Maria Plankensteiner-Spiegel über Maria Magdalena
Maria Magdalena: Eine starke, unabhängige Frau

Aufnahme Magdalenas in den Himmel. 1495 hat der berühmte Künstler Simon von Taisten im spätgotischen Stil den Chor der Wallfahrtskirche Obermauern gestaltet.
  • Aufnahme Magdalenas in den Himmel. 1495 hat der berühmte Künstler Simon von Taisten im spätgotischen Stil den Chor der Wallfahrtskirche Obermauern gestaltet.
  • Foto: Foto: Edi Niederwieser
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„Allein daran, dass Maria Magdalena in den Evangelien nicht verschwiegen werden konnte, zeigt sich ihre Bedeutung. Wenn es irgendwie gegangen wäre, hätten die biblischen Autoren sicher gerne einen Mann als ersten Zeugen der Auferstehung genannt.“

Ich erinnere mich gut an diese Aussage eines Lehrers an der Universität während meines Studiums. Sie schärfte meinen Blick auf diese besondere Vertraute Jesu.

Maria Magdalena ist da. Ja, Maria Magdalena wird neben Maria, der Mutter Jesu, als einzige Frau in allen vier Evangelien genannt, sie war offensichtlich eine zentrale Person im Kreis der Jünger und Jüngerinnen. Bei den Ereignissen rund um Ostern hat sie einen prominenten Platz. Sie hat Jesus begleitet auf seinem Weg nach Jerusalem und ist bei ihm geblieben, als die Lage sich zuspitzte – und längst nicht mehr alle Jünger da waren. So ist sie Zeugin der Kreuzigung Jesu geworden, darin stimmen alle Evangelien überein. Sie war dabei, als Jesus begraben wurde, und alle Evangelien enthalten eine Geschichte, in der sie das Grab Jesu am Ostermorgen leer vorfindet. Zudem ist Maria aus Magdalena nach dem Zeugnis dreier neutestamentlicher Texte die Erste, die eine Begegnung mit dem Auferstandenen erlebt, und sie ist es, die den Jüngern davon berichtet.

Eigene Entscheidung. Der Beiname „Magdalena“ bezieht sich auf den Herkunftsort „Magdala“ („Migdal“), was im Aramäischen so viel wie „Turm“ oder „Feste“ bedeutet, vergleichbar unseren Ortsnamen, die auf -burg enden. Der Name bezeugt, dass sie Jesus zuliebe ihren Heimatort verlassen hat und weist auf ihre Unabhängigkeit und wirtschaftliche Selbstständigkeit hin. Denn normalerweise wurden Frauen über einen Mann definiert, als Tochter, Schwester oder Ehefrau. Maria Magdalena war also eine starke und selbstständige Frau, die ihre eigene Entscheidung für die Nachfolge Jesu getroffen hat und dieser Entscheidung treu geblieben ist.

Maria Magdalena, Apostelin der Apostel.Das frühchristliche Bild Maria Magdalenas wurde freilich ab ca. 600 durch eine andere Tradition überlagert. Sie wurde zu einer Person mit anrüchiger Vergangenheit, einer Prostituierten, die durch Jesus Rettung erfahren hat. Dass diese Zuschreibung nicht stimmt, ist inzwischen bekannt. Sie ist zurückzuführen auf eine Vermischung mehrerer Frauengestalten der Bibel, mit Maria von Bethanien und der namenlosen „sündigen“ Frau im Haus eines Pharisäers. Damit ist die wohl wichtigste Jüngerin und Vertraute Jesu über viele Jahrhunderte primär als ehemalige Prostituierte und reuige Sünderin wahrgenommen worden. Ihre außerordentliche Bedeutung als eine führende Person in der ersten christlichen Gemeinde, als Symbol- und Identifikationsfigur ging verloren. Sie hat erfahren, was Frauen auch heute noch oft genug erleben. Sobald sie leitende Rollen übernehmen, wird es schwierig. Im Lauf der Kirchengeschichte sind Frauen mehr und mehr von der Leitung der Kirche und den Ämtern ausgeschlossen worden. Doch klar ist: Frauen sind genauso wie Männer aus der Taufe heraus berufen, Zeugnis vom Auferstandenen zu geben.
Frau-Sein hindert nicht daran, eine tiefe Beziehung zu Jesus Christus zu haben und von ihm in den Dienst genommen zu werden. Das zeigt Maria Magdalena. Sie steht am Anfang, sie ist die Erste, Zeugin und Verkünderin, sie ist Apostelin Jesu Christi.

Maria Plankensteiner-Spiegel ist Leiterin des Schulamtes der Diözese Innsbruck.

Autor:

TIROLER Sonntag Redaktion aus Tirol | TIROLER Sonntag

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