Jesuitenrektor Christian Marte über die Bedeutung des Diözesanpatrons für heute
Der Rahmen des Petrus Canisius

„Heilige haben ein wenig die Funktion von  Bilderrahmen. Sie stellen die Frage: Welchen  Rahmen gebe ich meinem Leben?“, meint  P. Christian Marte im Tiroler Sonntag-Interview über den Diözesanpatron Petrus Canisius.
  • „Heilige haben ein wenig die Funktion von Bilderrahmen. Sie stellen die Frage: Welchen Rahmen gebe ich meinem Leben?“, meint P. Christian Marte im Tiroler Sonntag-Interview über den Diözesanpatron Petrus Canisius.
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P. Dr. Christian Marte ist Rektor des Jesuitenkollegs Innsbruck und als solcher Nachfolger des Diözesanpatrons, des Jesuitenheiligen Petrus Canisius. Im Tiroler Sonntag-Interview berichtet Marte von seinem persönlichen Zugang zu dem Heiligen, der vor 500 Jahren geboren wurde.

Vor 500 Jahren wurde Petrus Canisius geboren. Lohnt es sich wirklich, sich an Menschen zu erinnern, die vor so langer Zeit gelebt haben?
P. Christian Marte: Ich halte historische Biographien einfach für interessant. Man braucht doch nur in die Buchhandlungen zu gehen, dann sieht man, wie groß das Interesse an historischen Persönlichkeiten ist.
Biographien erleben einen echten Boom. Auch mit Blick auf die Biographie von Petrus Canisius lassen sich Lehren ziehen, die für das eigene Leben wertvoll werden können. Ich erinnere nur an seine beeindruckende Entscheidungsgeschichte. Er hätte wie sein Vater hoher Beamter oder Jurist werden können. Canisius hat sich davon frei gemacht und einen geistlichen Beruf gewählt. Oder sein Talent, sich exzellent auf das Gegenüber einzustellen. Petrus Canisius war als Katechet unter Kindern ebenso selbstverständlich zu Hause wie als Theologe unter Gelehrten oder ganz einfachen Menschen.

Petrus Canisius hat zu Fuß ja halb Europa bereist.
Marte:
Das Arbeitspensum von Petrus Canisius war außergewöhnlich. Er legte zu Fuß mehr als 100.000 Kilometer zurück. Das Einzugsgebiet seines Wirkens reichte von  Sizilien bis Polen, in Deutschland war er ebenso tätig wie in Österreich oder der Schweiz – wo er auch starb. Er hatte einen unglaublich weiten Horizont.

Wie konnte Petrus Canisius eine solche Wirkung erzielen, dass man sich noch 500 Jahre später an ihn erinnert?
Marte:
Canisius hat sehr viel geschrieben. Die Zeit, in der er lebte, war voller Umbrüche. Sein Anliegen war, Halt zu geben. Deshalb schrieb er Katechismen. Sie sollten wie Geländer wirken: jenen, die sich im Gehen schwer tun, helfen, Orientierung zu finden.

Die Kirchen leben heute in ökumenischer Verbundenheit. Was bedeutet das für das Heiligengedenken?
Marte:
Zunächst ist mir wichtig, Grundsätzliches zum katholischen Heiligenverständnis zu sagen. Heilige sind nämlich entgegen der weit verbreiteten Meinung keine Superhelden, sondern Personen mit Licht und Schatten. Und das ist bei Petrus Canisius nicht anders. Bei ihm finden wir viel Licht: seine große Dienstbereitschaft, seine Gelehrsamkeit, seine Predigtkunst oder sein Bemühen, durch neue Methoden neue Zielgruppen zu erreichen. So hat er einen in Reimen gesetzten Katechismus zum Singen herausgegeben. Und wir finden natürlich auch Schatten. Als Kind seiner Zeit hat natürlich auch er seine blinden Flecken. Klar ist: Es gab damals unheimliche Missstände auf beiden Seiten und einen Grobianismus in der Sprache – wie Bischof Reinhold Stecher einmal sagte – der für uns eine Verpflichtung sein sollte, es heute anders zu machen.

Worin sehen Sie die Aufgabe von Heiligen heute?
Marte:
Heilige haben ein wenig die Funktion von Bilderrahmen. Sie stellen die Frage: Welchen Rahmen gebe ich meinem Leben? Der Rahmen des Jesuitenheiligen Petrus Canisius steht unter dem Vorzeichen des Ordensgründers Ignatius von Loyola: „Alles zur größeren Ehre Gottes“.

Autor:

Gilbert Rosenkranz aus Tirol | TIROLER Sonntag

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