Ein Gespräch über den Alltag von pflegenden Angehörigen
Glück entsteht, wo Liebe ist.

Mit Herz und Geduld: Die Pflege von Angehörigen kann belastend sein. Maria Eiter-Heiß strahlt trotz aller Belastungen Zuversicht aus.
  • Mit Herz und Geduld: Die Pflege von Angehörigen kann belastend sein. Maria Eiter-Heiß strahlt trotz aller Belastungen Zuversicht aus.
  • Foto: Eiter-Heiß
  • hochgeladen von Lydia Kaltenhauser

Angehörige zuhause zu pflegen, erfordert Geduld, Ausdauer und Herz. Allein in Tirol werden rund 80 Prozent aller Pflegebedürftigen daheim von ihren Angehörigen versorgt. Maria Eiter-Heiß aus Haiming ist eine der Pflegenden. Anlässlich des Welttags der Kranken am 11. Februar hat sie dem Tiroler Sonntag von den Höhen und Tiefen ihres Alltags erzählt.

Warum haben Sie sich dazu entschieden, Ihren Mann zuhause zu pflegen?
Maria Eiter-Heiß: Es war für mich eigentlich nie eine Frage, ob ich meinen Mann in ein Heim gebe. Nach seinem schweren Sturz im Jahr 2011 verbrachte er Monate im Krankenhaus und auf Reha. In dieser Zeit habe ich alles organisiert – vom Pflegebett angefangen. Die Situation ist mir zunächst wie ein riesiger unbezwingbarer Berg vorgekommen. Als erprobte Bergsteigerin bin ich aber Schritt für Schritt in die Aufgabe hineingewachsen.

Wie geht Ihr Mann mit der Situation um?
Eiter-Heiß: Er ist sehr dankbar für alles und hat zum Glück seinen Humor behalten. Ich binde ihn ein, wo immer es möglich ist, und er nimmt auch an meinem Leben teil, fragt mich, wie es mir geht und was mich bewegt.

Was ist für Sie als Pflegende am schwersten? Was am schönsten?
Eiter-Heiß: Am schönsten war, als er nach dem schweren Sturz endlich wieder heimgekommen ist. Zugleich war das auch am schwersten, aber diese Schwere ist in Dankbarkeit und Freude gewandelt worden. Sehr schwer war auch, als er an Depressionen litt. Da war ich manchmal hilflos. Gott sei Dank konnte ich mir gute professionelle Hilfe holen.

Wie hat sich Ihre Beziehung seitdem verändert?
Eiter-Heiß: Wir kommen nach wie vor bestens miteinander aus, sind ein gutes Team und nehmen uns viel Zeit füreinander. Jedes Kompliment meines Mannes freut mich sehr. Immer wieder sagen mir Menschen, wie ihnen unser liebevoller, wertschätzender Umgang miteinander auffällt. Darum bemühen wir uns sehr.

Wie hat sich die Corona-Krise für Sie ausgewirkt?
Eiter-Heiß: Da wir eher abgeschieden wohnen, haben wir gute Gelegenheiten zum Hinausgehen, dafür bin ich sehr dankbar. Einschneidend für mich ist, dass ich mein Ehrenamt als Seelsorgerin im Altenheim derzeit nicht ausüben kann und auf professionelle Unterstützung bei der Pflege aus Sicherheitsgründen weitgehend verzichte. Die sozialen Kontakte gehen uns auch sehr ab. Insgesamt ist die Situation schon mit deutlichen Erschwernissen verbunden, aber ich habe schon einiges im Leben gemeistert und bin sicher: Wir werden auch das überstehen. Ich hoffe sehr auf die Impfung.

Welchen Rat geben Sie Menschen, die sich mit dem Gedanken tragen, Angehörige daheim zu pflegen?
Eiter-Heiß: Einen Rat zu geben, ist schwer – man kann Kraft und Mut zusprechen, entscheiden muss jeder selbst. Wenn man es wirklich probieren will, würde ich das niemandem ausreden. Trotzdem würde ich immer zur Sicherheit einen Platz in einem Heim vormerken lassen. Zunächst muss man viel organisieren. Anfangs ist es oft sehr schwierig, den geliebten Angehörigen in einem solchen Zustand zu sehen. Man muss erst lernen, damit umzugehen. Mit der Pflege ist man auch schnell einmal überfordert. Auch wenn ich immer daran geglaubt habe, dass es besser wird, war ich am Limit und habe mir Hilfe geholt. Alleine kann man das auf keinen Fall schaffen!

Was tun Sie für sich selbst? Was gibt Ihnen Kraft fürs Leben?
Eiter-Heiß: Es gibt viele schöne Momente: gemeinsames Musizieren oder Beten mit meinem Mann zum Beispiel. Ich gehe regelmäßig mit einer Freundin spazieren und lese, wann immer es mir möglich ist. Ich bin ein sehr spiritueller Mensch und nehme mir bewusst Zeit dafür, diese Seite zu pflegen. Ein wichtiger Satz ist für mich „Glück entsteht da, wo Liebe ist“. Und schon lange begleitet mich der Gedanke aus dem 2. Römerbrief, fröhlich zu bleiben, geduldig in der Hoffnung und beharrlich im Gebet. Mit dem ersten Vaterunser ist nicht alles erledigt! Gottes Hilfe kommt nicht immer sofort. Aber man kann auf sie vertrauen.

Beratung bei der Fachstelle der Caritas Tirol für pflegende Angehörige: Tel. 0512/7270-45

Füreinander da
Maria Eiter-Heiß (71) und Josef Eiter (72) sind seit 20 Jahren verheiratet. Josef Eiter ist seit einem Schlaganfall im 25. Lebensjahr halbseitig gelähmt und berufsunfähig. Zuvor war er in der Landwirtschaft auf der Kronburg beschäftigt. Er war leidenschaftlicher Krippenbauer und Musikant. Seit einem schweren Sturz 2011 ist er pflegebedürftig. Seine Frau Maria Eiter-Heiß, gelernte Kindergärtnerin und Lehrerin, hat die häusliche Pflege übernommen. Die beiden leben in Marias Elternhaus in Haiming.

Autor:

Lydia Kaltenhauser aus Tirol | TIROLER Sonntag

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