Taufe des Herrn | 10. Jänner 2021
Meditation

Taufe Jesu, Fresko von Giotto di Bondone, um 1304, Padua.

Der Christ als Taucher

Untertauchen – und niemanden mehr sehen.
Untertauchen – und nichts mehr hören.
Untertauchen – und kein Wort mehr sprechen.
Eine Sehnsucht.

Untertauchen im Jordan – und den offenen Himmel sehen und die Stimme hören und sprechen.
Deine Sehnsucht.

In meinem Tief mich an deine und meine Taufe erinnern:
Ich tauche auf!

Marie-Luise Langwald

Untertauchen und auftauchen sind die zwei Grundhandlungen der Taufe. Jesus, dessen Taufe wir am Sonntag nach dem 6. Jänner feiern, ist mit vielen seiner Zeitgenossen im Jordan untergetaucht. Als er auftauchte, hat er sich als geliebter Sohn Gottes angesprochen gefühlt.
Bei Jesus ist die Folge seiner Taufe das Auftauchen. Nach dem reinigenden Bad der Taufe zieht er sich zwar eine Zeitlang in die Wüste zurück, um mit sich selbst ins Reine zu kommen. Dann aber taucht er auch ganz öffentlich auf. Als einer, der sich gesandt fühlt für eine frohe Botschaft, für ein heilendes Wort, das andere aufrichtet. Als einer, der Gottes Gegenwart verkörpert.
Kann es sein, dass wir zur Taufe oder zur Firmung auftauchen, um dann wieder unterzutauchen? Untertauchen im Sinne von Verschwinden und Rückzug kann wohl nicht die Folge unserer Taufe sein. Untertauchen im Sinne von In-die-Tiefe-Gehen schon eher. Zur Taufe gehört das Untertauchen, weil Christsein das Gegenteil von Oberflächlichkeit
ist.
Doch die Folge der Taufe bleibt das Auftauchen. Das Auftauchen in meiner Glaubensgemeinschaft und ihren Feiern. So wie Jesus in den Synagogen aufgetaucht ist.
Ist die Kirche systemrelevant? Diese Frage tauchte im Zusammenhang mit den Corona-
Maßnahmen auf. Die wirkliche Antwort da-rauf hängt wohl damit zusammen, ob wir Christinnen und Christen auftauchen in unserer Gesellschaft. An der Seite derer, die einen Menschen brauchen, einen Beistand, einen Rat. An der Seite des Lebens, gerade dort, wo es vernachlässigt wird, wo Recht auf Töten mehr betont wird als Recht auf Le-
ben.
Das Wort „taufen“ kommt von „tauchen“. Christen sind Taucher. Sie können in die Tiefe gehen, ohne dass ihnen die Luft ausgeht. Und wo sie auftauchen, fühlen sich andere angesprochen von Gottes Liebe.
Herbert Meßner

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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