Sonntag - Kommentar von Alfred Jokesch
Darstellung des Herrn

Sein Leben neigt sich bereits dem Ende zu. Bestimmt kann er auf reiche Erfahrungen zurückschauen, auf schöne, erhebende Erlebnisse, sicher auch auf Schweres und Schmerzvolles, gewiss hätte er viele Geschichten zu erzählen. Er hat sich um ein gutes und redliches Leben bemüht und seine Hoffnung auf Gott gesetzt. Doch unausweichlich geht es nun bergab. Dieser Simeon könnte eine gute Identifikationsfigur für unsere heutige Kirche abgeben. Da finden wir uns in einer ganz ähnlichen Situation wieder.

Wer aber denkt, dass Simeon nur in der Vergangenheit lebt und auf sie zurückschaut, hat weit gefehlt. Er hat sich einen wachen Geist bewahrt und Augen, die mehr sehen als das Offensichtliche. Simeon geht in den Tempel, aber nicht bloß aus Gewohnheit, weil es Tradition ist, sondern weil er sich vom Geist führen lässt. Er tut es in der hoffnungsfrohen Gewissheit, dass das Beste in seinem Leben noch kommt, dass er das Heil schauen darf. Und auch in dem großen Augenblick der Erfüllung dieser Verheißung hebt er nicht ab, sondern sieht vor seinem geistigen Auge die ganze Fülle dessen, was Erlösung bedeutet, nämlich Licht und Schatten, Herrlichkeit und Leid, Heilung und Schmerz, Zuspruch und Widerspruch.

Von dem alten Mann im Tempel von Jerusalem können wir als alt gewordene Kirche vieles lernen. Lassen wir uns von einem offenen Geist führen und von der Zuversicht, dass wir uns nicht auf dem absteigenden Ast befinden, sondern – indem wir die Berührung mit Christus suchen – ein Mehr an Heil, Licht und Lebensfülle erlangen.

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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