Kommentar
Guter Hirte?

Im Online-Gottesdienst wird das Lied „Du bist der gute Hirt“ vorgespielt, dazu das Bild eines Hirten mit seiner Schafherde eingeblendet. Meine vierjährige Tochter fragt verwundert: „Nur ein Hirte? Für sooo viele Schafe?“. Gute Frage. Es sind wirklich viele Schafe und der Hirte sieht schon etwas müde aus.
Meldungen über die sich rasant ausbreitenden Mutationen des Virus, steigende Zahlen trotz dem x-ten Lockdown, eine Gesellschaft unter Hochspannung, ständige gegenseitige Anschuldigungen. Die weltpolitische Lage lädt auch nicht gerade zur Entspannung ein. Zuversicht zu bewahren war schon einmal einfacher.
Das Bild vom einsamen, etwas müden Hirten kommt mir wieder in den Sinn. Nachdenklich steht er da in seiner Schafherde, auf seinen Stecken gestützt, den Blick zum Horizont gerichtet. Die Sehnsucht nach jemandem, der unsere verworrene Situation überblickt, ist groß. Bei manchen so groß und so voll Ungeduld, dass sie allen möglichen schnellen Erklärungen und einfachen Theorien folgen. So mancher selbsternannte (oder abgewählte) „Hirte“ nützt dies aus und hetzt Menschen auf.
Der gute Hirte, an den wir Christinnen und Christen glauben, ist anders. Er geht mit seinen Schafen. Müdigkeit und Verzweiflung sind ihm nicht fremd. Er führt sie nicht an den gefährlichen Schluchten vorbei, sondern mitten hindurch. Gehen müssen sie selbst. Vieles im Leben reift erst durch Krisen, Erschütterungen und Enttäuschungen. Das zu akzeptieren fällt schwer, gerade in Zeiten, in denen der Hoffnungsproviant aufgebraucht scheint. Der gute Hirte geht diesen Weg durch die Pandemie mit, aber seine Perspektive reicht viel weiter als die unsere. Und ab und zu darf ein Schaf auf seinen Schultern rasten.

Autor:

Lydia Kaltenhauser aus Tirol | TIROLER Sonntag

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