Die Stellung der Frauen zu stärken, ist seit 300 Jahren ein Anliegen der Tertiarschwestern
In schwierigen Zeiten die Liebe weitergeben

„Ich wünsche mir eine geschwisterliche Kirche, die stets in Bewegung bleibt“, meint Provinzoberin Sr. Gertrud Schernthanner im Tiroler Sonntag-Interview.
  • „Ich wünsche mir eine geschwisterliche Kirche, die stets in Bewegung bleibt“, meint Provinzoberin Sr. Gertrud Schernthanner im Tiroler Sonntag-Interview.
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Seit sieben Jahren steht Sr. Gertrud Schernthanner als Provinzoberin den Tertiarschwestern in Hall in Tirol vor. Im Tiroler Sonntag-Gespräch berichtet sie über ihre Gründe ins Kloster einzutreten, ihr Alltagsleben, die möglichen Nachwuchssorgen im Kloster und über ein Leben in Liebe.

Schwester Gertrud, was hat Sie bewegt, ins Kloster einzutreten?
Sr. Gertrud Schernthanner: Nach der Ausbildung zur Familienhelferin wurde mir bewusst, dass mir die soziale Arbeit zwar sehr wichtig war, sie aber mein Leben nicht völlig ausfüllte. Der Kontakt zu den Tertiarschwestern während eines Praktikums im Elisabethinum weckte in mir die Sehnsucht, in dieser Kongregation zu leben. Ich begann das Postulat und trat 1981 ins Noviziat ein. In den zwei Noviziatsjahren lernte ich intensiv das klösterliche Leben kennen. Erst nach diesen zwei Jahren legt man die ersten Gelübde ab und zwar nur für ein Jahr, dies wird dann noch viermal wiederholt. Nach sieben Jahren war ich mir sicher, dass dies die Lebensform ist, die meinem Leben Freude und Sinn gibt.

Seit 2013 stehen Sie als Provinzoberin den Tertiarschwestern in Hall in Tirol vor. Können Sie ein wenig Ihren Alltag beschreiben?

Sr. Gertrud: Nach fast 30 erfüllten Jahren als Pädagogin im Elisabethinum wurde ich beim Kapitel im Jahre 2013 zur Provinzoberin gewählt und damit veränderte sich mein Leben grundlegend. Im Provinzhaus führe ich nun wieder ein klar strukturiertes klösterliches Leben. Galt im Elisabethinum meine Sorge den Jugendlichen, die mir anvertraut waren, so bin ich nun für meine Mitschwestern da. Mein Tag beginnt um 5.30 Uhr mit einer Meditation im Garten und der anschließenden Laudes und der hl. Messe in der Gemeinschaft. Um 8 Uhr beginnt meine Arbeit im Büro mit den verschiedenen Anforderungen. Nach dem Mittagessen folgt ein kurzes Gebet. Der Nachmittag ist auch mit Aufgaben gefüllt und um 17 Uhr treffen wir uns zu Rosenkranz und Vesper. Nach dem Abendessen schließt die Komplet den Tag ab. Danach gestalten die Schwestern individuell ihren Abend.

Was sollte sich in der Kirche ändern?

Sr. Gertrud: Schon vor 300 Jahren war es unserer Gründerin Maria Hueber ein Anliegen, die Stellung der Frauen in der Gesellschaft durch Bildung zu stärken. Auch heute noch ist die Stellung der Frau in der Kirche weit von einer Gleichberechtigung entfernt. Ich wünsche mir eine geschwisterliche Kirche, die stets in Bewegung bleibt.

Wie ist es um den Nachwuchs im Kloster bestellt?
Sr. Gertrud:
Nach einer langen Zeit, in der sich niemand für unser Leben interessierte, haben wir nun zwei Postulantinnen, die sich auf das Noviziat vorbereiten. Diese beiden jungen Frauen sind ein großes Hoffnungszeichen für unsere Gemeinschaft.

Was finden Menschen im Glauben, und weshalb geht es um ein Leben in Liebe?

Sr. Gertrud: Ich und wohl viele andere finden im Glauben die Gewissheit, von unserem Gott bedingungslos geliebt und angenommen zu sein. Diese beglückende Erfahrung trägt auch in schwierigen Zeiten und drängt uns, diese Liebe weiterzugeben, so wie es im Leben von Maria Hueber sichtbar und erfahrbar wurde. 

Interview: Andreas Raffeiner

Autor:

TIROLER Sonntag Redaktion aus Tirol | TIROLER Sonntag

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