Die Schulamtsleiterin im Interview
Platz für Sinnfragen

„Es geht um diskursive Auseinandersetzung, die einen Raum eröffnen soll für religiöse Fragen", meint Schulamtsleiterin Maria Plankensteiner-Spiegel zur Bedeutung des Religionsunterrichts.
  • „Es geht um diskursive Auseinandersetzung, die einen Raum eröffnen soll für religiöse Fragen", meint Schulamtsleiterin Maria Plankensteiner-Spiegel zur Bedeutung des Religionsunterrichts.
  • Foto: Tiroler Sonntag/Rosenkranz
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Als Leiterin des Bischöflichen Schulamtes ist Maria Plankensteiner-Spiegel verantwortlich für den katholischen Religionsunterricht in der Diözese Innsbruck. Im Tiroler Sonntag-Interview berichtet sie von der neuen Imagekampagne und beleuchtet den Religionsunterricht im öffentlichen Diskurs.

„Ich glaube – Ja“ lautet eine Imagekampagne für den Religionsunterricht, die in den kommenden Tagen österreichweit startet. Warum dieser Titel?
Maria Plankensteiner-Spiegel: Der Titel hat eine Doppeldeutigkeit. Einerseits ist er bestärkend, andererseits weist er daraufhin hin, dass es bei Vielem im Leben keine letzte Gewissheit gibt. Anders gesagt: Im Religionsunterricht hat das Bekenntnis ebenso Platz wie die offene Auseinandersetzung, der Zweifel und die großen Fragen der Menschheit: Woher komme ich? Wohin gehe ich?

Der Religionsunterricht steht in einem starken Spannungsfeld und ist meist mitten in einem langen Arbeitstag der SchülerInnen angesiedelt – zwischen Fächern wie Mathematik, Deutsch oder Geschichte. Was kann der Religionsunterricht da leisten?

Plankensteiner-Spiegel: Der Religionsunterricht macht vertraut mit dem Wissen über religiöse Traditionen. Er ist eine Unterbrechung im Schulalltag und zeigt an, dass der Mensch weit mehr als das ist, was er zu leisten vermag. Nämlich einer, der auf der Suche ist nach Sinn – mit Fragen nach dem, was im Leben trägt und Bestand hat.

Die meisten SchülerInnen haben keinen religiösen Erfahrungshintergrund mehr. Was bedeutet das für die LehrerInnen und die Vermittlung des sog. Lehrstoffs?
Plankensteiner-Spiegel: ReligionslehrerInnen stehen an einer Schule klar für ein Bekenntnis. Dazu gehört wesentlich auch, dass sich Religion innerhalb einer pluralistischen Gesellschaft mit vielen verschiedenen Weltanschauungen zu bewähren hat. Schülerinnen und Schüler üben das im Religionsunterricht ein. Und auch Lehrerinnen und Lehrer tun das im Lehrerkollegium. Auf diese Weise leistet der Religionsunterricht einen wichtigen Beitrag für die Grundlagen demokratischen Zusammenlebens.

Auf Plakaten, die auch auf den Straßen zu sehen sein werden, sind Fragen zu lesen wie „Mag Gott mich immer?“ oder „Darf ich auch mal zweifeln?“ Da drängt sich eine andere Frage auf, wie offen Religionsunterricht ist und was ihn vom Ethikunterricht unterscheidet?
Plankensteiner-Spiegel: Ethik zu vermitteln gehört natürlich auch zum Religionsunterricht – aber eben auf christlicher Grundlage. Einen neutralen Ethikunterricht gibt es nicht. Dieser Anspruch ist nicht einzuhalten. Ethik hängt immer davon ab, aus welcher weltanschaulichen Position ich sie vortrage. In diesem Zusammenhang möchte ich betonen: Wer meint, katholischer Religionsunterricht habe etwas mit Indoktrination zu tun, war schon lange nicht mehr in der Schule. Es geht dort vielmehr um diskursive Auseinandersetzung, die einen Raum eröffnen soll für religiöse Fragen.

Im Schuljahr 2019/2020 nahmen 24.336 SchülerInnen ohne Bekenntnis am katholischen Religionsunterricht teil. Worin besteht für Sie der gesellschaftliche Auftrag dieses Fachs?

Plankensteiner-Spiegel: Kinder und Jugendliche sollen die Breite religiöser Weltdeutungen kennenlernen und ihre je eigene Weltsicht entwickeln. Nicht im privaten Kämmerlein, sondern im öffentlichen Raum. Dies baut auch der Gefahr des religiösen Extremismus vor, wie wir ihn weltweit erleben.
Das Interview führte Gilbert Rosenkranz

Maria Plankensteiner:
Auseinandersetzung mit religiösen Fragen war für Maria Plankensteiner-Spiegel (59) schon von klein auf wie ein Bissen Brot. In einer kinderreichen Familie geboren, wurde zu Hause immer viel diskutiert – auch beeinflusst von zwei Onkeln, die Religionslehrer und Priester waren. Ihr Interesse an Theologie war gepaart mit einer großen Liebe zur Literatur und dem Wunsch, mit Jugendlichen zu arbeiten. So studierte sie Religionspädagogik und Deutsch, wurde Lehrerin und war in den Folgejahren an zahlreichen Schulen und in der Lehrerbildung tätig. Außerdem absolvierte sie berufsbegleitend eine Ausbildung zur Erziehungs- und Jugendberaterin sowie pädagogische und theologische Weiterbildungen. Bischof Manfred Scheuer bestellte sie 2015 zur Leiterin des Bischöflichen Schulamtes. Auch heute ist für Plankensteiner-Spiegel die Beschäftigung mit religiösen Fragen ein Lebenselixier. Sie lässt sich dabei gern von Denkern aus allen philosophischen Richtungen inspirieren. „In jedem Urlaub ist ein eigener Bücherkoffer dabei“, erzählt sie.

Autor:

Gilbert Rosenkranz aus Tirol | TIROLER Sonntag

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