Vorzeigeprojekt für Integration im Tiroler Oberland
Auf der Leiter ganz oben

Domenico und Dominik leisten auch an der Kassa ganze Arbeit.
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  • Domenico und Dominik leisten auch an der Kassa ganze Arbeit.
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  • hochgeladen von Gilbert Rosenkranz

Sie sind Männer der ersten Stunde: Domenico Windbichler und Dominik Frischmann. In der MPREIS-Filiale Mötz sind sie Aushängeschilder für ein Vorzeigeprojekt, das sich unter anderem die Inklusion von Menschen mit Behinderungen zum Ziel gesetzt hat.

Charmanter zu bedienen geht fast nicht. Mit großer Hilfsbereitschaft sind die beiden MPREIS-Mitarbeiter im Einsatz, um Kundenwünsche zu erfüllen. Ihre Zuständigkeit reicht vom Schlichten der Produkte bis hin zur Arbeit an der Kassa. „Pünktlichkeit, höflich sein und die Sachen schön herrichten“, fasst Domenico Windbichler im Tiroler Sonntag-Gespräch zusammen, was im Supermarkt zählt.
Die Filiale der Supermarkt-Kette trägt den Namen „lebensM“. Hier sind auch Mitarbeiter tätig, die Begleitung brauchen. Entgegen vieler Vorurteile kommen Domenico Windbichler und Dominik Frischmann weitgehend selbstständig mit den Herausforderungen des Alltags zurecht. So fährt Dominik Frischmann täglich von Ötztal-Bahnhof an seinen Arbeitsplatz. Von der Arbeit und den KollegInnen ist er begeistert: „Mir gfallts da soooo gut.“

Viele ziehen an einem Strang. An ihrem Einsatzort werden die beiden von der Lebenshilfe begleitet. Eine Unterstützung, die wichtig ist. Erste Berufserfahrungen haben sie in einer Küche der Lebenshilfe gesammelt. Vergangenen Herbst war dann die Zeit reif für einen Arbeitswechsel. Neun Monate pendeln sie nun schon, unterbrochen von der Zeit der Corona-Pandemie, täglich nach Mötz.
Der Einstieg in das neue Umfeld war eine große Herausforderung. Doch er war gut vorbereitet – von Seiten der Lebenshilfe und der Firma MPREIS. Dass die beiden Unternehmen ausgerechnet seine Gemeinde für dieses Pilotprojekt ausgewählt haben, freut den Bürgermeister von Mötz, Michael Kluibenschädl, ungemein. Als er zum ersten Mal von der Idee des lebensM hörte, wusste er sofort: „Des isch meins.“ Auch der Gemeinderat war dafür zu gewinnen und so entstand dort, wo ehemals ein Traditionsgasthaus war, ein neuer Begegnungsort. Denn zum lebensM gehört auch ein kleiner, feiner Bistrobereich.

Immer auf Augenhöhe. Der Mötzer lebensM ist nicht nur ein Pilotprojekt für Inklusion – einem Miteinander, in dem niemand ausgeschlossen wird. Es ist auch ein Vorzeigeprojekt, wie Neues und Kreatives entstehen kann, wenn sich Unternehmen von einer Vision leiten lassen, deren wichtigster Anspruch nicht die Steigerung des Kapitals, sondern der Lebensqualität ist. Viele ziehen daraus einen Profit: die Klienten Dominik Frischmann und Domenico Windbichler – seit kurzem neu dabei ist Patrick Hangl –, die Firma MPREIS, die ihr soziales Profil schärft, die Lebenshilfe, die Klienten eine Ausbildung und in Folge die Chance auf einen regulär bezahlten Arbeitsplatz eröffnet, und die Gemeinde Mötz, die trotz ihrer „nur“ rund 1.300 Einwohner wieder einen Nahversorger im Dorf hat.
Bürgermeister Kluibenschädl lobt die Gesprächsbasis in der nicht immer einfachen Entstehungszeit: „Es war immer ein Miteinander auf Augenhöhe.“ Das bestätigen auch Marcus Preyer von der Lebenshilfe und Anna-Maria Mölk von der Firma MPREIS.
Beim Lokalaugenschein in Mötz werden die Unternehmensvertreter denn auch nicht müde, die Bedeutung der Partnerorganisationen zu betonen – „ohne die nix gegangen wäre“. Genauso wichtig sind lebensM-Filialleiterin Monika Bader und ihre Mitarbeiterinnen, die vor Ort täglich unterstützen, Fragen beantworten – damit alles klappt.

Schneller als die Kassa. Domenico Windbichler und Dominik Frischmann strahlen um die Wette, wenn sie auf ihre Arbeit angesprochen werden. Dass sie sich in ihrer Haut und im Arbeitsgewand so wohl fühlen, liegt auch an Marion Mühlbacher. Die Mitarbeiterin der Lebenshilfe ist als Arbeitsassistentin dafür zuständig, dass sich die beiden gut in die Arbeitsabläufe einfinden und die Anforderungen erfüllen. In welch hohem Ausmaß sie das tun würden, hat auch Marion Mühlbacher überrascht. So hat Dominik Frischmann ein ungewöhnlich gutes Gedächtnis. Sehr leicht merkt er sich die Zahlen, mit denen die Waren codiert sind: 4731 für einen Verlängerten, 5608 für einen Fleischkäse, 1274 für eine Kiwi usw. – „Dominik ist schneller als die Kassa“, freut sich Marion Mühlbacher.

Ermutigend. Die ersten Erfahrungen mit dem Mötzer lebensM sind so ermutigend, dass die Zusammenarbeit ausgeweitet werden soll. Dann könnten weitere Klienten der Lebenshilfe ausgebildet werden, Selbstbewusstsein aufbauen, Lehr-Teilqualifizierungen erwerben, am ersten Arbeitsmarkt Fuß fassen und so wichtige Schritte zu mehr Selbstständigkeit und Selbstbestimmung setzen.

lebensM Mötz: Öffnungszeiten Montag bis Freitag, 8-13 Uhr, 15-19 Uhr; Samstag, 8-13 Uhr

Domenico und Dominik leisten auch an der Kassa ganze Arbeit.
Sie stehen für ein Vorzeigeprojekt zusammen: Bürgermeister, MitarbeiterInnen der Lebenshilfe und der Supermarkt-Kette Mpreis.
Autor:

Gilbert Rosenkranz aus Tirol | TIROLER Sonntag

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