestoßen. Als Hommage an die Stadt, an die Menschen und an das, was dort während der Coronakrise passiert ist, habe ich in der Kirche einen Strauß weißer Rosen niedergelegt.

Haben die Menschen noch Angst vor Corona?
Weiskopf:
Ich habe nicht den Eindruck. Derzeit überwiegt die Erleichterung, dass die schlimme Zeit vorbei ist.

Wie werden Sie aufgenommen – mit offenen Armen oder verhalten?
Weiskopf:
Die Menschen sind sehr offen. Ich habe das Gefühl, dass sie die Fragen, die wir stellen, selbst interessieren. Sie bekommen dadurch die Gelegenheit, über Dinge zu reflektieren, die sie zum Teil monatelang mit sich herumgetragen haben.

Wann wird der Dokumentarfilm fertig sein und wo wird er zu sehen sein?
Weiskopf:
Das kann ich noch nicht sagen. Mein Ziel wäre, ihn auf internationalen Filmfestivals zu präsentieren.

Autor:

TIROLER Sonntag Redaktion aus Tirol | TIROLER Sonntag

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