caritas in veritate | Teil 05
Wenn die Wirtschaft die Ethik als Mäntelchen trägt

Das ist mein gutes Recht!“ Dieser Satz ist oft zu hören. Und es ist gut, Recht und Rechte zu haben. Probleme gibt es dann, wenn Rechte nur als Ansprüche für sich gesehen werden und nicht auch als Ansprüche an sich. Der Papst mahnt denn auch die mit Rechten verbundenen Pflichten ein, nicht als Voraussetzung für die Gewährung von Rechten, sondern als notwendigen Rahmen für die Verwirklichung der Rechte aller. Solidarität zeigt sich auch in der Verantwortung für die Durchsetzung der Rechte anderer. „Das Teilen der wechselseitigen Verpflichtungen mobilisiert viel stärker als die bloße Beanspruchung von Rechten“ (43), stellt der Papst fest. Dabei geht es Benedikt darum, die Unverfügbarkeit der Rechte in der Bezugnahme auf die Wahrheit zu fundieren. Diese geht verloren, wenn man Rechte nur für sich und nicht in der Wahrnehmung der objektiven Wirklichkeit sieht.

Dieser Bezug auf die Wahrheit ist etwa auch der Hintergrund für die Betonung der Notwendigkeit von Ethik in der Wirtschaft. Wenn Ethik nur in der Werbeabteilung von Unternehmen eine Rolle spielt und nicht auch in der Gestaltung des wirtschaftlichen Alltags, bleibt sie ein Mäntelchen, das man sich umhängt, um sich gegen andere abzuheben, und nicht, um mit anderen zusammen eine bessere Lösung zu finden. Könnte eine „neue Unternehmensform“ als eine „zusammengesetzte Wirklichkeit, die das Private und das Öffentliche einbezieht und den Gewinn nicht ausschließt, ihn aber als Mittel für die Verwirklichung humaner und sozialer Ziele betrachtet“, wie sie in der Enzyklika in der Nr. 46 angesprochen wird, ein Schritt auf mehr Ethik hin sein? Solche Unternehmen konkret auszugestalten, das wird in Zukunft viel Arbeit bedeuten. Hier liegt auch die Aufgabe jedes Einzelnen: „Die internationale Zusammenarbeit benötigt Personen, die den wirtschaftlichen und menschlichen Entwicklungsprozess durch die Solidarität ihrer Präsenz, der Begleitung, der Ausbildung und des Respekts teilen.“ (47)

Dieser in der Wahrnehmung der Wirklichkeit gelegene Respekt muss auch grundlegend sein für die Beziehung des Menschen zu seiner natürlichen Umwelt. Die Natur, die „Ausdruck eines Planes der Liebe und der Wahrheit“ ist, trägt eine „Grammatik“ in sich, „die Zwecke und Kriterien für eine weise, nicht funktionelle und willkürliche Nutzung angibt“. (48) Diesen Eigenwert der Natur anzuerkennen und so zu ihrer Entwicklung beizutragen, ist Aufgabe des Menschen. Die Verpflichtungen, die sich daraus in der Energie- oder auch Bevölkerungsfrage ergeben und die in eine globale Verantwortung münden, müssen zu einem neuen Lebensstil führen. „Notwendig ist ein tatsächlicher Gesinnungswandel, der uns dazu anhält, neue Lebensweisen anzunehmen, ,in denen die Suche nach dem Wahren, Guten und Schönen und die Gemeinschaft mit den anderen Menschen für ein gemeinsames Wachstum die Elemente sein sollen, die die Entscheidungen für Konsum, Sparen und Investitionen bestimmen‘“ (51). Sind wir zu diesem Wandel bereit?

 

Der Grazer Sozialethiker Dr. Leopold Neuhold analysiert für das Sonntagsblatt die Grundlinien der soeben erschienenen Sozialenzyklika von Papst Benedikt XVI.

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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