Vor knapp fünf Jahren kam Rahima nach Tirol. Sie war 19 Jahre alt.
Zweite Heimat Tirol

Rahima hat sich in Tirol ein neues Leben aufgebaut. Gelungen ist ihr das durch ihre Aufgeschlossenheit und durch die Hilfe vieler Menschen, die sie unterstützt haben.
  • Rahima hat sich in Tirol ein neues Leben aufgebaut. Gelungen ist ihr das durch ihre Aufgeschlossenheit und durch die Hilfe vieler Menschen, die sie unterstützt haben.
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Vor kurzem haben Land Tirol, Diözese Innsbruck und die evangelische Kirche einen Schulterschluss in Sachen Intergration verkündet. Aber wie gelingt im konkreten Leben, was auf dem Papier so schön klingt? Rahima aus Rattenberg hat dem Tiroler Sonntag davon erzählt.

Über ihr Leben in Afghanistan will Rahima nicht sprechen. Dafür erzählt sie von ihrem Leben in Tirol. Mit ihrem kleinen Sohn und ihrem Mann lebt sie heute in Rattenberg in einer eigenen Wohnung. Sie hat Arbeit gefunden als Reinigungskraft in einem Pflegeheim. „Solche Einrichtungen gibt es in Afghanistan nicht“, sagt sie. Aber Häuser, in denen alte Menschen betreut werden, findet sie wichtig. Daher wird sie eine Ausbildung zur Pflegekraft beginnen. „Ich möchte alten Menschen helfen und sie begleiten. Vielleicht wird es mir auch einmal so gehen“, meint Rahima.

Freunde gefunden. Etwas zurückgeben, weil man etwas bekommen hat. Das ist wie ein roter Faden im Leben von Rahima, seit sie in Tirol lebt. In mehreren Flüchtlingsunterkünften im Tiroler Unterland hat sie Hilfe erfahren. Von Menschen, die sie beim Gang zum Arzt und zu den Behörden begleitet haben. Von Menschen, die ihr ein Fahrrad geschenkt haben. Die mit ihr geredet und sie zu sich eingeladen haben, damit sie die deutsche Sprache lernt. „Ich habe immer Freunde gefunden, dafür bin ich sehr dankbar“, blickt Rahima zurück auf die vergangenen fünf Jahre. Leidenschaftlich habe sie Fußball gespielt, in der Frauenmannschaft in Schwaz. Dann hat sie ihren ersten Sohn geboren, damals noch im Flüchtlingsheim in St. Johann.

Begleiter in die Selbstständigkeit. Nicht nur Freundschaften waren es, die ihr geholfen haben, in Tirol eine neue Heimat aufzubauen. Das Integrations- und Bildungszentrum (IBZ) des Diakonie Flüchtlingsdienstes der evangelischen Kirche hat Rahima auf dem Weg zu einem selbstständigen Leben begleitet und ihr schließlich eine Wohnung vermittelt. „Wir durchforsten Wohnungsinserate, mieten auch selbst Wohnungen an und vermitteln sie an Menschen, die in Österreich Asyl bekommen oder subsidiär schutzberechtigt sind“, erklärt Martina Steger vom IBZ Innsbruck. Auch für diese Unterstützung will sich Rahima revanchieren. Sie arbeitet ehrenamtlich bei der Diakonie in Wörgl mit, hilft Asyl- und subsidiär Schutzberechtigten beim Ausfüllen der Formulare und begleitet sie beim Einkauf oder bei Arztbesuchen. Für Rahima hat die große Stunde vor einem Jahren geschlagen. Nach einer Anhörung in Wien und einem ersten negativen Bescheid kam dann doch noch die erlösende Nachricht: Ein positiver Asylbescheid in Österreich. Im Rückblick merkt Rahima, wie schwer die Zeit war, als sie nicht wusste, ob sie in Tirol bleiben kann. Land und Menschen hat sie schon in ihr Herz geschlossen. Sie liebt das Wandern, geht Schifahren, trifft sich gern mit Freunden. Aber es gibt auch die Schattenseiten: „Es ist schwer, eine Arbeit oder eine Wohnung zu finden, wenn Afghanistan als Herkunftsland im Lebenslauf steht“.

Interesse an Kultur und Mensch. Immer wieder Menschen zu begegnen, die bereit sind zu helfen, das hat Rahima geholfen. Aber sie hat auch etwas dafür getan. „Man muss die Sprache lernen und sich für die Menschen und die Kultur in diesem Land interessieren“, sagt sie. Und man dürfe keine Scheu haben, auf die Menschen zuzugehen, ihnen Fragen zu stellen, wenn man etwas nicht versteht. Und wichtige Telefonnummern auswendig lernen – das hat sie gemerkt, als sie bei einem Unfall rasch Hilfe holen konnte, weil sie die Nummer der Rettung kannte.

Walter Hölbling

Autor:

TIROLER Sonntag Redaktion aus Tirol | TIROLER Sonntag

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