Benedikt heute | Teil 05
Was Verantwortung bedeutet und was ein Burnout ist

Benediktinische Impulse für das Leben heute

Da der Abt nicht alles selber machen kann, delegiert er die Verantwortung, z. B. an den Cellerar (Verwalter), dem in der Benediktsregel ein eigenes Kapitel gewidmet ist. Der Betreffende muss nicht so sehr etwas können, als vielmehr jemand sein: „Er sei von reifem Charakter, kein Vielesser, nicht hochmütig, nicht aufgeregt und nicht grob, nicht langsam und nicht verschwenderisch. Er sei der Gemeinschaft wie ein Vater.“

Geld und Geist.
Heute würde man in ein Stelleninserat für einen Verwalter kaum schreiben, er soll „wie ein Vater sein“. Benedikt findet das aber entscheidend. Es geht ihm nicht einfach darum, dass die Verwaltung effizient ist und die Kasse stimmt, sondern dass im Kloster eine gute Atmosphäre herrscht. Niemand im Kloster darf „aufgewühlt oder traurig sein“. Dafür ist der Cellerar, der sich eigentlich um Irdisches kümmern muss, mitverantwortlich. Benedikt delegiert das nicht an einen Betriebspsychologen.

Wünsche. 
„Äußert ein Bruder unvernünftige Wünsche, so soll er ihn nicht einfach abweisen, sondern unter Angaben der Gründe die ungehörige Bitte ablehnen.“ Der Cellerar muss also hie und da auch Nein sagen. Aber er soll dies nicht schroff oder verletzend tun, sondern „unter Angabe der Gründe“, d. h. er nimmt den anderen ernst und baut ihm mit Argumenten gleichsam eine Brücke, damit dieser die abschlägige Antwort nachvollziehen kann. Es kann einmal der Fall eintreten, dass der Cellerar überhaupt nichts zu geben hat. Dann „gebe er wenigstens ein freundliches Wort, denn in der Bibel steht: Ein freundliches Wort geht über die beste Gabe“.

Grenzen.
Einer, der sich auf eine so subtile Art um andere kümmern muss, kommt natürlich an seine physisch-psychischen Grenzen. Deshalb empfiehlt Benedikt: „Wenn die Gemeinschaft größer ist, gebe man ihm Gehilfen, damit er den Seelenfrieden nicht verliert.“ Dieser Seelenfriede des Verantwortungsträgers ist für Benedikt ein sehr hohes Gut. Deshalb seine Mahnung: „Er gebe acht auf sich selber.“ Er muss also auch für sich selber schauen. Ungewohnte Worte in einem Umfeld, wo man Selbsthingabe oft bis zum Geht-nicht-Mehr gefordert hat.

Leiter.
Tausend Jahre nach Benedikt wird der Mailänder Bischof Karl Borromäus, der sich bis zur Erschöpfung (er ist 46-jährig gestorben) für die Reform der Kirche eingesetzt hatte, in seiner letzten Ansprache an seine Priester sagen: „Bist du Seelsorger? Vernachlässige darüber nicht die Sorge für dich selber, und sei den anderen gegenüber nicht so freigebig, dass für dich selbst nichts übrig bleibt.“

Benedikt vergleicht unser Leben mit einer Leiter. Die Holme links und rechts, sagt er, bedeuten unseren Leib und unsere Seele. Leib und Seele sind für ihn in gleicher Weise tragend und müssen mit der gleichen Sorge umgeben werden. Denn er weiß: Wird eines von ihnen vernachlässigt, bricht das Ganze zusammen, dann kommt es zum Burnout.

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SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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