Wenn wir Gottes Geist nicht finden, dann findet er uns - Gedanken zum Pfingsfest von Generalvikar Roland Buemberger
Gottes Geist: leise, unscheinbar, verspielt

Spielende Kinder - auch in ihnen wird die Lebendigkeit des Heiligen Geistes sichtbar.
  • Spielende Kinder - auch in ihnen wird die Lebendigkeit des Heiligen Geistes sichtbar.
  • Foto: OMAR HAJ KADOUR / AFP / picturedesk.com
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Im Frühjahr oder in den Sommermonaten, wenn es abends länger hell bleibt, kann man rund um das Diözesanhaus und Priesterseminar Interessantes beobachten. Dort, wo untertags viele Autos die Parkplätze füllten und Lieferwägen frische Ware für die Küche oder Post und Pakete anlieferten, da gibt es eine besondere Verwandlung: die Parkplätze leeren sich, die meisten fleißigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter machen sich auf den Weg nach Hause, und alles wird stiller und ruhiger. Dann kommen viele Kinder aus den umliegenden Häuserblöcken und erfüllen Wege, Parkplätze und Wiesenstücke mit Leben. Da wird gespielt, gelaufen, gelacht. Manchmal spielen sie Verstecken und lieben es, zu suchen und gefunden zu werden. Auf einmal ist das Leben rund um Priesterseminar und Diözesanhaus ganz anders.

Mich erfüllt dieses neue Leben immer mit einem frohen Lächeln und einer besonderen Freude. Es erinnert mich ein bisschen an den Heiligen Geist. Der kommt auch oft leise, unscheinbar und verspielt daher. Aber meist erst, wenn das Alltagsleben ruhiger wird und wenn mehr Platz da ist als im Alltagstrubel. Und dann merken wir, dass Gottes Geist schon immer bei uns gewohnt hat, ganz in der Nähe. Und immer wieder kommt er auf die Straßen und Wege und Plätze unseres Lebens und bringt Lebendigkeit, frisch und neu.
Frère Roger aus Taizé schreibt: „Atem der Liebe Gottes, Heiliger Geist, manchmal merken wir ganz überrascht, dass du uns so nahe bist.“

Gesucht und gefunden.
Die Erzählung vom Pfingstfest verleitet uns oft dazu, auf das machtvolle und kräftige Brausen des Geistes zu warten. Das gibt es auch. Aber meist kommt die Kraft Gottes leise daher, machtlos aber nicht kraftlos, wie ein zartes Säuseln. Wie das Rufen, Singen und Lachen der Kinder, die sich ihre Welt erobern. Und manchmal will er vielleicht gesucht und gefunden werden. Und wenn wir ihn nicht finden, dann findet er uns. Daran erinnert mich das Symbol der Taube, denn die Brieftaube findet immer ihr Ziel. Vertrauen wir darauf, dass Gott sich finden lässt und dass er uns findet? Die Erfahrung von Elija am Berg Horeb kommt mir oft in den Sinn, der Gott nicht im lauten Sturm findet oder im gewaltigen Erdbeben. Sondern im leisen, sanften Säuseln des Windes hört Elija die Frage Gottes an ihn und den Auftrag Gottes für ihn (1 Kön 19,11-15). Bei den Firmungen, die in diesen Tagen wieder landauf landab gefeiert werden, und am heurigen Pfingstfest geht es auch um diese Frage Gottes an jeden und jede von uns: Für wen bist du da? Und um den persönlichen Auftrag Gottes für uns, um die persönliche Berufung. Manche sagen auch Sinn des Lebens dazu. Die Ermutigung für Elija lautet dann: „Geh deinen Weg…“

Lebenssinn und Lebenskraft. Lebenssinn und Lebenskraft entdecken – dazu lädt uns das Pfingstfest mit Gottes Kraft ein. Das kann bedeuten, dass es dazu ein bisschen Ruhe braucht und Leere und Stille. Dann kommt Gottes Geist merkbar hervor aus seinen Wohnungen und spielt rund um uns herum und sucht uns. Und erfüllt uns mit Leben und Lebendigkeit. Und – ich wünsche es euch – mit einem frohen Lächeln. Und auf einmal ist das Leben rundherum ganz anders. «

Roland Buemberger ist Generalvikar, Regens und Herausgeber des Tiroler Sonntag.

Autor:

TIROLER Sonntag Redaktion aus Tirol | TIROLER Sonntag

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